Letztes Update am Sa, 09.02.2019 07:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Krise in Venezuela

Guaidó schließt US-Militärintervention in Venezuela nicht aus

Die USA stehen nach Angaben aus Regierungskreisen in direktem Kontakt mit venezolanischen Militärs, um sie zu einer Abkehr von Präsident Nicolás Maduro zu bewegen. Unterdessen werden dringend benötigte Hilfslieferungen von Präsident Maduro weiter blockiert.

Juan Guaidó will eine von ihm autorisierte US-Militärintervention in seinem Land nicht ausschließen.

© AFPJuan Guaidó will eine von ihm autorisierte US-Militärintervention in seinem Land nicht ausschließen.



Caracas – Der selbst ernannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaidó will eine von ihm autorisierte US-Militärintervention in seinem Land nicht ausschließen. Er werde „alles Notwendige“ tun, um Menschenleben zu retten, sagte der oppositionelle Parlamentspräsident am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview. Er räumte aber ein, dass ein Eingreifen der USA ein „sehr brisantes Thema“ sei.

In Venezuela tobt seit Wochen ein erbitterter Machtkampf zwischen Staatschef Nicolás Maduro und Guaidó, der sich im Jänner zum Übergangspräsidenten ausgerufen hatte. Mittlerweile haben sich rund 40 Länder hinter Guaidó gestellt, unter ihnen die USA, Österreich und weitere EU-Staaten sowie eine Reihe südamerikanischer Länder. Maduro kann sich bisher auf die Unterstützung des venezolanischen Militärs verlassen.

Der venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó.
Der venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó.
- imago stock&people

Washington hat eine Intervention der US-Armee in Venezuela nicht ausgeschlossen. Präsident Donald Trump halte sich „alle Optionen“ offen, hatte der Nationale Sicherheitsberater John Bolton Ende Jänner gesagt.

Stopp von Hilfslieferungen

Der venezolanische Präsident Maduro bekräftigte am Freitag den Stopp von Hilfslieferungen aus den USA. Die Lastwagen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten hängen an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela fest, weil das venezolanische Militär sie nicht ins Land lässt. Maduro sagte, Washington habe die humanitäre Krise in seinem Land „erfunden“, um eine „Intervention“ zu rechtfertigen.

In Venezuela herrscht als Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Nach Angaben von Guaidó drohen 300.000 Todesfälle, wenn die Hilfslieferungen nicht ins Land gelassen werden. Erst am Mittwoch seien acht Kinder unter drei Jahren gestorben, die dehydriert und unterernährt gewesen seien. Er kündigte für die kommende Woche einen neuen Versuch an, um die Hilfe doch noch ins Land zu bringen.

Guaidó appellierte an das Militär, die Hilfslieferungen über die Grenze zu lassen. Das Militär stehe dabei vor einem „riesigen Dilemma“, sagte er in dem Interview. Angesichts des „riesigen Bedarfs“ sei es „geradezu erbärmlich“, die Hilfe abzulehnen. „Die Einfuhr dieser Hilfe zu blockieren, könnte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen werden“, sagte der Oppositionsführer.

Nicolas Maduro blockiert weiter Hilfslieferungen.
Nicolas Maduro blockiert weiter Hilfslieferungen.
- AFP

Militär muss sich für eine Seite entscheiden

Das Militär müsse sich entscheiden, ob es sich „auf die Seite der Verfassung“ stelle oder an der Seite eines „zunehmend isolierten Diktators“ bleibe, sagte Guaidó über Maduro. Aus „Angst“ seien bisher keine weiteren hochrangigen Militärs dem Beispiel des Luftwaffengenerals Francisco Yánez gefolgt, der am vergangenen Wochenende die Seiten gewechselt hatte. Guaidó sagte, Offiziere der Nationalgarde, die „Unzufriedenheit“ geäußert hätten, seien sogar „gefoltert“ worden.

Guaidó zeigte sich überzeugt, dass Maduro von seinen Verbündeten Russland und China keine Hilfe erwarten kann. Moskau und Peking seien sich der Situation in Venezuela „sehr bewusst“. Sie wüssten genau, „dass Maduro keine Unterstützung in der Bevölkerung hat und die Wirtschaft nicht stabilisieren kann, obwohl er über die größten Ölreserven der Welt verfügt“.

Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln stehen in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta vor der Tienditas-Brücke – doch die venezolanischen Soldaten lassen sie nicht durch. „Venezuela wird diese Show der falschen humanitären Hilfe nicht zulassen, denn wir sind keine Bettler“, sagte Maduro am Freitag. „Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift.“

In ganz Venezuela fehlt es am Nötigsten.
In ganz Venezuela fehlt es am Nötigsten.
- AFP

Lieferung an Kuba trotz katastrophaler Lage

Guaidó will die über die US-Entwicklungsbehörde USAID zur Verfügung gestellten Hilfsgüter nach Venezuela schaffen lassen. Weitere Lieferungen sollen im benachbarten Brasilien sowie auf einer Karibikinsel zum Transport in das südamerikanische Krisenland bereitgestellt werden.

Mitarbeiter des Katastrophenschutzes packten in einer Lagerhalle in Sichtweite der Grenzbrücke die Hilfsgüter in weiße Säcke. „Soldaten von Venezuela, ihr müsst eine Entscheidung treffen“, sagte der US-Botschafter in Kolumbien, Kevin Whitaker. „Ihr könnt Teil einer bewundernswerten, humanitären Kampagne sein.“

Maduro macht für die wirtschaftlichen Probleme des Landes die US-Sanktionen gegen seine Regierung verantwortlich. „Gebt das blockierte Geld frei. Es ist ein makabres Spiel: Wir schnüren ihnen die Kehle zu und zwingen sie, um Krümel zu betteln“, sagte er am Freitag.

Trotz der katastrophalen Lage in Venezuela schickte die Regierung noch eine Hilfslieferung an das verbündete Kuba. Ein Schiff mit rund 100 Tonnen an Baumaterialien und Fahrzeugen erreichte am Freitag den Hafen der Hauptstadt Havanna, wie im staatlichen Fernsehen Kubas zu sehen war. Das Material ist für die Ausbesserung von Sturmschäden nach einem heftigen Tornado vor knapp zwei Wochen vorgesehen.

Dabei fehlt es in Venezuela am Nötigsten. Wegen Devisenmangels kann das einst reiche Land selbst kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Viele Menschen hungern, rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen. (APA/AFP/dpa)


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