Letztes Update am Sa, 15.06.2019 09:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Protesten

Hongkongs Führung setzt umstrittenes Auslieferungsgesetz aus

Bei den schwersten politischen Unruhen seit der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie an China 1997 wurden mindestens 70 Menschen verletzt.

Heftige Proteste hatten die geplanten Gesetze in Hongkong ausgelöst.

© AFPHeftige Proteste hatten die geplanten Gesetze in Hongkong ausgelöst.



Hongkong – Angesichts massiver Proteste hat sich Hongkongs Regierung dafür entschieden, ein umstrittenes Auslieferungsgesetz vorerst zurückzustellen. Das kündigte die pekingtreue Regierungschefin Carrie Lam am Samstag bei einer Pressekonferenz an.

Nach Angaben der South China Morning Post hielt die pekingtreue Regierungschefin am Freitagabend eine Krisentreffen mit ihren Beratern ab, während chinesische Vertreter in der nahegelegenen Stadt Shenzhen zusammenkamen. Lam stand nach den Massenprotesten der vergangenen Tage auch in den eigenen Reihen massiv unter Druck. Auch pekingtreue Abgeordnete forderten eine Verschiebung der Gesetzesinitiative.

Heftige Proteste im Vorfeld

In den vergangenen Tagen waren in Hongkong hunderttausende Menschen gegen das geplante Gesetz auf die Straße gegangen. Für Sonntag hat die Protestbewegung erneut eine Massenkundgebung angekündigt. Diese wurde von der Polizei nach mehrstündigen Gesprächen mit den Organisatoren inzwischen genehmigt.

Kritiker fürchten, dass bei einer Verabschiedung des Gesetzes sowohl Hongkonger Bürger als auch Ausländer vor chinesische Gerichte gezerrt werden könnten.

Am Mittwoch hatten Zehntausende Hauptverkehrsstraßen und das Regierungsviertel in Hongkong blockiert. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor. Bei den schwersten politischen Unruhen seit der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie an China 1997 wurden mindestens 70 Menschen verletzt.

Am Freitagabend versammelten sich Tausende Eltern in einem Park im Zentrum von Hongkongs Geschäftsviertel, um gegen das Vorgehen der Polizei gegen die überwiegend jungen Demonstranten zu protestieren. (APA/AFP)