Letztes Update am So, 09.09.2018 15:26

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalteam

Mangelnde Spielpraxis bereitet Prödl Kopfzerbrechen

Der Steirer wartet bei Watford in England noch auf ersten Liga-Saisoneinsatz, will aber unbedingt zur EM.

© APASebastian Prödl kämpft um seinen Platz im Nationalteam und im Klub.



Bad Waltersdorf – Für Sebastian Prödl ist der Saisonstart in die englische Fußball-Premier-League alles andere als wunschgemäß verlaufen - und das, obwohl Watford die ersten vier Liga-Partien allesamt gewonnen hat. Allerdings saß der Steirer dabei entweder auf der Ersatzbank oder wie zuletzt beim Sieg gegen Tottenham auf der Tribüne.

Prödls einziger Pflichtspiel-Einsatz im Sommer war der Auftritt beim Liga-Cup-Erfolg gegen Reading. In der Meisterschaft dürfte die Aussicht auf baldige Spielpraxis nicht allzu gut sein, was wiederum seinen Platz im Nationalteam gefährdet. „Ich bin in der Lage, das Wochen oder auch Monate zu kompensieren. Aber auf Dauer ist so eine Situation persönlich nicht tragbar für die Nationalmannschaft“, sagte der Steirer am Sonntag im ÖFB-Camp in Bad Waltersdorf.

In Watford ist Prödl einer von sechs Innenverteidigern im Kader. „Alle haben die Qualität, zu spielen.“ Da es bisher so gut lief, wird Coach Javi Garcia im Abwehrzentrum wohl weiterhin auf das Duo Craig Cathcart/Christian Kabasele setzen und den Österreicher links liegen lassen. „Natürlich kann so etwas zu einer Beeinträchtigung bei der Nationalmannschaft führen“, meinte Prödl.

Wechsel noch kein Thema

Unter Teamchef Franco Foda stieg der 31-Jährige zum ÖFB-Abwehrchef auf, und diesen Status möchte er keinesfalls verlieren. „Mein nächstes großes Ziel ist die Qualifikation für die EM, dem werde ich einiges unterordnen. Wenn sich die Situation nicht verbessert, muss ich mir etwas überlegen.“

Das bedeute aber nicht, dass er schon einen Transfer in der Winter-Transferzeit anstrebe, betonte Prödl. „Es werden Verletzungen und Sperren kommen, und wenn ich dann derjenige bin, der spielt und wir haben so einen Run, dann kann sich das schnell ändern. Doch wenn Verletzungen kommen und ich spiele dann trotzdem nicht, muss man sich etwas überlegen.“

Seine Degradierung bei Watford führt der 70-fache Internationale auch auf eine Lebensmittelvergiftung im Mai zurück. In seiner Abwesenheit nutzte die Konkurrenz ihre Chance. „Wenn ich damals nicht krank geworden wäre, wäre ich vielleicht nicht rausrotiert worden“, vermutete Prödl und ergänzte: „Ich kann mich an kein schlechtes Spiel von mir im Jahr 2018 erinnern, weder im Club noch im Team.“

Konkurrenz auch im Team

In der ÖFB-Elf war der Abwehrspieler zuletzt immer gesetzt, doch auch hier ist die Konkurrenz hoch. „Keiner von uns weiß, ob er am Dienstag gegen Bosnien spielt oder ob wir Dreier- oder Viererkette spielen.“ Dadurch halte Foda die Spannung hoch, was für die Spieler einen Leistungsanreiz bedeute, so Prödl.

Der England-Legionär und seine Kollegen bekamen am Sonntagvormittag eine Analyse des 2:1-Auswärtssieges der Bosnier gegen Nordirland präsentiert. „Wir haben von ihnen ein anderes Spiel erwartet. Nordirland hatte viel Ballbesitz und Chancen, aber die Bosnier sind durch individuelle Klasse und Fehler der Nordiren zum Sieg gekommen.“

Dadurch könnte die Auswahl des Balkan-Staates mit einem Erfolg über Österreich in der Gruppe davonziehen. „Doch Endspielcharakter hat das Spiel nicht“, beteuerte Prödl. Ziel sei es, in Zenica drei Punkte einzufahren und die Lücke von einem guten Match wie gegen Schweden zu einem sehr guten zu schließen.

„Dzeko entscheidender Faktor“

Um das zu erreichen, muss Stürmerstar Edin Dzeko in Schach gehalten werden. „Er ist der entscheidende Faktor bei den Bosniern. Er beherrscht den Abschluss mit links und rechts, kann in die Tiefe gehen, Tore vorbereiten und ist sehr schwer zu verteidigen.“

Allerdings wusste die ÖFB-Auswahl zuletzt in der Abwehr zu überzeugen - von den sechs Testspielen in diesem Jahr endeten vier ohne Gegentor. „Der Trainer ist auch dadurch, dass er selbst Verteidiger war, darauf bedacht, dass wir eine sehr kontrollierte Defensive haben“, erklärte Prödl. (APA)