Letztes Update am Di, 12.03.2019 14:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Venezuela

Maduro: Zwei Festnahmen wegen Stromausfällen in Venezuela

Seit Tagen kämpft Venezuela gegen folgenschwere Stromausfälle. Laut Maduro steckt ein US-Hackerangriff dahinter. Er verkündet die Festnahme zweier mutmaßlicher Saboteure. Die Opposition will die entnervten Bürger gegen den sozialistischen Staatschef mobilisieren.

Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro.

© Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro.



Caracas – Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hat zwei Festnahmen im Zusammenhang mit den massiven Stromausfällen in dem Land bekanntgegeben. Die beiden Verdächtigen seien bei dem Versuch gefasst worden, das Kommunikationssystem des wichtigen Guri-Wasserkraftwerkes zu sabotieren, sagte er in einer Ansprache am späten Montagabend (Ortszeit) in Caracas.

Die Festgenommenen hätten eine Aussage gemacht. Details nannte er nicht. Oppositionschef Juan Guaidó rief für Dienstag zu neuen Protesten auf. Die USA kündigten unterdessen den Abzug ihrer restlichen Diplomaten aus Venezuela an.

Maduro macht Washington und Opposition verantwortlich

Maduro machte für den „elektrischen Coup“ erneut Washington und die Opposition verantwortlich. Nur die USA verfügten über die Technologie für einen derartigen „Cyberangriff“. „Wir erleben einen schweren Moment“, räumte der Sozialist ein. Seit Donnerstagabend gibt es in Teilen des heruntergewirtschafteten Erdöl-Landes keinen Strom mehr. Die Wiederherstellung der Versorgung geht nur schleppend voran und erleidet immer wieder Rückschläge. Die Opposition um den selbst ernannten Übergangspräsidenten Guaidó macht fehlende Wartung, Korruption und Missmanagement für den Stromausfall verantwortlich. Dieser führt zu weiteren Engpässen, etwa bei der Wasserversorgung.

Nach Darstellung Maduros wurde zunächst die Computerzentrale des riesigen Wasserkraftwerkes am Guri-Stausee, rund 500 Kilometer südöstlich von Caracas, angegriffen. Dieses versorgt einen Großteil der rund 30 Millionen Einwohner mit Strom. Auch die Zentrale des Versorgers Corpoelec in Caracas sei angegriffen worden. Zudem habe es „elektromagnetische“ Angriffe auf Stromleitungen und Sabotageaktionen gegen Umspannwerke gegeben. Wegen der andauernden Stromausfälle erklärte er auch den Dienstag und den Mittwoch zu arbeits- und unterrichtsfreien Tagen.

Stunden vor Maduros Ansprache hatte die von der Regierung nicht anerkannte und entmachtete Nationalversammlung wegen des Stromausfalls den Notstand in dem Krisenland erklärt. Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich für die von Guaidó vorgelegte Initiative. In dem Beschluss des Parlaments werden unter anderem die Streitkräfte angewiesen, das Stromnetz zu schützen und Proteste gegen den Stromausfall nicht zu unterdrücken. Allerdings haben Guaidó und das Parlament keine faktische Macht, das Militär steht bisher zu Maduro.

Guaidó will Wut über Stromausfall für sich nutzen

Für Dienstag rief Guaidó von 15 Uhr (20 Uhr MEZ) an zu neuen Protesten gegen die sozialistische Regierung auf. Er will den Moment nutzen und die Wut vieler Venezolaner über den Stromausfall in einen Volksaufstand gegen seinen Kontrahenten Maduro verwandeln. „Das wird der Beginn einer großen nationalen Mobilisierung“, sagte er. Aus einigen Regionen des Landes wurde von Plünderungen berichtet. „Ohne Strom, Wasser und Essen kann die Verzweiflung unser Volk an die Grenze treiben“, erklärte Guaidó. „Diese Berichte über Plünderungen in verschiedenen Städten sind die Konsequenz, weil das unrechtmäßige Regime eine Beilegung der Krise verhindert.“

Die USA wollen noch diese Woche ihr restliches Botschaftspersonal aus Venezuela abziehen. Die Entscheidung spiegle die sich verschlechternde Situation in dem südamerikanischen Land wider, teilte Außenminister Mike Pompeo auf Twitter an. Außerdem schränke die Anwesenheit von US-Diplomaten in der Botschaft die US-Politik ein.

Maduro hatte im Jänner die diplomatischen Beziehungen zu den USA abgebrochen. Er reagierte damit auf die Unterstützung Washingtons für seinen Widersacher Guaidó, der sich am 23. Jänner zum Interimspräsidenten erklärt hatte und inzwischen von Dutzenden Staaten anerkannt wird, darunter Österreich. Ein Großteil des US-Botschaftspersonals hatte Venezuela im Jänner bereits verlassen, eine kleine Besetzung blieb aber in der Botschaft in Caracas bestehen.

Die Regierung Maduros hatte vor wenigen Tagen auch den deutschen Botschafter Daniel Kriener zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen. Sie warf ihm Parteinahme für Guaidó vor. Die deutsche Bundesregierung wies die Vorwürfe zurück. Der Diplomat ist inzwischen wieder in Berlin. (APA/dpa)


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