Letztes Update am Di, 10.07.2018 10:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM 2018

Derby im Halbfinale: Die belgische Torfabrik fordert die Grande Nation

Die Franzosen gehen heute (20.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) gegen den „kleinen“ Nachbarn mit Respekt, aber auch mit viel Selbstsicherheit ins WM-Halbfinale.

© imagoDie französischen Stars Mbappe (l.) und Griezmann wollen heute über den Finaleinzug jubeln.



St. Petersburg — Im „Derby" zwischen Belgien und Frankreich wird am Dienstag der erste Finalist der Fußball-Weltmeisterschaft ermittelt. 73 Mal trafen die beiden Nationen vor dem Duell in St. Petersburg (20 Uhr/live TT.com-Live-Ticker) bereits aufeinander. Die Franzosen gelten als leichte Favoriten, treffen aber auf ein Team, das schon Brasiliens hoch eingeschätzte Selecao aus dem Rennen um den Pokal geworfen hat.

Belgien geht nicht nur deshalb mit einem gesunden Vertrauen in die eigene Stärke in die Partie. Die „Roten Teufel" sind die einzige Mannschaft in Russland, die alle ihre bisherigen fünf Auftritte gewonnen hat und mit 14 Treffern die Torfabrik des Turniers ist. 24 Spiele insgesamt ist die Elf des spanischen Trainers Roberto Martinez unbesiegt. Die Franzosen haben Respekt, versprühten aber selbst ebenfalls Optimismus.

„Haben den besten Spieler der Welt eliminiert"

„Wir haben bereits den besten Spieler der Welt eliminiert, er hat den Ball kaum berührt", erinnerte Außenverteidiger Lucas Hernandez an das gewonnenen Achtelfinale gegen Lionel Messis Argentiniern. Antoine Griezmann meinte, die Equipe könne befreit aufspielen. Bei der Heim-EM vor zwei Jahren sei der Druck höher gewesen, betonte Frankreichs Stürmerstar. Damals scheiterten die Franzosen im Finale an Portugal. Griezmanns Rezept nun: „Wir müssen hinten kompakt stehen und vorne die wenigen Möglichkeiten nutzen. Wir müssen dem Spiel unser Tempo diktieren."

Bei den Erfolgen im Achtel- und danach im Viertelfinale gegen Uruguay gelang den Blauen dies vortrefflich. In der Heimat ist die Zuversicht groß, dass das Team von Trainer Didier Deschamps 20 Jahre nach dem Gewinn des Pokals im eigenen Land in Russland den zweiten WM-Titel der Verbandsgeschichte einfahren kann. Es werden Parallelen gezogen. Zum Beispiel, dass Mittelstürmer Olivier Giroud noch nicht getroffen hat. Dies gelang auch Stephane Guivarc'h 1998 nicht. „Wenn ich nicht treffe, und wir werden Weltmeister, wäre mir das auch recht", sagte Giroud dazu. Für Tore waren mit Jungstar Kylian Mbappe und Griezmann bisher andere zuständig.

Die belgischen Kicker glänzten in den bisherigen Spielen nicht nur mit "Köpfchen".
- Reuters

Es ist ein Spiel der Grande Nation gegen den kleinen Nachbarn, den man im Alltag oft nur belächelt. „Es gibt eine große Rivalität, es ist wie ein Derby", meinte Giroud. Viele Spieler kennen sich aus der englischen Premier League. Giroud und N'Golo Kante spielen bei Chelsea mit den Belgiern Eden Hazard und Thibaut Courtois in einer Elf, Kevin De Bruyne bei Manchester City mit Vincent Kompany. Von Tottenham kommen Frankreichs Torhüter Hugo Lloris bzw. Belgiens Verteidiger Jan Vertonghen und Toby Alderweireld. Paul Pogba ist bei Manchester United Kollege von Romelu Lukaku.

Einig sind sich die Halbfinalisten auch darin, dass sie die Reise ins Luschniki-Stadion als klares Ziel anvisiert haben. Dort steigt am Sonntag das Endspiel. Auch deshalb herrschte nach den Viertelfinalerfolgen hüben wie drüben nicht ausschweifender Jubel. „Noch haben wir nichts erreicht", betonte Pogba nach dem 2:0 gegen Uruguay. Auch die Belgier bedankten sich nach dem spektakulären 2:1 gegen Brasilien nur kurz bei den Fans, ehe sie in die Kabine verschwanden. „Wir wollen ins Finale, in das Spiel, auf das die ganze Welt schaut", meinte De Bruyne danach.

Keine goldene, eine brillante Generation

Belgiens oft zitierte goldene Generation steht immerhin schon dort, wo es die Vorgänger zuletzt 1986 geschafft hatten. Im WM-Halbfinale war damals gegen den späteren Champion Argentinien um Diego Maradona Endstation. „1986 in Mexiko waren wir eine goldene Generation. Das hier ist eine brillante", glaubt Belgiens Torhüter-Legende Jean-Marie Pfaff. In einem WM-Finale standen die Westeuropäer noch nie. „Wenn du Brasilien besiegst, musst du niemanden fürchten. Wir sind bereit", sagte Nacer Chadli. Der ebenfalls in England engagierte Flügelspieler dürfte als Rechtsverteidiger den gesperrten Thomas Meunier ersetzen. Beim Gegner kehrt wohl Blaise Matuidi in die Startelf zurück.

Frankreich schaffte es nach 1998 auch 2006 in ein WM-Finale, unterlag vor zwölf Jahren aber dort Italien. 73 Spiele bestritten die beiden Halbfinalisten bis dato gegeneinander. Die Belgier führen in der Statistik mit 30 Siegen. 24 Mal gewann Frankreich, so auch bei den bisherigen zwei Duellen im Rahmen von Weltmeisterschaften. Unterhaltsam war der jüngste Vergleich: Im Juni 2015 entführten die Belgier in einem Freundschaftsspiel einen 4:3-Erfolg aus Saint-Denis. (APA/Reuters/AFP)

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