Letztes Update am Do, 14.02.2019 10:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa League

Salzburg will liefern, Rapid kann gegen Inter nur überraschen

Das „heimische“ Fußball-Frühjahr eröffnen Rapid gegen Inter (18.55 Uhr) und Salzburg in Brügge (21 Uhr, Puls 4) heute in der Europa League.

Im Salzburg-Dress bereit für neue Heldentaten - Stefan Lainer, Fredrik Gulbrandsen und Andre Ramalho (v. l.).

© gepaIm Salzburg-Dress bereit für neue Heldentaten - Stefan Lainer, Fredrik Gulbrandsen und Andre Ramalho (v. l.).



Brügge /Wien – Red Bull Salzburg hat in Fußball-Österreich sogar die Gegner des Kommerz am internationalen Parkett wieder zum Träumen gebracht. Als Halbfinalist der Vorsaison räumte man im Herbst in der Gruppenphase auch gegen Partnerklub RB Leipzig alle 18 Punkte (zum dritten Mal nach 2009/10 und 2013/14) ab. Die Mozartstädter halten als insgesamt fünffacher Gruppensieger angefangen von Punkten und Heimserie in der Europa League nach vielen erfolgreichen Jahren Rekord um Rekord.

Womöglich lauert wie so oft genau darin auch die größte Gefahr, wenn die Bullen heute in Brügge im Sechzehntel-Final-Hinspiel auf den Rasen laufen. Die Ansicht, dass das ein Selbstläufer werden könnte, wird von Sportchef Christoph Freund aber auch gleich im Keim erstickt: „Wir wissen, was auf uns zukommt. Brügge ist ein richtig schwerer, heimstarker Gegner, der auch im Rhythmus drinnen ist. Es wird eine 50/50-Partie und keine g’mahte Wiesn“, gab er gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) preis. Dass beim belgischen Meister, der diese Saison national etwas hinterherhinkt, aber dennoch aus der Champions League kommt, eine ganz schwere Aufgabe wartet, unterstreicht auch Salzburgs Erfolgscoach Marco Rose: „Club Brügge ist ein Verein mit sehr fanatischen Fans, wir werden also sicher sehr lautstark empfangen werden. Aber dieser Stimmung, dieser Euphorie müssen wir ebenso standhalten wie der Qualität der Mannschaft.“

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ÖFB-Teamspieler Stefan Lainer bringt das Treffen mit Club Brügge auch mit Augenmaß auf den Punkt: „Welche Spieler der belgische Fußball regelmäßig hervorbringt, zeigen auch die Leistungen der Nationalmannschaft.“ Dass Trainer Ivan Leko, der im Fußball-Skandal um Bestechung, Geldwäsche und Spielmanipulation eine Nacht zu Unrecht inhaftiert wurde, dadurch noch emotional belastet wird, sei dahingestellt. Der 16. Meistertitel ist zuletzt allerdings in weite Ferne gerückt. Leko muss mit seiner Elf gegen Salzburg liefern.

Obwohl Salzburg-Coach Rose nach dem Abgang von Amadou Haidara in der Vorbereitung auch andere taktische Systeme einüben ließ, wird wohl heute im bewährten und pressingstarken 4-4-2-Mantel mit Mittelfeldraute der Turbo gezündet. Die PS aus der Vorbereitung wolle man laut Freund sofort auf die Piste bringen. Die Bullen finden sich dieser Tage auch in einem Parallel-Universum wieder: Denn schon am Sonntag wartet das ÖFB-Cup-Viertelfinale bei Zweitligist Wiener Neustadt.

Inter ohne Icardi gegen Rapid

Eine gute Nachricht gab es für den österreichischen Rekordmeister schon einen Tag vor dem heutigen Anpfiff (18.55 Uhr, Stream DAZN) im Europa-League-Schlager gegen Inter Mailand in Hütteldorf: Mit Stürmerstar Mauro Icardi fehlt eine der größten Waffen der „Nerazzurri“. Der Argentinier wurde beim Tabellendritten nicht berücksichtigt und so nebenbei nahm man ihm auch noch die Kapitänsschleife. Das Ganze riecht nach Abschied – eine Unruhe beim Dritten der Serie A, die der Truppe von Coach Didi Kühbauer nur recht sein kann.

Es dürfte wohl alles an den zähen Vertragsverhandlungen beim südamerikanischen Ausnahmestürmer und dem 1908 gegründeten Traditionsklub liegen. Obwohl dessen Ehefrau und Beraterin in Personalunion, Wanda Narra, stets von einer baldigen Verlängerung sprach, deutet nun alles auf Abschied hin. Das bestätigte auch die stets gut informierte La Gazzetta dello Sport. Neuer Inter-Kapitän ist nun Torhüter Handanovic.

Fast dreimal so viel wert wie der Rapid-Kader, aber nicht dabei: Inter-Superstar Mauro Icardi.
Fast dreimal so viel wert wie der Rapid-Kader, aber nicht dabei: Inter-Superstar Mauro Icardi.
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Ob mit oder ohne Icardi – für die Grün-Weißen wird das europäische Duell so und so schwierig. Und auch ein motivierender Leckerbissen, wie Routinier Mario Sonnleitner bestätigte: „Wir haben eine Chance, wenn wir aggressiv sind. Bei so einem Spiel muss man niemanden extra motivieren, für solche Spiele lebt man als Kicker.“

Ähnlich sah das auch Trainer Kühbauer, der den Auftritt auf der großen, internationalen Bühne als angenehme Abwechslung zur verpatzten Herbstsaison (Tabellenplatz acht) sieht: „Wir können nur überraschen und das macht es leichter.“ Dass man überhaupt in die K.o.-Phase aufgestiegen war, lag, laut Coach Kühbauer, am Last-Minute-Sieg (2:1) bei Spartak Moskau. Da sei ein Ruck durch die Mannschaft gegangen und „daraufhin haben wir das Ganze gegen Glasgow (1:0-Heimerfolg, Anm.) vollenden können“.

Das Underdog-Dasein, das sich schon in der Gruppenphase bewährt hat, soll nun auch gegen den haushohen Favoriten aus Mailand helfen. Und natürlich die Emotionen des grün-weißen Anhangs.

Trotzdem ist allen Beteiligten klar, dass Rapid in 180 Minuten nur überraschen kann. Schon allein die Tatsache, dass ein Icardi (Marktwert 100 Millionen Euro) fast dreimal so viel wert ist wie der gesamte Rapid-Kader (36,45 Mio.), spricht Bände. Daran ändert auch das Fehlen des Mittelstürmers nichts. (suki) (lex)