Letztes Update am Mi, 18.04.2018 23:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖFB-Cup

Sturm ringt Rapid nieder, Salzburg zittert sich ins Cup-Finale

Die Bullen mussten gegen Mattersburg ins Elfmeterschießen und gewannen 3:0. Das packende Duell zwischen Sturm und Rapid ging in die Verlängerung.

Bright Edomwonyi.

© APABright Edomwonyi.



Graz, Mattersburg – Das ÖFB-Cup-Endspiel am 9. Mai in Klagenfurt lautet Red Bull Salzburg gegen Sturm Graz. Die Steirer feierten am Mittwochabend vor der Grazer Cup-Rekordkulisse von 15.750 Zuschauern einen 3:2-(1:0)-Halbfinal-Heimsieg nach Verlängerung über Rapid, das damit weiter seit der Meisterwürde 2008 titellos bleibt. Matchwinner für die „Blackies“ war Joker Emeka Eze, der in der 102. Minute zum Endstand traf.

Zuvor hatte Ezes nigerianischer Landsmann Bright Edomwonyi die Gastgeber zweimal in Führung (24., 62.) gebracht, die Louis Schaub (58.) und Giorgi Kvilitaia (84.) jeweils egalisierten. Dank Eze, der in der 87. Minute für Edomwonyi eingewechselt wurde und nach einer Flanke von Thorsten Röcher mit dem Kopf zur Stelle war, setzten sich im sechsten Cup-Duell mit den Hütteldorfern am Ende doch noch erstmals die Grazer durch.

Durch den Finaleinzug von Titelverteidiger Salzburg, der auf sein fünftes Double en suite losgeht, steht fest, dass bereits Rang fünf in der Meisterschaft zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation reicht. Da die in der Meisterschaft acht Punkte vor Sturm Graz an der Spitze liegenden „Bullen“ auch noch im Europa-League-Halbfinale gegen Olympique Marseille (26. April auswärts, 3. Mai heim) im Einsatz sind, muss das Endspiel in Klagenfurt vom 1. auf 9. Mai verlegt werden.

Die Zuschauer in der ausverkauften Merkur Arena, darunter auch ÖFB-Teamchef Franco Foda und Sturms Trainerlegende Ivica Osim, sahen von Beginn weg ein packendes Match mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. Rapids Solospitze Philipp Schobesberger hatte die erste und scheiterte dabei aus spitzem Winkel an Tormann Jörg Siebenhandl (7.). Auf der Gegenseite klärte Goalie Richard Strebinger einen Schuss von Peter Zulj zur Ecke (9.). Danach war wieder Rapid dran, als ein schlechter Abschluss von Boli Bolingoli nach Lochpass von Louis Schaub wenige Zentimeter am langen Eck vorbeizischte (11.).

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Sturm-Torjäger Deni Alar hätte in der 14. Minute auf 1:0 stellen müssen, doch der Ex-Rapidler köpfelte den Ball nach einer Flanke von Jakob Jantscher genau auf Strebinger. Zehn Minuten später war es dann soweit: Nach einem weiten Ausschuss von Siebenhandl enteilte Edomwonyi Rapids Außenverteidigern Bolingoli und Stephan Auer und bezwang Strebinger eiskalt per „Gurkerl“. In der 32. Minute hätte es sogar schon 2:0 heißen können, als der Ball nach einem missglückten Rettungsversuch von Galvao im hohen Bogen über Strebinger flog, vor dem Tor aufsprang und in der Folge an die Latte klatschte.

Unmittelbar nach der Pause schlug eine Schobesberger-Flanke knapp neben der Außenstange ein (46.). Wenig später jubelte Sturm nach einem Kopfball von Röcher über das 2:0, das aber von Schiedsrichter Robert Schörgenhofer wegen Tormann-Behinderung von Zulj nicht gegeben wurde (49.). Auf der Gegenseite ließen der kurz zuvor eingewechselte Kvilitaia und Schaub nach einer Schobesberger-Flanke zunächst das 1:1 aus (56.), das kurz darauf doch noch glückte: Nach einem von Siebenhandl abgewehrten Kvilitaia-Schuss verwertete Schaub den Abpraller (58.).

Danach schien die Partie zu kippen. Aber genau in dieser besten Rapid-Phase spielte Edomwonyi im Konter seine Schnelligkeit erneut aus und erzielte nach Vorarbeit von Zulj das 2:1 (62.). Rapid brauchte etwas, um sich von diesem Schock zu erholen, übernahm jedoch dann immer deutlicher das Kommando, weil Sturm aufgrund seines hohen Laufpensums langsam müde wurde. Nach einem Eckball von Thomas Murg traf Kvilitaia per Kopf zum 2:2. Da Schaub im Finish an Siebenhandl scheiterte (89.), ging es in die Verlängerung.

In dieser blieb der Sturm-Tormann auch im Duell mit Kvilitaia Sieger (93.). Auf der Gegenseite zeichnete sich Strebinger mit einer Glanzparade nach einem Kopfball von Lukas Spendlhofer aus (97.). Beim Kopfball von Eze war er dann aber machtlos. Sturm darf somit im Gegensatz zu Rapid vom ersten Titel seit der Meisterschaft 2011 träumen. Der vierte und bisher letzte Cup-Sieg der Grazer datiert aus dem Jahr 2010.

Mattersburg - Salzburg 3:0 nach Elfmeterschießen

Salzburg darf das fünfte Double in Folge ins Visier nehmen. Der Titelverteidiger setzte sich im Halbfinale des ÖFB-Cups in Mattersburg nach einer aufreibenden Partie erst im Elfmeterschießen mit 3:0 durch. Nach torlosen 120 Minuten verwerteten alle Salzburger Schützen, während bei den Burgenländern die ersten drei scheiterten.

Der Europa-League-Halbfinalist und Bundesliga-Tabellenführer musste im Pappelstadion gehörig zittern. Mattersburg vergab durch Salzburg-Leihgabe Smail Prevljak schon am Ende der regulären Spielzeit einen Elfmeter (83.). Darüber hinaus hätte Mattersburg bei einem Kopfball von Jano in der 71. Minute vorlegen können. Auf TV-Bildern sah es danach aus, als ob Salzburg-Torhüter Cican Stankovic, der anstelle von Einser-Goalie und Kapitän Alexander Walke im Cup eingesetzt wird, den Ball hinter der Torlinie abgewehrt hatte.

Die Bullen feierten am Ende ihren Torwart Cican Stankovic.
Die Bullen feierten am Ende ihren Torwart Cican Stankovic.
- APA

In der Entscheidung verwerteten Valon Berisha, Andre Ramalho und Stefan Lainer souverän für die Mannschaft von Marco Rose. Bei Mattersburg scheiterten Alois Höller und Manuel Seidl an Stankovic, Nedeljko Malic schoss als zweiter SVM-Schütze weiter über das Tor. Die Burgenländer verpassten damit den dritten Einzug in ein Cup-Finale in der Vereinsgeschichte. Red Bull Salzburg blieb auch im 29. Cup-Auftritt in Folge erfolgreich.

Als David gegen Goliath hatte Mattersburg-Trainer Gerald Baumgartner die Ausgangslage umschrieben. Und Salzburg bemühte sich, seine Rolle auszufüllen. Rose verschaffte Munas Dabbur und Diadie Samassekou eine Ruhepause, setzte sonst auf seine Stammkräfte. Seine Elf begann dominant. Eine richtige Torchance konnte sich der Serienchampion in der ersten halben Stunde aber nur einmal herausspielen: Fredrik Gulbrandsen traf den Ball nach einer Ulmer-Hereingabe schlecht (11.). Mattersburg versuchte in erster Linie, in der Abwehr solide zu stehen.

Bei Salzburg zog sich Amadou Haidara bei einem Foul an Michael Novak eine Knieblessur zu und musste vom Feld. Mattersburg hatte in den drei Minuten mit einem Mann mehr die vorerst stärkste Phase. Florian Hart visierte aus 17 Metern das Kreuzeck an, das er nur knapp verfehlte (29.). Für Haidara kam schließlich Enock Mwepu, der vergangenes Wochenende bei der Admira ein starkes Startelf-Debüt gegeben hatte.

Mattersburgs Gesicht der ersten Halbzeit war Höller, der kräftig austeilte, aber auch einstecken musste. In der Nachspielzeit mussten die Burgenländer noch einmal zittern. Der ansonsten kaum beschäftigte Markus Kuster parierte gegen Takumi Minamino mit der Hand, ehe Kapitän Malic klärte.

Die zweiten 45 Minuten begannen erneut mit Powerplay der Salzburger. Mattersburg durchtauchte diese Phase wieder und versuchte, Nadelstiche zu setzen. Für Salzburg entwickelte sich ein echtes Geduldsspiel, in dem Xaver Schlager die Weichen auf Sieg hätte stellen können. Sein Schuss in der 60. Minute landete aber nur an der Stange.

Es folgte große Aufregung elf Minuten später. Zuschauer machten Schiedsrichter Manuel Schüttengruber vehement darauf aufmerksam, dass der Ball bei Janos Kopfball hinter der Linie war. Malic hatte in der Aktion noch die Stange getroffen. Die Mattersburger hatten in der aufgeregten Stimmung plötzlich Oberwasser. Bei einem Zweikampf im Strafraum zwischen Berisha und Höller ertönte der Pfiff, Schüttengruber gab Elfmeter. Prevljak, beim 2:2 in der Liga vor wenigen Wochen vom Punkt noch zweimal erfolgreich, scheiterte jedoch mit einem schwach geschossenen Versuch an Stankovic.

Bei Salzburg stand zu diesem Zeitpunkt schon Dabbur auf dem Spielfeld. Der Titelverteidiger wirkte körperlich in seinem 53. Pflichtspiel der Saison aber nicht mehr auf der Höhe. Mattersburg hatte in der regulären Spielzeit noch eine Riesenchance. Der eingewechselte Andreas Gruber machte alles richtig, schaufelte den Ball alleine vor Stankovic jedoch über die Latte (87.).

Die Verlängerung bot ein Spiel, in dem beide Teams eine Vorentscheidung herbeiführen hätten können. Salzburg versuchte, das Heft in die Hand zu nehmen. Stankovic stand bei einem Malic-Kopfball (98.) nach einem Eckball aber erneut im Zentrum, Manuel Seidls Versuch strich über Salzburgs Gehäuse (115.). In der Entscheidung vom Elferpunkt blieben die Salzburger schließlich eiskalt. (APA)