Letztes Update am So, 10.02.2019 12:29

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thailand

Thai-Prinzessin mit Kandidatur vor dem Aus: König spricht ein Machtwort

Mit ihrer Kandidatur als Premierministerin erschüttert die ältere Schwester von Thailands König die dortige Politik – bis ihr Bruder ein Machtwort spricht. Seltene Einblicke in eine uralte Dynastie.

Die älteste Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana.

© APA/AFP/DUFOURDie älteste Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana.



Bangkok – Man darf in Thailand nichts wirklich Kritisches über das Königshaus sagen. Die Dynastie der Chakris, seit 1782 an der Macht, wird durch ein sehr strenges Gesetz vor jeder Form von „Majestätsbeleidigung“ geschützt. Insofern war das ein äußerst ungewöhnlicher Kommentar über die älteste Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana, der am Freitagabend kurz vor Mitternacht über alle Fernsehsender ging.

Die Idee der 67-Jährigen, die nächste Premierministerin werden zu wollen, sei „extrem unangemessen“, ein „Bruch der königlichen Tradition“ und verfassungswidrig dazu. Starke Töne. In Thailand, das keine Demokratie ist, mussten Leute schon wegen deutlich weniger kritischen Äußerungen ins Gefängnis. Allein: Der Kommentar kam von König Maha Vajiralongkorn selbst. Er darf das.

Mit dem Text, der zeitgleich in allen TV-Sendern verlesen wurde, erklärte der Monarch – auch bekannt als Rama X. – die politische Karriere der ein Jahr älteren Schwester gleich wieder für beendet. Die Partei Thai Raksa Charta, die die Prinzessin erst am Morgen zur Spitzenkandidatin für die Parlamentswahl am 24. März gemacht hatte, benötigte eine Nacht Bedenkzeit. Dann versprach sie, sich an die königliche „Anordnung“ zu halten. Den Wahlkampf stellte sie ein.

Offiziell ist die Sache noch nicht durch

Rein formell, so die Experten, kann Ubolratana ihre Kandidatur selbst gar nicht zurückziehen. Die Entscheidung, ob die Bewerbung zulässig ist, liegt bei einem staatlichen Wahlkomitee. Bis Freitag ist Zeit. Man kann sich jedoch nur schwer vorstellen, dass sich die Beamten über das Machtwort ihres Königs hinwegsetzen.

Allerdings hätte es bis Ende vergangener Woche auch niemand für möglich gehalten, dass das Königshaus eine Familienangelegenheit so in aller Öffentlichkeit austrägt. Der Vater der beiden, König Bhumibol, gestorben im Oktober 2016, wird immer noch wie ein Halbgott verehrt. Sein Sohn hat solchen Status nicht. Maha Vajiralongkorn verbringt bis heute einen Großteil des Jahres in Bayern, wo er am Starnberger See eine Villa hat. Offizielle Krönung ist erst im Mai.

Thai-Prinzessin lebte 25 Jahre in den USA

Die älteste seiner drei Schwestern war bislang eher für Extravaganzen bekannt. Angefangen damit, dass sie 1972 einen US-Amerikaner heiratete, auf den Prinzessinen-Titel verzichtete und 25 Jahre unter bürgerlichem Namen in den USA lebte. Erst nach der Scheidung kehrte sie zurück. Seither spielte sie in Kinofilmen mit, nahm Platten auf, engagierte sich in sozialen Dingen und hatte auch eine TV-Talkshow. Im Volk ist sie sehr populär. Prinzessin nennt sie jeder.

Politisch trat Ubolratana nicht in Erscheinung – abgesehen davon, dass sie sich häufiger mit den Shinawatras blicken ließ, einer von Thailands reichsten Familien, die zuletzt zwei Mal den Premierminister stellten: Familienoberhaupt Thaksin und dessen Schwester Yingluck. Beide wurden vom Militär gestürzt und leben nun im Ausland. Zuhause droht Gefängnis.

Die überraschende Kandidatur der Prinzessin erklärt sich aus dieser Verbindung: Die Partei, die Ubolratana nominierte, wird von Shinawatra-Anhängern getragen. Damit stellte sich die Königsschwester direkt gegen das Militär und den amtierenden Premierminister General Prayut Chan-o-Cha, der die Shinawatras 2004 aus dem Amt geputscht hatte. Er will, künftig als Zivilist, Regierungschef bleiben.

Der 64-Jährige, dem Königshaus zur Loyalität verpflichtet, hätte im Wahlkampf wenig gegen die Prinzessin unternehmen können. Deshalb sah deren Kandidatur eine Zeit lang wie ein großartiger Schachzug der Shinawatras aus. Viele waren sich auch sicher, dass die Prinzessin das Einverständnis ihres Bruders hatte – bis am Abend dessen Erklärung kam. Prayuts Chancen sind nun wieder sehr gestiegen.

Der König allein hat das Sagen

Jetzt wird spekuliert, dass es zwischen den Geschwistern im Gespräch über die Politik ein Missverständnis gegeben haben könnte. Oder dass der König seine Meinung plötzlich geändert hat. Trotz der vielen Zeit im Ausland hatte Maha Vajiralongkorn die letzte Monate bereits genutzt, um seine Macht auf verschiedene Weise auszubauen. Der Politikwissenschaftler Paul Chambers von der renommierten Naresuan-Universität meint, nun sei klar, wer in Thailand wirklich das Sagen habe: der König allein.

Die Prinzessin selbst hielt sich am Wochenende mit einer Antwort auf das Machtwort des Bruders zurück. Auf Instagram bedankte sie sich bei ihren fast 100.000 Followern für all die „Liebe und Unterstützung“. Zum Schluss setzte sie noch einen Hashtag: #IloveYou. (dpa)