Letztes Update am Di, 05.03.2013 08:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

IAEA legt Nachdenkpause im iranischen Atomstreit ein

IAEA-Chef Yukiya Amano sieht keinen Fortschritt. US-Außenminister Kerry und EU-Außenbeauftragte Ashton dringen auf eine Lösung.

null

©



Teheran/Wien/Damaskus – Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA legt eine Nachdenkpause im Streit mit dem Iran ein. Zuletzt habe es keine Fortschritte gegeben, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Rande des Gouverneursrates der Mitgliedstaaten der UNO-Organisation am Montag in Wien. „Darum werden wir uns ein wenig Bedenkzeit nehmen“.

Im Fokus der Aufmerksamkeit in dem langjährigen Streit stand zuletzt die iranische Atomanlage Parchin. Amano betonte, die IAEA bitte eindringlich um Zugang, um Parchin überprüfen zu können. Der Westen wirft dem Iran vor, heimlich die Kapazität für den Bau von Atomwaffen zu entwickeln. Israel drohte in der Vergangenheit immer wieder mit Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen.

Die IAEA vermutet, dass in Parchin Experimente mit Zündern für Atomwaffen vorgenommen werden. Bereits 2005 habe der Iran den internationalen Inspektoren Zugang zu der Anlage gewährt, er möge es nun wieder tun, sagte Amano. Er hoffe darauf, bei der nächsten Gesprächsrunde des Iran mit der 5+1-Gruppe westlicher Staaten im April bessere Ergebnisse zu erzielen.

In ihrem jüngsten Bericht hatte die IAEA feststellt, dass es in den Gesprächen mit dem Iran über dessen Atomprogramm keine Fortschritte gebe. Außerdem bestätigte die Behörde Angaben des Iran, wonach das Land mit der Installation neuer Zentrifugen zur Urananreicherung in der Atomanlage Natanz begonnen hat. Am Sonntag hatte der Iran auf die geplante Produktion von 3.000 Zentrifugen der neuen Generation in Natanz verwiesen. Etwa 12.500 Zentrifugen einer älteren Generation sind dort bereits installiert.

Auch US-Außenminister John Kerry und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton drangen am Montag auf baldige Fortschritte. Das Fenster für eine diplomatische Lösung „kann nicht unendlich lange offenbleiben“, sagte Kerry bei einem Besuch in der saudiarabischen Hauptstadt Riad. Kerry bekräftigte die Entschlossenheit der USA, eine atomare Bewaffnung des Iran zu verhindern. Von der EU hieß es, man erwarte einen „ersten vertrauensbildenden Schritt“ Teherans, um die Sanktionen der EU teilweise lockern zu können. „Wir möchten, dass die Iraner ihre positive Haltung fortsetzen und zu konkreten Handlungen bereit sind“, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Montag in Brüssel.

In Bezug auf Burma (Myanmar), dessen Präsident Thein Sein sich derzeit in Wien aufhält, erklärte Amano auf die Frage, ob der asiatische Staat der IAEA beitreten könnte: „Wir sind im engen Kontakt mit Myanmar, und arbeiten daran, Myanmar besser mit der Arbeit der IAEA vertraut zu machen.“ Zuletzt hatte der sich langsam öffnende Staat, der lange Zeit von einer Militärjunta regiert wurde, zugesagt, künftig internationale Atominspektoren ins Land zu lassen.

Das syrische Regime forderte der Gouverneursrat am Montag dazu auf, Informationen über vermutete Atomanlagen in dem Bürgerkriegsland zu liefern. „Wir haben die syrische Regierung nach Einrichtungen bei Deir al-Zor und an anderen Orten gefragt“, sagte Amano. Er habe jedoch bisher keine Antwort erhalten. Auf Fragen, ob die angeblich im Jahr 2007 von der israelischen Luftwaffe zerstörte Anlage sich nicht bereits in der Hand von Rebellen befinde, und ob die Organisation mit den Oppositionskämpfern Kontakt aufgenommen habe, antwortete er nicht.

Die Anlage in Al-Kubar bei Deir al-Zor soll auf nordkoreanischer Technologie beruht haben und zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium gedient haben. Nach syrischen und US-Angaben wurde die Atomanlage nach der israelischen Attacke dem Erdboden gleichgemacht, allerdings war sie bisher nicht für internationale Atominspektoren zugänglich. (APA/AFP/dpa)




Kommentieren


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Lieblingsgegnerinnen von US-Präsident Donald Trump: Die demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib und Ayanna Pressley (von links) werden in US-Medien „the Squad“ genannt. Für Trump gehören sie nicht nach Amerika.Weltpolitik
Weltpolitik

Rassismus-Debatte in der US-Politik: Vier Frauen gegen Trump

Mit dem Streit über Rassismus schärfen beide Lager ihr Profil und schließen die Reihen.

News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Trump pöbelt weiter gegen Demokratin und stachelt Hass-Chöre an

US-Präsident Donald Trump hat mehrere Politikerinnen der oppositionellen Demokraten zur Rückkehr in die Herkunftsländer ihrer Familien aufgefordert - und dam ...

Donald Trump und Jeffrey Epstein wirken auf den Aufnahmen sehr vertraut.USA
USA

Video zeigt Trump bei Feier mit Epstein in Mar-a-Lago

Die am Mittwoch veröffentlichten Aufnahmen zeigen Jeffrey Epstein auf einer Party mit Donald Trump, offenbar über anwesende Cheerleader sprechend. Bisher hat ...

Security am Tatort.Irak
Irak

Zwei Tote bei Angriff auf türkische Diplomaten im irakischen Erbil

Mindestens ein Angreifer feuerte am Nachmittag auf mehrere türkische Konsulatsmitarbeiter, die in einem Restaurant des Viertels Ainkawa in Erbil versammelt w ...

Barack Obama verlieh Stevens 2012 die "Presidential Medal of Freedom", die höchste zivile Auszeichnung der USA.USA
USA

Ex-Supreme-Court-Richter John Paul Stevens 99-jährig gestorben

John Paul Stevens war Jahrzehnte lang Richter am US-Höchstgericht. Der vom Republikaner Gerald Ford nominierte Jurist wich besonders oft mit seiner Meinung a ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »