Letztes Update am Mo, 15.04.2019 18:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Wahlen 2020

Jung und homosexuell: “Bürgermeister Pete“ will ins Weiße Haus

Das Kandidatenfeld jener Demokraten, die im kommenden Jahr US-Präsident Donald Trump besiegen wollen, ist fast komplett. Mit Pete Buttigieg verkündete nun ein Mann seine Kandidatur, dem viel zugetraut wird — obwohl ihn bis vor kurzem noch kaum jemand kannte. Er ist ein für die USA sehr ungewöhnlicher Kandidat: Der erst 37-Jährige bekennt sich zu seiner Homosexualität.

Der erst 37-jährige Pete Buttigieg will als Antithese zu US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus einziehen.

© AFPDer erst 37-jährige Pete Buttigieg will als Antithese zu US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus einziehen.



Von Matthias Sauermann

Washington, South Bend — „Ladies and Gentlemen: Pete Buttigieg, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika": Diese Ansage hofft der 37-jährige frischgebackene Präsidentschaftskandidat in eineinhalb Jahren nach einer erfolgreichen Wahlnacht zu hören. Auch wenn derjenige, der ihn dann ankündigen wird, wohl zuvor ob der Aussprache seines Namens Überstunden einlegen wird müssen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Buttigieg muss in einem mit politischen Schwergewichten gespickten Teilnehmerfeld der Demokraten hervorstechen und die Konkurrenz in Vorwahlen übertrumpfen. Das traut sich der junge Bürgermeister zu.

Erst einmal gilt es aber eine Frage zu klären, die dieser Tage Fernseh- und Radiomoderatoren weltweit beschäftigen dürfte — einschließlich der US-Medienlandschaft selbst: „Butti — wer?" Tatsächlich empfinden es viele spontan als besonders schwer, den Nachnamen des Politikers auszusprechen. Ganze Segmente von Satireshows (siehe oben) wurden bereits genau dieser Frage gewidmet. Die richtige Antwort gab unlängst Ehemann Chasten in einem Tweet, in dem er die Aussprache an Beispielen verdeutlichte (siehe unten). Der Einfachheit halber gibt es aber auch eine Alternative, die vom Kandidaten selbst für in Ordnung befunden und bereits so etwas wie ein Markenzeichen wurde: „Bürgermeister Pete".

Erster homosexueller US-Präsidentschaftskandidat

Bereits erwähnt ist hiermit ein Merkmal, in dem sich Buttigieg von sämtlichen anderen Bewerbern unterscheidet: Er ist der erste offen homosexuell lebende Bewerber um die US-Präsidentschaft in der Geschichte. Wird er gewählt, würde es erstmals einen „First Husband" geben — während ein Mann die Präsidentschaft innehat.

Der Nachname "Buttigieg" ist für viele schwer auszusprechen. Anhänger nennen ihn deshalb mit seinem Vornamen und Funktion - "Bürgermeister Pete".
Der Nachname "Buttigieg" ist für viele schwer auszusprechen. Anhänger nennen ihn deshalb mit seinem Vornamen und Funktion - "Bürgermeister Pete".
- AFP

In der teils tiefkonservativen Wählerschaft der USA, der auch viele streng gläubige Christen angehören, könnte dies auf Ablehnung stoßen. Buttigieg ist ebenfalls Christ, früher Katholik und mittlerweile zur Episkopalkirche konvertiert. Er beschreibt sich selbst als gläubig und wirbt offen dafür, dass seine sexuelle Orientierung und sein Glaube kein Widerspruch seien. In einer Rede sagte er kürzlich, seinen Mann zu heiraten habe ihn „Gott näher gebracht". Er sprach auch offen über seine inneren Konflikte vor seinem „Coming-Out" und dass er früher alles getan hätte, um nicht schwul zu sein.

Gleichzeitig schießt sich Buttigieg zunehmend auf US-Vizepräsident Mike Pence ein. Der erzkonservative Republikaner ist bekannt für seine Ablehnung Homosexuellen gegenüber — und auch der „Ehe für alle". Buttigieg beschrieb Pence als "Fanatiker", der offensichtlich wirklich glaube, dass "Zigaretten nicht töten, die Erde erst wenige Tausend Jahre alt ist und Leute ich in der Früh aufstehen und entscheiden, schwul zu sein". Brisant dabei: Pence war vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten Gouverneur von Indiana. Just in jenem Bundesstaat, in dem Buttigieg auf Lokalebene auftrumpfte.

Ein Bürgermeister begeistert seine Stadt

Pete Buttigieg wurde 2011 im Alter von erst 33 Jahren zum Bürgermeister seiner Geburtsstadt South Bend gewählt. Zuvor hatte Buttigieg der Eliteuniversität Harvard studiert. Buttigieg wurde der jüngste Bürgermeister in der Geschichte einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern — South Bend hat etwas mehr als 101.000. Als Schwerpunkt verschrieb sich der Demokrat der Stadtsanierung.

"Trumps Lügen bedeuten etwas": Ein Anhänger Pete Buttigiegs bekundet seine Ablehnung gegenüber dem derzeitigen republikanischen Staatsoberhaupt.
"Trumps Lügen bedeuten etwas": Ein Anhänger Pete Buttigiegs bekundet seine Ablehnung gegenüber dem derzeitigen republikanischen Staatsoberhaupt.
- AFP

Während seiner ersten Amtszeit wurde Buttigieg als Soldat nach Afghanistan geschickt — und sein Vize übernahm in der Zwischenzeit die Regierungsgeschäfte. Nach seiner Rückkehr wurde Buttigieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt — in einem von Republikanern dominierten Bundesstaat des mittleren Westens.

Seine Homosexualität machte „Mayor Pete" übrigens erst nach seiner erneuten Wahl öffentlich: Im Frühjahr 2015 sprach er erstmals öffentlich darüber, drei Jahre später heiratete er seinen Partner Chasten.

Mit Jugend, Erfahrung und Kompetenz gegen Trump

All das wirft Buttigieg nun die Waagschale, um US-Präsident Donald Trump den Kampf anzusagen. Er porträtiert sich als Gegenthese zum heutigen Staatsoberhaupt. Trump ging etwa nicht nach Vietnam — und Kritiker vermuten, dass das Gutachten eines Arztes, welches ihm den Einsatz ersparte, gefälscht war. Ein Mediziner hatte ihm Knochensporne an seinen Füßen attestiert. Dennoch verspottete Trump in der Vergangenheit wiederholt amerikanische Kriegshelden wie den ehemaligen US-Senatoren John McCain. Buttigieg setzt dem nun seine militärische Erfahrung entgegen. Ganz nebenbei spricht der Demokrat auch sieben Sprachen.

Zudem beschreibt Buttigieg sein junges Alter — auch im Gegensatz zu Trump — nicht als Nach-, sondern als Vorteil. In einer Spätabendshow von Moderator Stephen Colbert befragt begründete Buttigieg das so: Er gehöre der Generation der Schießereien in US-Schulen an. Zur Zeit der Bluttat von Columbine sei er in der High School gewesen. Seine Generation habe die meisten Truppen für die jüngsten Kriegseinsätze der USA gestellt. Und seine Generation sei es auch, welche die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen würde.

Und: „Wenn sich wirtschaftlich nichts ändert werden wir die erste Generation sein, die weniger verdient als ihre Eltern". Für niemanden sonst gehe es um mehr, was die Zukunft betreffe. Im Jahr 2054 wäre er so alt wie der jetzige US-Präsident — und denke viel darüber nach, wie die Welt dann aussehen werde: „Warum nicht jemanden dort haben, der diese Dinge als persönliches Anliegen sieht, und nicht als das Problem von jemand anderem?"

Nicht der einzige Kandidat

Bei den oppositionellen Demokraten haben schon mehr als ein Dutzend Politiker ihre Bewerbung für das Präsidentenamt angekündigt. Unter ihnen sind die Senatorinnen Kamala Harris und Elizabeth Warren sowie der frühere texanische Kongressabgeordnete Beto O'Rourke. Auch der bei der vergangenen Vorwahl nur knapp an Hillary Clinton gescheiterte Senator Bernie Sanders steigt noch einmal in den Ring.

Und schließlich steht noch eine Entscheidung über die Kandidatur des ehemaligen Vizepräsidenten Barack Obamas, Joe Biden, an. Biden gilt trotz seines höheren Alters (76) als Favorit auf die Nominierung, in den vergangenen Wochen machten ihm jedoch Berichte zu schaffen, er habe sich Frauen auf eine für sie unangenehme Weise genähert.

Die Demokraten hoffen, das Weiße Haus bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr von Amtsinhaber Donald Trump zurückerobern zu können.


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