Letztes Update am Fr, 20.09.2013 15:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien

Assad weist Giftgasvorwürfe zurück und kündigt Gegenschlag an

Der syrische Präsident dementiert die Vorwürfe der internationalen Gemeinschaft. Er habe keine Chemiewaffen gegen sein Volk eingesetzt.

© Reuters/SANADer syrische Präsident Bashar al-Assad.



Damaskus, Washington - Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat in einem Fernsehinterview den Vorwurf zurückgewiesen, am 21. August einen Angriff mit Chemiewaffen nahe Damaskus veranlasst zu haben. Assad habe in einem Interview dementiert, etwas mit dem Vorfall mit hunderten Toten zu tun zu haben, teilte der Journalist Charlie Rose vom US-Fernsehsender CBS am Sonntag mit. Das Interview soll am Montagmorgen ausgestrahlt werden.

Es gibt keine Beweise, dass ich Chemiewaffen gegen mein eigenes Volk eingesetzt habe.
Bashar al-Assad, syrischer Präsident.

Es gebe keine gesicherten Hinweise, dass überhaupt ein derartiger Angriff stattgefunden habe, sagte Assad am Sonntag CBS News. „Es gibt keine Beweise, dass ich Chemiewaffen gegen mein eigenes Volk eingesetzt habe“, erklärte er. Assad deutete an, dass es bei einem Angriff auf Syrien einen Gegenschlag seiner Verbündeter geben würde. Ein Angriff auf Syrien könnte zudem sein Militär so schwächen, dass das Gleichgewicht im Bürgerkrieg kippen würde, sagte er weiter. CBS führte das Interview nach eigenen Angaben in Damaskus.

Es war das erste Interview Assads mit einem US-Sender seit fast zwei Jahren. Der syrische Präsident zeigte sich darin besorgt, dass ein möglicher US-Angriff sein Militär schwächen und die Machtbalance in dem Konflikt in seinem Land verschieben könnte.

Schicksalswoche für Obama

Wenige Tage vor Beginn entscheidender Abstimmungen im US-Kongress wirbt Präsident Barack Obama indes um die Zustimmung zu einem Militärschlag gegen Syrien. So plant Obama dem Weißen Haus zufolge an diesem Montag Interviews mit sechs großen Fernsehsendern. Am Dienstagabend (Ortszeit) will er sich dann aus dem Oval Office an die Nation wenden.

Die Chancen, dass Obama eine Mehrheit für den Waffengang gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad gewinnen kann, schienen am Sonntag eher schlecht. Verliert Obama die Abstimmungen im Senat und Abgeordnetenhaus, wäre das nach Einschätzung von Experten die bisher schwerste Niederlage seiner Amtszeit.

Assad-Kommandeure wollten Giftgas einsetzen

Syrische Divisions- und Brigadekommandeure haben nach Informationen der „Bild am Sonntag“ seit rund vier Monaten immer wieder den Einsatz von Chemiewaffen beim Präsidentenpalast in Damaskus gefordert. Das würden Funkgespräche belegen, die das Flottendienstboot „Oker“ abgefangen habe, berichtete das Blatt unter Berufung auf Informationen aus deutschen Sicherheitskreisen. Das Spionageschiff der deutschen Marine kreuze vor der Küste Syriens.

Den Erkenntnissen der Abhörspezialisten zufolge seien die von den Kommandeuren verlangten Giftgas-Angriffe aber stets abgelehnt und der Einsatz vom 21. August wahrscheinlich nicht von Syriens Präsident Baschar al-Assad persönlich genehmigt worden. Bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff nahe Damaskus, den die US-Regierung dem syrischen Regime anlastet, starben nach US-Angaben mehr als 1400 Menschen. (APA/AFP/Reuters/dpa)




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