Letztes Update am Mo, 08.10.2018 09:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Stocker: „Nerven wegschmeißen ist nicht mein Führungsstil“

Das 1:0 über den LASK lässt beim FC Wacker über die Länderspielpause Ruhe einkehren. Eine trügerische, manche Frage bleibt offen.

© gepaKarl Daxbacher sitzt nach dem 1:0 gegen den LASK entspannt im Sattel.



Von Florian Madl

Innsbruck – In der Halbzeitpause erlebte man gestern einen Wacker-Präsident Gerhard Stocker, der die vereinsinterne Einheit beschwor: „Eine Kugel wird nur kompakter, wenn Druck von außen kommt – solange kein Riss drin ist.“ Diesen Riss kann der Wattener ungeachtet der Ergebnisse vor dem LASK-Spiel nicht erkennen: „Wie die alle im Trainerteam miteinander umgehen – Weltklasse.“

Von einer möglichen Trainerablöse, die im Fußball traditionell vor Länderspielpausen ansteht, wollte der 66-Jährige nichts wissen. „Nerven wegschmeißen ist nicht mein Führungsstil.“ Und Stocker erinnerte an Eishockey-Meister Bozen, der in der Vorsaison lange das Tabellenende geziert hatte. Die meisterschaftsfreie Zeit werde man vielmehr fürs Teambuilding nutzen.

Trainer Karl Daxbacher wollte nach Spielschluss ohnehin nichts von einem wackligen Trainerstuhl gehört haben: „Ich weiß nicht, welche Diskussionen das gewesen sein sollen. Presse und Fans diskutieren, aber intern kam nichts auf.“ Nachsatz: „Aber natürlich hinterfragt man eine Situation.“ Der Sieg über den LASK sei fürs Befinden von Spieler und Klub wichtiger gewesen als für ihn. Die rosarote Brille wollte der Niederösterreicher gar nicht erst aufsetzen, angesichts des Spielverlaufs (4:19 Torschüsse) auch ein müßiges Unterfangen. So manche Frage wird ihn weiter beschäftigen.

Ein Zentrumsspieler mit Bundesliga-Niveau fehlt; die Neuen konnten bislang nur bedingt einschlagen, Junge wie die „aus der Not geborenen“ Alternativen Manue­l Maranda (1 Einsatz in der ersten Kampfmannschaft) und Lukas Hupfauf (2) weisen im Gegenzug kaum Klasseunterschiede auf. Das würde den Einsatz von Hoffnungsträgern aus der Zweier-Mannschaft rechtfertigen, die ihren Anspruch bereits einmal anmeldeten: In der ersten Länderspielpause (September) war ein – fraglos unbedeutendes – Trainingsspiel zugunsten der Fohlen von Thomas Grumser ausgegangen. Am Willen und am Einsatz scheint es also nicht zu fehlen, Konkurrenz belebt das Geschäft.

Die anstehenden Tage räumen zweifelsohne die Möglichkeit ein, auf so manche dieser Fragen eine Antwort zu finden. Denn noch scheint der FC Wacker in seiner Spielanlage nicht oben angekommen zu sein: In Liga zwei stand man hinten kompakt, um auf Konter zu setzen. Der Zweck heiligte damals die Mittel, doch eine Liga weiter oben eignet sich das Konzept nicht mehr. Die Qualität der Gegner ist höher, das Wacker-Spiel sozusagen durchschaut. Und der anhaltende System- und Personalwechsel offenbart in erster Linie, dass der Verein in der Elite noch nicht angekommen ist. Die Tabelle schönt die Situation, die Punktehalbierung gewährt Zeit. Aber langfristig darauf zu setzen wäre fatal.