Letztes Update am Do, 08.03.2018 16:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erste Liga

Wattens gegen Wacker: (K)ein Spiel wie jedes andere

Schlüsselspiel, Schnittpartie – damit kann Wacker-Präsident Gerhard Stocker vor dem Tiroler Derby in Wattens nichts anfangen. Für WSG-Präsidentin Diana Langes sind die Nachbarschaftsduelle die Würze im Liga-Alltag.

© Julia HammerleWattens-Präsidentin Diana Langes blickt dem Tiroler Fußball-Derby gespannt entgegen.



Von Florian Madl

„Fußball ist nicht Statistik und Bilanz"

Innsbruck — Wattens-Präsidentin Diana Langes musste lange auf den Auftakt ihrer WSG warten. Dass es am Freitag mit dem Tiroler Derby losgeht, freut sie besonders.

Der FC Wacker Innsbruck vorne, die WSG Wattens im Mittelfeld — sind die Vorzeichen auf dieses Derby andere, blicken Sie dem Spiel mit anderen Gefühlen entgegen?

Langes: Grundsätzlich blicke ich allen Spielen mit den gleichen Gefühlen entgegen, nämlich mit dem allergrößten Vertrauen in unser Team und dem Team rund ums Team. Um es mit den Worten von Didi Constantini zu sagen: „Des is holt amol aso."

Es geht für den FC Wacker ein wenig mehr um die Zukunft (Aufstieg) als für Wattens (Abstieg unmöglich). Liegt der Druck nur bei den Innsbruckern?

Langes: Es liegt bei beiden Mannschaften ein gewisser Druck. Fußball ist ja nicht nur Statistik und Bilanz, sondern auch Emotion und der Wille, eine gute Leistung zu zeigen. „Hatt-i", „War-i", „Tat-i" hat am Ende nichts mit dem Gefühl nach einem klaren Tor zu tun.

Die Planungen für die Saison 2018/19 stehen bevor. Wie sehr beschäftigt Sie das? Steht das Budget im Großen und Ganzen?

Langes: Das Budget steht im Großen und Ganzen, natürlich gibt es noch das eine oder andere Fragezeichen, das auch mit der Ligareform zu tun hat.

Wie geht das Derby am Freitag aus?

Langes: Hoffentlich schön. Ich will, dass man am Ende sagen kann: Diese 90 Minuten haben Spaß gemacht. So wie unser Motto schon sagt: Wir Siegen Gemeinsam.

Wann wird es, einen Wacker-Aufstieg vorausgesetzt, das nächste Tiroler Bundesliga-Derby geben?

Langes: Ich wünsche es mir so schnell wie möglich.

Was halten Sie von der Ligareform im kommenden Spieljahr?

Langes: Wie schon beim Budget erwähnt gibt es hier das eine oder andere Fragezeichen. Trotzdem gehe ich mit positiven Gefühlen an die Reform heran, auch wenn es aktuell zu früh ist, eine qualitative Aussage zu treffen.

Darf mit der Bundesliga-Lizenz rechnen: Gerhard Stocker.
- gepa

"Die Erwartungshaltung uns gegenüber ist eine andere"

Wohnhaft in Wattens, tätig in Innsbruck — das Herz von Wacker-Präsident Gerhard Stocker schlägt für beide Schauplätze, aber in erster Linie für Schwarz-Grün. Wie geht es dem 66-Jährigen vor dem anstehenden Tiroler Derby?

Der FC Wacker Innsbruck vorne, die WSG Wattens im Mittelfeld — sind die Vorzeichen auf dieses Derby andere, blicken Sie dem Spiel mit anderen Gefühlen entgegen?

Stocker: Nein, es ist ein Spiel wie jedes andere. Natürlich wird das in Tirol anders gesehen, ich bin aber generell nicht so emotional unterwegs.

Es geht für den FC Wacker ein wenig mehr um die Zukunft (Aufstieg) als für Wattens (Abstieg unmöglich). Liegt der Druck nur bei den Innsbruckern?

Stocker: Die Erwartungshaltung ist uns gegenüber eine andere als gegenüber der WSG Wattems. Man kann es mit der Stadiongröße vergleichen — und wir sollen das Tivoli Stadion Tirol füllen.

Die Planungen für die Saison 2018/19 stehen bevor. Wie sehr beschäftigt Sie das? Steht das Budget im Großen und Ganzen?

Stocker: Klar, besonders jetzt mitten in der Lizenzierung (Abgabe der Unterlagen Mitte März, Anm.). Es ist alles auf Schiene, ich gehe von dem Lizenzerhalt im ersten Anlauf aus.

Wie geht das Derby am Freitag aus?

Stocker: Ich hoffe, dass wir gewinnen.

Wann wird es, einen Wacker-Aufstieg vorausgesetzt, das nächste Tiroler Bundesliga-Derby geben?

Stocker: Das Thema ist äußerst gefährlich, unser sportlicher Bereich muss sich konzentrieren und demütig am Boden bleiben. Tabellenführer zu sein, ist eine Momentaufnahme. Ich glaube, und das ist meine persönliche Meinung, dass es oben nicht zwei Tiroler Klubs verträgt.

Was halten Sie von der Ligareform im kommenden Spieljahr?

Stocker: Oben finde ich es spannend, da versucht man was Neues. In der zweiten Liga braucht es zeitnah eine weitere Reform unter Einbeziehung der Regionalligen.

Kommentar: Mehr als nur irgendein Derby

Von Thomas Pichlmann
Das Tiroler Fußball-Derby am Freitag — für mich ein Schlüsselspiel in Bezug auf den weiteren Saisonverlauf der Sky Go Erste Liga. Ich wünsche dem FC Wacker Innsbruck heuer den Aufstieg in die höchste Liga, eine Derby-Niederlage würde die zuletzt aufkeimende Euphorie entsprechend bremsen. Positiv: Gegen Austria Lustenau hat die Mannschaft Moral gezeigt, zudem hat man mit Zlatko Dedic einen Stürmer, der trifft.
Doch auch für die Wattener wird es, auch wenn heuer kein Abstieg möglich ist, ein Duell, in dem sie alle Kräfte mobilisieren werden. Der Verein möchte den Profibetrieb aufrechterhalten, die Akteure spielen also dort um neue Verträge, um ihre Zukunft. Geht man davon aus, dass ab dem Sommer eine dreistellige Anzahl an Fußballern arbeitslos sein wird, kann sich die WSG-Vereinsführung die Lage in Ruhe anschauen und den Markt sondieren. Klar ist — und das soll nicht respektlos klingen: Für die Verantwortlichen hat ein Erfolg über den FC Wacker eine andere Wertigkeit als einer über Kapfenberg.

Thomas Pichlmann — Torjäger bei Westligist Schwaz, einst ÖFB-Teamspieler, Italien-Legionär und Wacker-Torschützenkönig — kommentiert für die TT das Fußball-Geschehen.