Letztes Update am Di, 03.09.2019 14:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sao Francisco Fluss

Drohendes Milliardengrab: Chaos um Flussumleitung in Brasilien

Knapp drei Milliarden Euro kostete das Projekt zur Umleitung des Sao-Francisco-Flusses bisher, aber immer noch fließt kein Wasser. An vielen Stellen zersetzt sich bereits der Beton von Dämmen und Kanälen.

(Symbolfoto)

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Rio de Janeiro – Das Milliarden Euro teure Umleitungsprojekt des Sao-Francisco-Flusses im trockenen brasilianischen Nordosten droht zu einem Fiasko zu werden. Obwohl einer der beiden Kanäle bereits vor zweieinhalb Jahren offiziell eingeweiht wurde, fließt derzeit kein Wasser, wie die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) laut Kathpress unter Berufung auf örtliche Medien berichtete.

Aufgrund der starken Sonneneinstrahlung zersetzt sich demnach bereits an vielen Stellen der Dämme und Kanäle der Beton. Über den im März 2017 eröffneten Ostkanal war bis Februar diesen Jahres Wasser geleitet worden. Allerdings mussten die Pumpen angehalten werden, da Zwischenreservoirs Probleme mit Dämmen meldeten. Seitdem fließt kein Wasser durch die Kanäle.

Zudem leidet das Projekt an nicht fertiggestellten Etappen. So sollen die Pumpstationen nur über die Hälfte der nötigen Pumpen verfügen. Auch gibt es noch immer in keiner der 56 Anrainerstädte das versprochene Klärwerk, so dass ungereinigte Abwässer mit dem Flusswasser vermischt wurden.

12 Mio. Menschen sollten mit Wasser versorgt werden

Gestartet im Jahr 2007, sollte das Projekt eigentlich 2012 fertig sein. Der 400 Kilometer lange Nordkanal soll das Flusswasser aus dem Teilstaat Pernambuco hoch nach Ceara bringen, der Ostkanal soll bis nach Paraiba reichen. Damit sollten bis zu zwölf Millionen Menschen mit dem Wasser versorgt werden. Die Baukosten sind bereits von ursprünglich rund einer Milliarde Euro auf nun 2,7 Milliarden Euro gestiegen. Trotzdem ist der Nordkanal immer noch nicht fertiggestellt worden.

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Die Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro plant angeblich die Privatisierung der Kanäle und Pumpstationen. Lokalpolitiker wehren sich jedoch gegen diese Pläne. Sie fordern den Zugang der Bevölkerung zu dem Wasser. Auch für die Bewässerung der Felder soll es eingesetzt werden. Auch die katholische Kirche kämpft seit Jahren gegen das Projekt. (APA)