Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.07.2018


Fußball

Ronaldo lässt Juve-Aktie in die Höhe schnellen

Der fünffache Weltfußballer Cristiano Ronaldo soll unmittelbar vor einem Wechsel zu Juventus Turin stehen. Und verdienen wie noch nie.

© AFPLüftet Ronaldo sein Trikot demnächst bei Juventus? Ein Vierjahresvertrag soll ihm 120 Millionen Euro garantieren.



Turin, Madrid – Verabschiedet sich Cristiano Ronaldo bald von Real Madrid? Nach Medienberichten aus Spanien und Italien gilt der Wechsel des Weltfußballers vom Champions-League-Sieger zum italienischen Meister Juventus Turin als fast sicher. Real werde ein 100-Millionen-Euro-Angebot von Juve akzeptieren, sagte der stets gut informierte spanische TV-Journalist Josep Pedrerol. „Die Stunden von Cristiano in Madrid sind gezählt.“

Selbst Turins Bürgermeisterin gerät bereits ins Träumen. „Wenn er kommt, wäre das einzigartig“, sagte Chiara Appendino laut italienischen Nachrichtenagenturen.

Die Euphorie hat auch Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini erfasst. „Es wäre eine sehr wichtige Sache für die italienische Liga“, sagte er auf Canale 5. „Es könnte der Anfang davon sein, zur Pracht von vor 15 Jahren zurückzukehren, als alle Spitzenspieler in der Serie A waren.“

Selbst Pizzaköche reagierten bereits auf den sich anbahnenden Transfer von Cristiano Ronaldo. Ein Konterfei des portugiesischen Superstars ziert bereits die herkömmliche Pizza Margherita.
- REUTERS

Ein Weggang Ronaldos wäre nach neun Jahren, 438 Spielen und 450 Toren bei den Königlichen zwar sensationell, aber keine Riesenüberraschung. Der 33 Jahre alte Stürmer liegt schon seit langer Zeit mit Club-Boss Florentino Pérez im Clinch. Der Club dementierte die neuen Gerüchte bislang nicht. Durch sein Umfeld lässt Ronaldo immer wieder durchsickern, es sei ungerecht, dass er deutlich weniger verdiene als Neymar und Lionel Messi.

Nach Berichten spanischer Medien soll Juventus Ronaldo für einen Vierjahresvertrag 120 Millionen Euro geboten haben. Das sei etwa viermal mehr, als der bestbezahlte Profi des italienischen Clubs (Gonzalo Higuaín) zurzeit bekomme, heißt es. Viele in Italien bezweifeln, dass die Vecchia Signora, die Alte Dame, genug Geld für die Operation Ronaldo hat. Einige vermuten, das Ganze solle unter anderem durch den Verkauf des Argentiniers Higuaín finanziert werden. Juve gehörte schon bisher nicht zu den Clubs, die mit Mega-Transfers Schlagzeilen machen. Für nächste Saison soll João Cancelo kommen. Der portugiesische Verteidiger, bisher beim FC Valencia unter Vertrag, soll zunächst ausgeliehen und zu Saisonende für 40 Millionen Euro verpflichtet werden – das ist für die Turiner schon viel Geld. Für den Ronaldo-Wechsel bräuchte es nach Meinung der Zeitung Gazzetta dello Sport daher „sehr viele Sponsoren“ und Spielerverkäufe.

Doch war nicht mit einem Wechsel zu Ronaldos altem Club Manchester United oder zu Paris Saint-Germain spekuliert worden? In Spanien heißt es, Ronaldo brauche neben der „finanziellen Anerkennung“ auch viel Liebe. „CR7“ habe nicht vergessen, wie die Juve-Fans ihn bejubelten, als er im Champions-League-Viertelfinalhinspiel in Italien per Fallrückzieher ein Traumtor erzielte.

Schon nach dem Königsklassen-Triumph gegen den FC Liverpool (3:1) im Mai hatte Ronaldo noch auf dem Rasen einen Weggang angedeutet und sagte: „Es war sehr schön, bei Real Madrid zu spielen.“ Nun macht der Profi offenbar Nägel mit Köpfen. „Cristiano denkt bereits auf Italienisch. Und er sucht schon ein Haus in Turin“, schrieb die Sportzeitung Marca.

In der Fußballszene ist der Wechsel neben der WM ein wichtiges Thema. Lothar Matthäus ist jedoch skeptisch: „Es ist eine schöne Geschichte für die Zeitungen, es schreibt Schlagzeilen. Aber ich denke, Ronaldo wird nächste Saison bei Real bleiben.“

Investoren glauben das nicht. Am Donnerstag stieg der Kurs an der Mailänder Börse bis zum Nachmittag um rund zehn Prozent an. Damit war das Papier auf seinem höchsten Stand seit Februar. (dpa)