Letztes Update am Di, 27.09.2011 16:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess in Dubai

„Ich möchte nicht mein restliches Leben auf der Flucht sein“

Eugen Adelsmayr darf nach Österreich, um seiner schwerkranken Frau beizustehen. Der Arzt, der in Dubai wegen Mordes angeklagt ist, landet Mittwoch früh in Wien.

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Wien – Überraschende Wende im Fall des in Dubai wegen Mordes angeklagten Arztes Eugen Adelsmayr: Der oberösterreichische Intensivmediziner wird morgen, Mittwoch, nach Österreich zurückkehren. Aus humanitären Gründen - seine Frau ist schwer krank - darf er aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ausreisen. Adelsmayr wird am Mittwoch früh am Flughafen Wien-Schwechat erwartet. Für 5.45 Uhr ist ein Pressebriefing angekündigt. Gegenüber der APA sagte der Mediziner, am nächsten Prozesstermin am 16. Oktober in Dubai teilnehmen zu wollen. Er möchte damit für den Beweis seiner Schuldlosigkeit kämpfen.

„Dass es schließlich so schnell geht, damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin müde und erschöpft, aber glücklich“, sagte Adelsmayr. Die Ausreise wird ihm allerdings nur vorübergehend erlaubt, zur nächsten Verhandlung am 16. Oktober muss er nach Dubai zurückkehren. Grund für die Ausreiseerlaubnis ist die schwere Erkrankung der Frau des Mediziners. Das letzte Mal war der Oberösterreicher zu Weihnachten 2009 in der Heimat.

Keine Garantie auf Rückkehr

Obwohl Österreich keine Garantie abgibt, dass Adelsmayr wieder in den Wüstenstaat zurückkehrt, will er sich dem weiteren Prozess in Dubai stellen. „Ich möchte nicht mein restliches Leben als wegen Mordes gesuchter Verdächtiger auf der Flucht sein“, so der Mediziner. Die Justizbehörde in Dubai hatte im Vorfeld der Verhandlungen über die vorübergehende Ausreise eine Bürgschaft von Österreich verlangt, den dort Angeklagten für den Prozess wieder auszuliefern. Das konnte aus rechtlichen Gründen nicht garantiert werden, weil die Republik keine Staatsbürger ausliefern darf. Adelsmayr hatte jedoch selbst immer wieder betont, dass er seine Schuldlosigkeit beweisen und für seine Rehabilitierung kämpfen möchte.

Ausschlaggebend für die humanitäre Ausreise waren für den Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, zwei Sachen: Einerseits die vielwöchigen Gespräche auf allen diplomatischen Ebenen. „Andererseits hat der Prozessverlauf am Sonntag zum Umdenken beigetragen. Hier konnten die scharfen Vorwürfe der Anklage entkräftet werden.“

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Prozess Mitte Juli eröffnet

Beim letzten Verhandlungstermin hatten ein Pfleger und eine Schwester zugunsten Adelsmayr ausgesagt. „Es hat schlussendlich bei allen Entscheidungsträgern Verständnis für die schwierige humanitäre Situation gegeben“, sagte Launsky-Tieffenthal.

Die Chefin der Rechtsabteilung im Außenministerium, Elisabeth Ellison-Kramer, hat den Intensivmediziner in der vergangenen Woche in Dubai unterstützt. „Sie hat sich sehr für mich engagiert, ohne sie wäre die Ausreise nicht möglich“, sagte der 50-Jährige. Ellison-Kramer wird morgen gemeinsam mit dem Intensivmediziner nach Österreich zurückkehren.

Der Prozess gegen den Oberösterreicher war Mitte Juli eröffnet worden. Im August wurde das Verfahren aufgrund des Fastenmonats Ramadan unterbrochen. Der letzte Verhandlungstermin fand am vergangenen Sonntag statt. Hier waren drei von fünf geladenen Zeugen der Anklage einvernommen worden. Die etwa einstündige Verhandlung selbst sei „ruhig und besonnen“ abgelaufen, „wir haben sogar Fragen stellen dürfen“, sagte Adelsmayr.

Patienten „getötet“

Die Anklage beschuldigt den Oberösterreicher und einen indischen Kollegen, einen querschnittgelähmten Patienten im Februar 2009 durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate getötet zu haben. Der 50-Jährige soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Bereits vor dem Vorfall im Rashid Hospital hatte Adelsmayr seine Kündigung eingereicht, er war dort mehr als drei Jahre als Leiter der Intensivstation tätig.

Der indische Kollege war der diensthabende Arzt, als der Patient einen Herzinfarkt erlitt. Laut Adelsmayr war der Inder zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt, und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren. Dieser verstarb um 3.30 Uhr. „Ich war zum Zeitpunkt des Todes bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus“, sagte Adelsmayr. Während der österreichische Mediziner von seinem jetzigen Arbeitgeber im Al Ain Hospital in Abu Dhabi suspendiert wurde, darf der mitangeklagte Inder laut Adelsmayr weiterhin auf der Station im Rashid Hospital Dienst versehen.

(APA)




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