Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.09.2018


Testspiel

Erfolgshungriges ÖFB-Team fordert Schweden heraus

Das Test-Länderspiel gegen WM-Viertelfinalist Schweden ist für das ÖFB-Team heute (20.45 Uhr) eine weitere Standortbestimmung. Die Foda-Elf will ohne Kapitän Julian Baumgartlinger ihre Spielstärke beweisen.

© APATeamchef Franco Foda (M.) legte den Fokus in der Vorbereitung voll auf Schweden, erst nach dem Spiel beginnt die gezielte Einstimmung auf Bosnien.



Von Alex Gruber

Wien, Innsbruck – Die Fußballwelt wurde bei der WM insbesondere mit dem Vorrunden-Aus des entthronten Weltmeisters Deutschland vor wenigen Wochen einigermaßen auf den Kopf gestellt. Dafür sorgte auch der heutige Gegner aus Schweden, der überraschenderweise ins Viertelfinale marschierte, während das ÖFB-Team bereits im Urlaub war. Davor stand in der Ära unter Neo-Teamchef Franco Foda der Startrekord mit fünf Siegen in Serie (darunter das historische 2:1 gegen Deutschland) zu Buche, ehe Brasilien dem ÖFB-Team wieder die Grenzen aufzeigte. Was das jetzt alles für den heutigen Abend heißt?

Man bediene sich eines englischen Sprichworts: „Yesterday is history, tomorrow is a mystery, today is a gift.“ Was gestern war, ist Geschichte. Was morgen – vorausblickend auf den Nations-League-Auftakt am kommenden Dienstag in Bosnien – kommt, ist noch ungewiss. Und das „Geschenk“ des (Fußballer-)Lebens lässt sich nur im Heute finden. „Man muss sich immer wieder neu beweisen“, bringt es Foda allgegenwärtig auf den Punkt: „Testspiele gibt es für uns keine.“

Eine Generalprobe für das Bosnien-Match kann es gegen die Skandinavier ja auch nur bedingt geben, zumal heute mehr hohe und zweite Bälle sowie einige Tage darauf technisch möglicherweise beschlagenere Kicker warten werden. Im Spiel mit dem Ball sollten sich im „neu“ einstudierten 3-4-3 aber Automatismen erkennen lassen. „Wir haben uns nur auf Schweden konzentriert und haben danach noch vier Tage Zeit, uns auf Bosnien einzustimmen“, konzentriert Foda den Blick auf das Tagesgeschäft.

Wer heute in der Wiener Generali-Arena den Part des verletzten Julian Baumgartlinger im Mittelfeldzentrum mimt, ließ sich der 52-jährige Deutsche gestern klarerweise nicht entlocken. Interessant wird es dennoch sein, wer die Kampfkraft und Erfahrung von „Jules“ gegen die kampfstarken Schweden, bei denen einige Stammkräfte womöglich zunächst auf der Bank Platz nehmen werden, ansatzweise ersetzen kann.

Dass gestern bei der abschließenden Pressekonferenz mit Bayern-Star David Alaba und West-Ham-Legionär Marko Arnautovic die beiden ÖFB-Kapazunder neben Foda Platz nahmen, war nach dem Baumgartlinger-Ausfall selbsterklärend. Normalerweise laufen die beiden „Spezls“ bei Länderspielen als Letzte ein. Bei den kommenden beiden Auftritten bilden sie wohl den Anfang und das Ende der ÖFB-Startelf-Kette:

Alaba, der schon als Kapitän fungierte, bekommt heute die Binde; Arnautovic darf am Dienstag in Bosnien seine Premiere als ÖFB-Kapitän feiern. „Im Großen und Ganzen ändert sich nichts. Ich habe immer versucht, Verantwortung zu übernehmen und vorneweg zu gehen“, betonte Alaba, während Arnautovic („Die Mannschaft pushen“) zustimmend nickte. „Wir müssen nicht schauen, was die Schweden machen, wir haben genug Qualität“, will „Arnie“ wieder die Muskeln spielen lassen.

Trotz kurzer Vorbereitungszeit freut sich auch Foda über ein breites Sortiment an bestens ausgebildeten Spielern. Im Wissen, dass ein positives Ergebnis auch wieder eine Frage der Bereitschaft sein wird. Sonst, siehe sogar Weltmeister Deutschland, verdrängen einen die anderen schnell. Das gilt im internen Konkurrenzkampf wie im externen Vergleich. Folglich soll am besten jeder mit (Führungs-)Qualität punkten.