Letztes Update am So, 14.04.2019 12:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sudan

Tausende fordern weiter zivile Regierung für den Sudan

Die Regierunsgegner im Sudan verlangen eine Reform des Geheimdienstes. Die Militärregierung erhält indes Unterstützung durch arabische Staaten.

Die Proteste reißen nicht ab.

© AFPDie Proteste reißen nicht ab.



Khartum – Drei Tage nach dem Militärputsch im Sudan haben Tausende Demonstranten ihre Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum fortgesetzt. Mit Gesängen und Plakaten forderten sie, den Übergang zu einer zivilen Regierung einzuleiten, wie Augenzeugen am Sonntag berichteten.

Die Opposition und die Organisatoren der Proteste, darunter das gewerkschaftliche Bündnis SPA, wollen weiter demonstrieren, bis alle ihre Forderungen erfüllt sind. Zehn Vertreter der Demonstranten hatten sie bei einem Treffen am späten Samstagabend mit dem Militärrat, der am Donnerstag die Macht in dem ostafrikanischen Land übernommen hatte, deponiert. Sie verlangen die Einsetzung einer zivilen Regierung und eine Reform des umstrittenen Geheim- und Sicherheitsdienstes (Niss), wie die oppositionelle Allianz für Frieden und Wandel erklärte.

„Wir werden unsere Sitzblockade fortführen, bis alle unsere Forderungen erfüllt werden“, sagte einer der Protestanführer, Omar el-Digeir. Die Militärführung kündigte an, in Kürze Gespräche mit den Anführern der Opposition aufnehmen zu wollen.

Der Chef des Militärrats, General Abdel Fattah al-Burhan, hatte zuvor tiefgreifende Reformen in Aussicht gestellt. In seiner ersten Fernsehansprache kündigte er am Samstag die Freilassung politischer Gefangener an und versprach, den Machtapparat des gestürzten Bashir „mit der Wurzel auszurotten“. Die Verantwortlichen für den Tod von Demonstranten bei den Protesten sollten vor Gericht gestellt werden, kündigte Burhan an. Die nächtliche Ausgangssperre werde aufgehoben.

Arabische Staaten unterstützen Militärregierung

Die Militärregierung erhielt indes Rückendeckung durch arabische Staaten. Saudi-Arabien erklärte am Samstag einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge, es unterstütze die Maßnahmen des Militärrats in Khartum und werde ihm Hilfslieferungen zukommen lassen, darunter Ölprodukte, Weizen und Medikamente.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate boten Gespräche über Hilfslieferungen an und begrüßten die Ernennung von General Abdel Fattah al-Burhan Abdelrahman zum Chef des sudanesischen Militärrats.

Nach monatelangen Protesten hatte die Armee den seit 30 Jahren autokratisch regierenden Bashir am Donnerstag zum Rücktritt gezwungen. Anschließend erklärte das Militär, es selbst werde den Sudan mit seinen 40 Millionen Einwohnern in einer Übergangszeit von zwei Jahren regieren. Die Proteste hielten daraufhin an, so auch am Samstag. Tausende Menschen setzten ihre Sitzblockade vor dem Verteidigungsministerium im Zentrum von Khartum fort. (APA/Reuters/dpa/AFP)




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