Letztes Update am Mi, 08.05.2019 12:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Neue Recherche: Trump verlor eine Milliarde Dollar in zehn Jahren

Die New York Times kam an Steuerinformationen von US-Präsident Donald Trump aus den 80er und 90er Jahren. Sie zeichnen ein diametral anderes Bild als der Republikaner selbst: So machte Trump nicht nur mehr als eine Milliarde Dollar Verluste allein in diesen zehn Jahren – er zahlte auch in acht der zehn Jahre keine Steuern.

US-Präsident Donald Trump weigert sich, seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Eine Recherche der New York Times bringt ihn nun in Bedrängnis.

© AFPUS-Präsident Donald Trump weigert sich, seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Eine Recherche der New York Times bringt ihn nun in Bedrängnis.



Von Matthias Sauermann

Washington – Es ist eine Geschichte, die Donald Trump gerne erzählt. Mehr oder weniger aus dem Nichts, nur mit einer Leihgabe seines Vaters, habe er ein Imperium aufgebaut und sei einer der erfolgreichsten Verhandler – mit Superlativen auf sich selbst bezogen spart der US-Präsident bekanntlich nicht.

Bereits in der Vergangenheit bekam diese Darstellung Risse. Medien deckten auf, dass Trump deutlich mehr Vermögen geerbt hatte und seine Unternehmen auch durch undurchsichtige Manöver profitiert hatten. Zudem musste Trump mehrere Pleiten verkraften.

Eines fehlte bislang jedoch: Steuererklärungen des Republikaners. Üblicherweise veröffentlichen Präsidentschaftskandidaten diese bereits während des Wahlkampfes – um zu demonstrieren, dass es keine Unvereinbarkeiten gebe sowie keine anderweitig bedenklichen persönlichen Finanzsituationen. Nicht so Donald Trump: Der 72-Jährige weigert sich hartnäckig, Steuerunterlagen offenzulegen. Nun wehrt sich die Regierung sogar gegen eine Anordnung des Kongresses auf Herausgabe – ein Gerichtsstreit ist vorprogrammiert. Kritiker vermuten, das Verhalten des Teams um Trump könne kein Zufall sein – und der US-Präsident müsse etwas zu verbergen haben.

Steuerunterlagen zeigen riesige Verluste in zehn Jahren

Diese Vermutung bekommt nun neues Futter. Der New York Times wurden Steuerinformationen des US-Präsidenten aus zehn Jahren zugespielt – zwischen 1985 und 1994. Erstmals können also Unterlagen untersucht werden, die Trump so beharrlich versucht, geheim zu halten – wenn auch nur aus zehn länger zurückliegenden Jahren. Allerdings, so merkt die New York Times an, decken die Jahren die turbulentesten Zeiten in Trumps Karriere als Unternehmer ab.

Und die Daten haben es in sich. Der Zeitung zufolge verlor Trump alleine in diesem Zeitraum eine Milliarde Dollar. In seinem Kerngeschäft – vor allem Casinos und Hotels – wurde in jedem einzelnen Jahr ein Verlust eingefahren. Die New York Times schreibt: „Tatsächlich scheint Trump, Jahr für Jahr, mehr Geld verloren zu haben als beinahe jeder andere einzelne amerikanische Steuerzahler“. In den Jahren 1990 und 1991 etwa verlor er jeweils 250 Millionen Dollar. Das sei mehr als doppelt so viel gewesen wie die Verluste der Steuerzahler, die ihm noch am nächsten kamen.

Nicht nur, dass Trump entgegen seiner Erzählungen in diesem Zeitraum unvorstellbar viel Geld verlor: Er entging dadurch auch den Einkommenssteuern. Tatsächlich musste Trump der New York Times zufolge in acht der zehn Jahre keine Gelder an die Finanz abführen.

Trump bestreitet Authentizität der Unterlagen

Ein Anwalt von US-Präsident Donald Trump bestritt auf mehrfache Nachfrage der Zeitung, dass die Informationen der Wahrheit entsprächen. Die Schlussfolgerungen der Times seien „hochgradig inakkurat“ – ohne allerdings zu sagen, welche Angaben genau falsch sein sollen. Vielmehr verwies der Anwalt darauf, dass die Transkripte der Steuerbehörden, besonders aus einer Zeit bevor diese elektronisch abgegeben wurden, fehlerbehaftet seien und kein zuverlässiges Bild zeichnen würden.

Die Zeitung schreibt, sie habe Experten kontaktiert und vergleichbare Informationen mit vorliegenden Steuerakten verglichen. Alles deute demnach darauf hin, dass die Informationen zuverlässig seien. So haben die Journalisten die gleichen Informationen von Trumps Vater Fred erhalten und diese mit den Steuerunterlagen verglichen, die bereits vorliegen. Die Daten waren demnach deckungsgleich.

Neues Futter für die Demokraten

Die Recherche zeichnet kein fundamental neues Bild der Finanzen Trumps, räumt die New York Times ein. Jedoch untermauert sie bisherige Medienberichte und Vermutungen, die den Angaben des US-Präsidenten diametral gegenüberstehen.

Da es sich bei den vorliegenden zehn Jahren um eine lange zurückliegende Periode handelt, bleiben zudem die Rätsel um die vergangenen Jahre ungelöst – und gerade hier vermuten die Demokraten eventuelle Unvereinbarkeiten zwischen dem Präsidentenamt und Geschäftsinteressen. Der Streit um die Herausgabe der Finanzunterlagen wird also vorerst nicht abreißen – sondern wohl seine Fortsetzung vor Gericht finden. Und die aktuelle Recherche der New York Times liefert den Demokraten wohl neue Motivation, nicht klein beizugeben.