Letztes Update am Mo, 09.07.2018 10:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wacker-Gipfel

Wacker-Präsident Stocker: „Derzeit ist Basis nicht gegegben“

Die Tiroler Tageszeitung bat Land, Stadt, Fußballverband und Sportamt zu einem Gespräch mit der Führungsriege des FC Wacker. Der Aufstieg, so viel scheint klar, war nur der erste von vielen Schritten.

© Foto TT / Rudy De MoorZwischen Wunsch und Realität – Gerhard Stocker und Alfred Hörtnagl wollen mehr Geld von Stadt und Land.



Von Florian Madl

Innsbruck – Der Leitspruch im Besprechungsraum des Bürgermeisters Georg Willi kann stellvertretend für das Handeln von Wacker-Präsident Gerhard Stocker stehen: „We certainly don’t do it for the money“ (Wir machen es sicherlich nicht für Geld), stand da in Neon-Schrift. Der rührige Wattener versuchte bei einem informellen Gipfel, die Situation des Vereins darzulegen, ein wenig verzettelte sich der 66-Jährige in seiner Emotion. Zu Tage trat Begeisterung, der vor allem das Budget Grenzen setzt. Die Kernfragen:

Wie sehen die Zahlen aus?

Der Verein schwankt zwischen Aufstiegseuphorie und Zahlenrealität. Laut Stocker gehe man auf der Rasierklinge spazieren. „Es fehlen zwei Millionen Euro für nachhaltiges Arbeiten“, meint er zum Budget (derzeit 7 Mio. Euro abzüglich des Verlustvortrags in Höhe von 535.000 Euro). 200.000 davon trieb man bislang über Eigeninitiative auf, bei der Bundesliga suchte man zuletzt um Aufschub der verpflichtenden Reorganisationsprüfung an (31. August statt 31. Juli). Der Wattener verwies auf seine Familie, mit deren Bürgschaften Liquiditätsengpässe überbrückt werden konnten.

Wie sehen die Ziele aus?

„Wir haben die Situation kaufmännisch im Griff“, meinen Stocker und Manager Alfred Hörtnagl unisono. Die Ziele passe man dem Budget an, Geld für neues Personal oder EDV in der Geschäftsstelle (Stocker: „Da arbeiten wir vorsintflutlich“) habe man keines. Die Altach-Kollegen hätten angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen gemeint: „Das geht sich nie aus.“ Tirols Fußballverbandspräsident Josef Geisler stellte nüchtern fest, dass man immer wieder Sprechblasen von sich gebe und laufend „Akut-Maßnahmen“ diskutiert werden. Landesweit, also bei den kleineren Klubs, sei der Ruf des Vereins zudem kein besonders guter.

Was kann die öffentliche Hand leisten?

„Wir können nur Nachwuchs und Amateurbetrieb unterstützen“, hielt Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler fest. Das bestätigte auch Bürgermeister Georg Willi, der sich gerne begeistern lassen würde. Allerdings hielt er fest: „Bringen Sie mir das nächste Mal bitte konkrete Konzepte.“ Das forderte auch LHStv. Geisler ein: „Sonst fehlt eine Diskussionsgrundlage.“

Runder Tisch (v.l.): Bürgermeister Georg Willi, LHStv. Josef Geisler, Wacker-Präsident Gerhard Stocker, Wacker-Manager Alfred Hörtnagl, TT-Sportchef Florian Madl, TFV-Präsident Josef Geisler und die TT-Chefredakteure Alois Vahrner und Mario Zehnhäusern.
- Foto TT / Rudy De Moor

Was kostet der Unterbau?

Der Profibetrieb (5,2 Mio. €) ist in eine GmbH ausgelagert, die Mannschaft (30-Mann-Kader) verschlingt 3,3 Mio. Euro. Das würde laut Stockers Wunsch-Budget 3,6 Mio. Euro für zweite Mannschaft, Damen und Nachwuchs bedeuten. Eine Aufstellung, wofür das Geld aufgewendet würde, wollte Manager Hörtnagl nachreichen.

Woher kommt das Geld?

Von der Bundesliga (1,7 Mio. Euro für TV, Österreicher-Einsatzzeiten etc.), von Geldgebern 2,5 Mio. Euro, Eintrittserlöse (Kalkulation 5000 Zahlende) ergänzen die beiden Säulen. LH Geisler und BM Willi empfehlen Sponsorenpakete, von öffentlicher Seite tue man alles im Rahmen der Möglichkeiten. Ex-Fußballer Geisler meint: „Wir sind uns der Bedeutung des Fußballs bewusst, allerdings gibt es auch 49 andere Sportverbände.“ Es gebe Anlass zur Hoffnung, zuletzt habe sich laut Hörtnagl auch ein Interessent für den Stadionnamen gefunden. Aber der beharre im Tivoli auf dem Begriff „Arena“ ...

Womit argumentiert der Verein?

Manager Hörtnagl wiederum verweist auf 1,1 Millionen Euro, die an Steuern zurückfließen würden. „Wir sind nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Werbeträger. Die Bundesliga freut sich auf uns.“ Ein Indiz sei die Zuerkennung des Eröffnungsspiels Austria – Wacker am 27. Juli. Nachsatz: „Das wollen wir gewinnen.“

Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Manager Hörtnagl träumt von einem Trainingszentrum (Kostenkalkulation ab 8 Mio. Euro aufwärts/Standort Kematen?), Romuald Niescher (Sportamt) verweist auf die limitierte Platzsituation und das Bemühen der Stadt. Derzeit würde man in Umlandgemeinden (Axams/2. Mannschaft) unterkommen.

Welche Visionen gibt es?

Stocker glaubt: „Durch den Aufstieg haben wir die Chance, Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten.“ Dafür brauche es Kontinuität und Planungssicherheit. „Wir sind für das Fahrstuhl-Dasein nicht zu haben. Aber derzeit ist die Basis nicht gegeben, um dauerhaft Profifußball zu spielen“, hält Manager Hörtnagl fest. Man wolle einem Vereinskonzept zufolge im Stadion „Heimat schaffen“, das Stadionumfeld verbessern, vielleicht ein Fan-Dorf aufbauen und darin auch regionale Produkte forcieren.

Was bleibt vom Gespräch?

BM Georg Willi und LHStv. Geisler wollen sich für die von Wacker-Präsident Gerhard Stocker vorgeschlagene Task Force einsetzen. Dort sollten Vertreter von Stadt, Land, Olympiaworld und Verband sowie des FC Wacker regelmäßig über relevante Themen sprechen, auch der Zugang zu Sponsoren soll erleichtert werden. BM Willi forderte einmal mehr Ideen vom Verein: „Wir brauchen Entscheidungsunterlagen. An unserer Bereitschaft, dem Verein zu helfen, mangelt es nicht.“