Letztes Update am Fr, 14.06.2019 07:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pulitzer-Preisträger

Donald Trump demontiert: US-Journalist David Barstow in Innsbruck

Der vierfache Pulitzer-Preisträger David Barstow berichtete in Innsbruck, wie er in Donald Trumps Finanzen wühlte und dem US-Präsidenten Betrug nachweisen konnte.

Aufdeckerjournalist David Barstow (Mitte) mit dem Geschäftsführer des Österreichischen Presserates Alexander Warzilek (l.) und TT-Redakteur Matthias Sauermann.

© TJA/ZechaAufdeckerjournalist David Barstow (Mitte) mit dem Geschäftsführer des Österreichischen Presserates Alexander Warzilek (l.) und TT-Redakteur Matthias Sauermann.



Innsbruck – Jahrzehntelang bastelte Donald Trump an der Legende des selbstgemachten Milliardärs. Mit eine Leihgabe von einer Million Dollar seines Vaters habe er sein Imperium aufgebaut – und die Schulden zurückgezahlt. Mit der Realität hat das wenig zu tun, berichtet David Barstow, US-Journalist der New York Times, auf Einladung von Tiroler Journalismusakademie und Presserat in Innsbruck.

Entgegen der Erzählung Trumps erhielt er nicht eine Million, sondern mindestens 413 Millionen Dollar im Laufe der Jahre von seinem Vater – ganz ohne diese zurückzuzahlen. Im Gegenteil – Trumps Vater war wiederholt zur Stelle, um seinem Sohn finanziell auf die Beine zu helfen, wenn dessen Geschäfte Pleite gingen und dieser nahezu bankrott war.

Gemeinsam mit zwei Kollegen deckte Barstow zudem auf, wie erfinderisch die Familie von Trump in den 80-ern und 90-ern war, um Steuern zu vermeiden. In mehreren Fällen förderten die Recherchen gar „glatten Betrug“ zutage. Strafrechtlich belangt werden kann Trump dafür nicht – die Taten sind verjährt. Barstow und seine Kollegen erhielten indes den Pulitzer-Preis.

Trump war es lange gelungen, den Mythos seines selbst verdienten Vermögens aufrechzuerhalten. „Journalisten waren nicht darauf vorbereitet, dass jemand ihnen ins Gesicht lügt“, erklärt das Barstow. Beispielsweise fuhr Trump mit Journalisten durch New York und präsentierte Gebäude, die angeblich ihm gehörten – obwohl sie das gar nicht taten. Oft sei man mit „Spin“ konfrontiert, dass jemand Fakten interpretiere, meint Barstow. Aber dass jemand schamlos lüge, sei unerwartet. Dass Trump dies nun fortsetze, sei gefährlich. „Wir befinden uns nicht mehr im Wettstreit zwischen Wahrheit und Spin, sondern Wahrheit und Lüge“, warnt Barstow. Dies schade der Demokratie.

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Barstow kontaktierte den US-Präsidenten für die Recherche übrigens persönlich – und beschrieb, wie dieser reagierte. „Ich hoffe, das wird eine nette Geschichte“, sagte Trump in seiner typischen Art erst. Dann folgten Drohungen – und schließlich beschimpfte er Barstow wüst als „Schande für seinen Berufsstand“. Inhaltlich haben die Anwälte Trumps indes die Vorwürfe pauschal als falsch bezeichnet – jedoch keinen einzigen Punkt direkt widerlegt. (mats)

Zur Person

David Barstow (56) ist Investigativjournalist der renommierten New York Times . Als bisher einziger Journalist erhielt er vier Pulitzer-Preise. Den jüngsten heuer gemeinsam mit zwei Kollegen für seine 18-monatige Recherche zu den Finanzen von US-Präsident Donald Trump.