Letztes Update am Mo, 05.11.2018 16:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Sturm zog die Reißleine: Vogel nicht mehr Trainer der Grazer

Die Steirer fuhren nur einen Sieg in den vergangenen 14 Pflichtspielen ein. Der Nachfolger könnte noch heute bekannt gegeben werden.

© APAHeiko Vogel muss in Graz seine Koffer packen.



Graz – Fußball-Bundesligist Sturm Graz hat sich am Montag von Trainer Heiko Vogel getrennt. Der 42-jährige Deutsche wurde nach „eingehenden beratenden Gesprächen (...) mit sofortiger Wirkung dienstfrei“ gestellt, teilte der Tabellenachte Montagmittag in einer Aussendung mit. Der bereits entthronte Cupsieger Sturm hat nur eines der vergangenen 14 Pflichtspiele gewonnen.

Nach der Trennung von Vogel will Sturm bei der Trainersuche keine Hast an den Tag legen. Die Maxime laute „Qualität vor Zeitdruck“, erklärte Sportdirektor Günter Kreissl bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Es gelte, die „gesamt Gruppe“ einzubinden und eine Entscheidung zu finden, „bei der möglichst viele Leute ein gutes Gefühl bekommen“.

„Bevorzugen deutschsprachige Lösung“

Namen möglicher Kandidaten wollte Kreissl keine nennen. „Ich habe mir Gedanken gemacht, aber keine umfassenden Gespräche oder Vorverhandlungen geführt.“ Auch zum Anforderungsprofil wollte er nichts sagen. Klar sei aber: „Wir bevorzugen eine deutschsprachige Lösung.“ Die kommenden Trainingseinheiten werden interimistisch von Günther Neukirchner und Joachim Standfest geleitet, dann wartet die Länderspielpause auf den Vizemeister.

Dass man Geld in die Hand nehmen könnte, sei durchaus denkbar. „Ich will das nicht ausschließen, es muss aber für Sturm im Rahmen sein“, meinte Kreissl. „Ein neuer Trainer wird nicht alles umdrehen müssen, dafür war die Arbeit von Heiko Vogel zu gut. Aber eine neue Ansprache und Veränderungen im Detail können helfen. Wir wissen, dass ein neuer Trainer oft sein eigenes Team aufstellen will.“ In den Medien kursierte zuletzt der Name des derzeit vereinslosen Roman Mählich als Favorit auf die Nachfolge.

Dass Vogel mit seiner Forderung, sechs Punkte gegen Innsbruck und St. Pölten seien „Pflicht“, selbst den Druck erhöht habe, wollte Kreissl („Das war eine sehr mutige Ansage“) nicht abstreiten. Jedenfalls habe es sich um eine „paradoxe Situation“ gehandelt. Denn die Leistungen seien zum Teil durchaus ansehnlich gewesen, aber „ein Sieg in 14 Spielen ist einfach wenig“. Allerdings seien für fehlende Resultate nicht nur das Trainerteam, sondern auch die Spieler verantwortlich: „Die Mannschaft weiß aber, dass sie in der Verantwortung steht.“

Auch seine eigene Arbeit beurteilte Kreissl („Ich hatte ein gutes Verhältnis zu Vogel“) selbstkritisch. Die Personalentscheidungen „muss ich massiv hinterfragen“, betonte der 44-Jährige. „Da sind wir sicher bei einigen Personalien weit hinter den Erwartungen zurück. Ich bin aber nach wie vor absolut überzeugt vom Potenzial im Kader.“

Bereits fünfter Trainerwechsel

Vogels Freistellung bedeutete den bereits fünften Trainerwechsel in dieser Bundesliga-Saison. Mattersburgs Gerald Baumgartner musste im August gehen und wurde durch Klaus Schmidt ersetzt. Danach folgte Anfang Oktober Dietmar Kühbauer bei Rapid Goran Djuricin nach. Aufgrund Kühbauers Amtsantritt in Hütteldorf wurde Ranko Popovic als neuer SKN-Betreuer engagiert. Und zuletzt ersetzte die Admira vor einer Woche Ernst Baumeister durch den Deutschen Reiner Geyer.

Sturm lud am Montagnachmittag (14.30 Uhr im Medienraum des Trainingszentrum Messendorf) zu einer Pressekonferenz, um über die Trainerentscheidung zu berichten. (APA)