Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.07.2016


Euro 2016

Ronaldo gegen Bale: Zwei Superstars träumen vom Finale

Wales will den größten Erfolg seiner Fußball-Geschichte, Portugal endlich wieder die Chance auf den ersten Titel. Im EM-Halbfinale steht das Superstar-Duell Cristiano Ronaldo gegen Gareth Bale im Fokus.

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© gepa



Lyon – Ronaldo gegen Bale. Die Fußball-Welt spricht nur vom Superstar-Duell im ersten EM-Halbfinale – doch der Waliser Anführer fiebert schon einem möglichen Endspiel gegen Deutschland entgegen. Erst will Gareth Bale mit dem Sensations-Debütanten den Titeltraum von Portugals Cristiano Ronaldo beenden und dann Revanche für den Spott seines deutschen Teamkollegen von Real Madrid nehmen. „Ich erinnere mich, dass Toni Kroos vor dem Turnier gesagt hat, dass wir nur drei Spiele vor uns haben – also wäre es schön, ihn nun im Finale zu treffen“, sagt Bale vor dem Halbfinale gegen Portugal.

Zwischen den beiden Real-Alphatieren Ronaldo und Bale herrscht vor dem heutigen Anpfiff in Lyon Funkstille. Während der Waliser bei seiner bereits sechsten Pressekonferenz in Frankreich entspannt und charmant auftritt, schottet sich Ronaldo ab. Hier und da ein paar werbewirksame Selfies mit Fans, ansonsten heißt das Motto „Vorbereitung“. Für den 31-Jährigen ist es bei der dritten EM-Halbfinalteilnahme eine der letzten Chancen, seine durchgestylte Karriere endlich mit dem ersehnten ersten Titel für sein Land zu veredeln.

Seit der EM 2004 im eigenen Land hat der Angreifer mit der Seleção jedes große Turnier bestritten. Im Finale 2004 gegen Griechenland waren die Portugiesen beim 0:1 ganz nah dran am Titel, danach glückte nie wieder der Einzug ins Endspiel. „Ich habe nie die Tatsache verheimlicht, dass ich es lieben würde, mit dem Nationalteam eine Trophäe zu gewinnen“, sagt CR7. Für Ronaldo wäre ein Finaleinzug zudem eine weitere Gelegenheit, Bestmarken zu brechen. Mit einem Treffer würde er Platinis EM-Torrekord von neun Toren einstellen.

Dabei zeigt sich Ronaldo bislang zwar teamdienlich, lässt aber mit nur zwei Turniertreffern den großen Glanz vermissen. Trainer Fernando Santos nimmt ihn jedoch in Schutz. „Wenn Ronaldo nicht trifft, heißt das nicht, dass er nicht andere wichtige Dinge für uns tut“, meint der Coach. „Als Kapitän ist Cristiano beispiellos.“

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Und auch die Waliser lassen sich von der bisher durchschnittlichen EM Ronaldos nicht in Sicherheit wiegen. „Ich könnte mit meinen Verteidigern einen Monat lang arbeiten und ihnen einbläuen, wie er zu stoppen ist. Aber er hat immer die Fähigkeit, etwas Besonderes zu machen, er ist nicht zu stoppen“, analysiert Coach Chris Coleman – schickt jedoch eine Warnung ins portugiesische Lager: „Aber wir haben einen von dieser Sorte auch in unserem Team.“

Immer und immer wieder versuchte Bale seit dem 3:1 über Belgien, die Bedeutung der sportlichen Privatfehde herunterzuspielen. „Jeder sagt, es heißt: Ronaldo gegen mich, aber es ist Wales gegen Portugal“, betont der fünf Jahre jüngere Angreifer. „Es geht nicht um zwei Spieler. Es sind zwei Nationen im Halbfinale, elf Mann gegen elf Mann.“

Viel bedeutsamer für die Waliser sind die Gelbsperren für Verteidiger Ben Davies und vor allem Regisseur Aaron Ramsey. Der Arsenal-Profi glänzte bei diesem Turnier bislang neben Bale als bester Spieler der Dragons und soll wahrscheinlich durch Andy King von Englands Meister Leicester City ersetzt werden.

Die Portugiesen zittern noch um den Einsatz von Innenverteidiger Pepe, zudem fehlt der defensive Mittelfeldspieler William Carvalho als Schlüsselfigur mit einer Gelbsperre. Dass sie in ihren bisherigen fünf EM-Spielen noch kein einziges Mal nach 90 Minuten vorne lagen, stört die Iberer ebenso wenig wie die Kritik an ihrem Spielstil. Gerade einmal 22 Minuten lang lag die Seleção in ihren bisherigen fünf EM-Spielen in Führung – das reichte fürs Halbfinale.

Wales gewann hingegen vier Partien bereits nach der regulären Spielzeit. Dies soll auch heute Mittwoch gelingen – damit die kühne Prophezeiung von Superstar Bale eintrifft. „Es gab die Märchen von Dänemark und Griechenland. Das kann uns auch gelingen“, erinnert er an frühere EM-Überraschungssieger. „Ich habe komplett dran geglaubt, dass wir etwas erreichen können. Deshalb habe ich meinen Urlaub erst für den 11. Juli gebucht“ – den Tag nach dem EM-Finale. (dpa, w.m.)