Letztes Update am Do, 08.11.2018 07:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Kongresswahl

Akkreditierung verloren: CNN-Reporter ist laut Trump ein „Volksfeind“

Am Tag nach den Midterms zeigt sich der US-Präsident gereizt im Umgang mit der Presse. Fragen unliebsamer Reporter treiben Trump in Rage. Am Ende eines heftigen Schlagabtauschs verliert ein CNN-Journalist seine Akkreditierung.

© AFPUS-Präsident Trump packt bei einer Pressekonferenz die Wut, er streitet mit einem ihm unliebsamen CNN-Reporter.



Washington – Am Tag nach den Kongress- und Gouverneurswahlen hat sich US-Präsident Donald Trump mit gleich mehreren Journalisten persönlich angelegt. Vor allem attackierte Trump bei einer Pressekonferenz den CNN-Korrespondenten Jim Acosta, den er als „unverschämte, fürchterliche Person“ und „Feind des Volkes“ beschimpfte.

Da sich Acosta mit einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses um das Mikrofon gestritten und sich auch mehrfach geweigert hatte, dieses zurückzugeben, wurde dies als Anlass für den Entzug seiner Akkreditierung genommen.

CNN-Reaktion sei „widerlich“

Auch wenn Trump an eine freie Presse glaube und schwierige Fragen über sich und seine Regierung begrüße, heißt es in der Mittelung von Sprecherin Sarah Sanders, werde derartiges Verhalten gegenüber einer jungen Mitarbeiterin des Weißen Hauses „niemals toleriert“. Dass sich CNN nunmehr stolz über die Arbeit ihres Reporters geäußert habe, sei „nicht nur widerlich, sondern auch ein Beispiel ihrer empörenden Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten“.

„CNN muss sich schämen, so jemanden wie Sie zu beschäftigen.“
Donald Trump über CNN-Reporter Jim Acosta

Der Reporter hatte Fragen zu den laufenden Russland-Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller gestellt. „Wenn Sie Fake News in die Welt setzen, was CNN tut, dann sind Sie der Feind des Volkes“, warf ihm Trump unter anderem vor. CNN müsse sich schämen, einen Menschen wie Acosta zu beschäftigen.

Die Auseinandersetzung begann, als Acosta Trump zu seinen Verbalattacken auf die zentralamerikanischen Flüchtlinge befragte, die sich derzeit zu Tausenden auf dem Weg in Richtung USA befinden. Auf die Frage des Journalisten, ob er die Flüchtlingstrecks im Wahlkampf bewusst „verteufelt“ habe, reagierte Trump zunächst ausweichend. „Nein, ich möchte, dass sie ins Land kommen. Aber das muss auf legalem Weg geschehen“, sagte er.

Aufforderungen zum Mund halten und hinsetzen

Als Acosta nachhakte und sagte, bei den Migranten lasse sich kaum von einer „Invasion“ sprechen, platzte dem Präsidenten der Kragen. „Ehrlich gesagt sollten Sie mich das Land führen lassen. Sie leiten CNN, und wenn Sie gut wären, wären die Einschaltquoten höher“, fuhr er den Reporter an.

Als dieser eine weitere Frage stellen wollte, entzog Trump ihm das Wort und sagte wiederholt: „Das reicht.“ Eine Praktikantin des Weißen Hauses wollte Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen, der Journalist drehte sich aber weg, hielt das Mikrofon fest und stellte Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen.

Es ist nicht das erste heftige Wortgefecht, das sich Trump mit dem Reporter Jim Acosta liefert.
- AFP

Der US-Präsident sprach während der Pressekonferenz ferner von „feindseligen Medien“. Er beklagte sich über die Stimmung im Raum. Mehrmals forderte er Journalisten auf, den Mund zu halten und sich hinzusetzen, wenn sie eine Frage stellen wollten.

„Verstörend unamerikanisch“ und eine „Bedrohung“

Der CNN-Journalist bezeichnete den Vorwurf auf Twitter als „Lüge“. Der Sender CNN verurteilte in einem Statement die Äußerungen Trumps. „Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse sind deutlich zu weit gegangen“, heißt es darin. „Sie sind nicht nur gefährlich, sie sind verstörend unamerikanisch.“ Trump habe zwar einen Eid auf die in der US-Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit geleistet und sei somit zu deren Schutz verpflichtet, er habe aber wiederholt deutlich gemacht, dass er für die Pressefreiheit keinerlei Respekt übrig habe. „Wir stehen hinter Jim Acosta und seinen Kollegen überall“, heißt es in der Antwort der Firmenleitung auf den Streit Trumps mit dem Reporter. Der Entzug der Akkreditierung sei „beispiellos“ und „eine Bedrohung für unsere Demokratie“.

CNN-Reporter Jim Acosta.
- AFP

Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) hat den Entzug der Akkreditierung für Acosta als „schwach und fehlgeleitet“ kritisiert. Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen stehe nicht in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei „nicht akzeptabel“, heißt es in einer Erklärung. Der WHCA forderte das Weiße Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Auch andere Journalisten bekamen ihr Fett ab

Aber auch der NBC-Journalist Peter Alexander bekam während der Pressekonferenz sein Fett weg, als er Acosta als „gewissenhaften Reporter“ in Schutz nahm. „Ich bin auch kein Fan von Ihnen“, schimpfte Trump. „Um ehrlich zu sein, gehören Sie nicht gerade zu den Besten“.

Einer afroamerikanischen Journalistin schnitt Trump das Wort ab und warf ihr vor, ihn mit einer „rassistischen Frage“ beleidigt zu haben. Sie hatte ihn auf seine Selbstbeschreibung als „Nationalist“ angesprochen. Was die Reporterin gesagt habe, „ist so beleidigend für mich, es ist eine sehr schreckliche Sache, was sie gesagt haben“. Er behauptete auch, die „höchsten Zustimmungsraten“ unter afroamerikanischen Wählern zu haben. Alcindor verteidigte sich später im Kurzbotschaftendienst Twitter: „Ich stelle einfach nur die Fragen, die die Öffentlichkeit beantwortet haben will.“

Der US-Präsident greift regelmäßig kritisch über ihn berichtende Medien heftig an, indem er ihnen die Verbreitung von „Falschnachrichten“ vorwirft. Auch prangert er sie immer wieder als „Volksfeinde“ an. (APA/