Letztes Update am Mi, 28.08.2019 16:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spionage

LinkedIn und Co.: So wirbt China im Ausland Spione an

Chinesische Geheimdienste haben eine neue Masche, um Agenten im Ausland anzuwerben. Über Fake-Profile auf LinkedIn verschicken sie lukrative Angebote.

(Symbolbild)

© Reuters(Symbolbild)



Peking — Unkonventionelle Wege sollen chinesische Nachrichtendienste bei der Suche nach Spionen einschlagen. Wie die New York Times berichtet, werden Informanten und Agenten unter anderem über das Online-Karrierenetzwerk LinkedIn rekrutiert.

Laut dem Bericht wurde beispielsweise ein ehemaliger US-Regierungsmitarbeiter von einem Chinesen kontaktiert, der ihm einen Flug nach China und „gut bezahlte" Möglichkeiten anbot. Die Person auf LinkedIn, die den Außenpolitikexperten im Kabinett von Barack Obama anschrieb, arbeitete angeblich am California Institute of Technology und hatte laut Profil Kontakte im Weißen Haus. Es dürfte sich aber um ein Fake-Profil gehandelt haben.

Auch ein Mitarbeiter des dänischen Außenministeriums soll in dem Netzwerk eine Einladung von einer vermeintlichen Personalvermittlungsfirma zu einem Treffen in Peking erhalten haben.

Arbeit am Computer effektiver als persönliche Treffen

Nachrichtendienste in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich warnen nun vor der Masche. Es sei schon länger bekannt, dass ausländische Agenten soziale Medien ausnutzen, um an Personal zu kommen. Chinesische Spione seien dabei am aktivsten. Laut William R. Evanina, dem Chef des US-Institutes für Spionageabwehr, rekrutieren chinesische Geheimdienste so Mitarbeiter im großen Stil.

Es sei weitaus effektiver, am Computer in China sitzend Tausende Freundschaftsanfragen zu verschicken, als persönlich in die USA zu reisen, um einen einzelnen Menschen zu rekrutieren.

Schon in den vergangenen Wochen hatten Facebook, Twitter und YouTube unzählige Konten bzw. Kanäle gelöscht, die mit den regierungskritischen Protesten in Hongkong in Zusammenhang standen. Laut NYT war dies das erste Mal, dass Facebook und Twitter Profile wegen der Verbreitung von Falschinformationen aus China gelöscht haben. Russland soll 2015 und 2016 ähnlich vorgegangen sein.

LinkedIn gehört zu Microsoft und ist eines der wenigen sozialen Netzwerke, das in China nicht gesperrt ist. Das Unternehmen hat nämlich zugestimmt, bestimmte Postings mit „heiklen" Inhalten zu zensieren. LinkedIn selbst hat in der Causa angegeben, aktiv nach Fake-Profilen zu suchen und diese zu löschen. „Das Erstellen von gefälschten Profilen oder betrügerischen Aktivitäten mit dem Ziel, Mitglieder in die Irre zu führen oder anzulügen, verstößt gegen unsere Nutzungsbedingungen", so Sprecherin Nicole Leverich. (TT.com/reh)