Letztes Update am Mi, 03.04.2019 11:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball

Josef Geisler im Interview: „Ich muss in beide Richtungen blicken“

Seit zehn Jahren steht Josef Geisler dem Tiroler Fußballverband bereits als Präsident vor. In der TT spricht der Richter über den FC Wacker, das österreichische Fußball-Nationalteam und die TFV-Wahl am 19. Juni.

„Uns gehen für bestimmte Projekte wie das Nationalstadion die Argumente aus", meint Josef Geisler 
(über das ÖFB-Team).

© Foto TT/Rudy De Moor„Uns gehen für bestimmte Projekte wie das Nationalstadion die Argumente aus", meint Josef Geisler 
(über das ÖFB-Team).



Was erwarten Sie sich nach dem verpatzten Auftakt in die EM-Qualifikation in Ihrer Rolle als ÖFB-Vize­präsident intern?

Josef Geisler: Wenn man nach zwei Spielen null Punkte hat, dann ist das selbstredend. Ich gehe davon aus, dass bei der nächsten Präsidiumssitzung die Analyse der sportlichen Leitung vorliegt und anhand derer wird man dann auch entsprechend diskutieren.

Wie geht es Ihnen damit, dass man nach dem Israel-Spiel zu dem Urteil kam, dass nicht alle Spieler alles gegeben hätten?

Geisler: Das wird schwer nachzuweisen sein. Für den Außenstehenden hat es den Eindruck gemacht, dass nicht alle mit gleicher Begeisterung bei der Sache waren. Ich rate aber davon ab, die Diskussio­n nur am Rücken der Spieler auszutragen. Ich hoffe, dass die sportliche Leitung schon eine Art Rezept hat, wie man diesem Phänomen begegnen kann. Uns gehen für bestimmte Projekte nämlich die Argumente aus. Wenn die sportlichen Erfolge ausbleiben, fällt es schwer, gegenüber der Stadt Wien in Sachen Nationalstadion und Trainingszentrum zu argumentieren.

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ÖFB-Präsident Leo Windtner meinte, dass es den Teamspielern noch nie so gut gegangen sei ...

Geisler: Der Nationalmannschaft werden viele Wünsche von den Augen abgelesen. Schwächen gibt es bei den Trainingsbedingungen während der Lehrgänge. Das ist sicher ein Problem.

Zurück in die Heimat: Man hat das Gefühl, dass es mit der Beziehung zwischen dem Tiroler Fußballverband und dem FC Wacker nicht zum Besten bestellt ist ...

Geisler: Der Idealzustand wär­e eine möglichst friktionsfreie Partnerschaft. Das gibt es aber selten, Irritationen sind vorhanden. Mein Aufgabe ist es, gemeinsam mit Gerhard Stocker (Wacker-Präsident, Anm.) diese Irritationen möglichst gering zu halten. Da sind wir auf einem guten Weg. Wir haben Berührungspunkte im Großen wie im Kleinen.

Vor allem in Sachen LAZ (Landesausbildungszentrum, Anm.), in das der FC Wacker im Sommer keine Spieler entsenden wird, gab es zuletzt Konflikte. Wie sehen Sie die Lage?

Geisler: Ich habe kein Problem damit, weil das eine autonome Entscheidung des Stammvereins der Spieler ist und ich keinen Stammverein zwingen kann, seine Spieler für das LAZ abzustellen. Deshalb verstehe ich die Aufregung nicht.

Gibt es in der Folge auch Konsequenzen für diese Kinder, wenn es um die Zusammenstellung der Akademie-Mannschaften geht?

Geisler: Selbstverständlich nicht. Wenn die Akademie-Teams zusammengestellt werden, entscheidet die sportliche Eignung. Die Eltern und Kinder sollen ihre Entscheidung in Sachen LAZ vollkommen unbeeinflusst treffen.

Kann man die Profiklubs wirklich gleich wie unterklassige Vereine behandeln?

Geisler: Das kann man nur bedingt vergleichen. Ich bekenne mich sowohl zum Breiten- als auch zum Spitzensport. Andererseits sind die zwei Bundesliga-Klubs Vereine des TFV so wie mehr als 150 andere auch. Ich muss in beide Richtungen blicken.

Ein weiterer Konfliktherd ist die dritte Mannschaft des FC Wacker. Bleibt es bei der Altersregelung und dem Aufstiegslimit Bezirksliga?

Geisler: So wie das Projekt ursprünglich angefangen hat, ist es auch für das kommende Jahr genehmigt. Diesem Konflikt liegt zugrunde, dass die Bezirksobmänner immer wieder zugetragen bekommen, dass Spieler abgeworben werden. Übrigens stellt sich für mich in diesem Zusammenhang die Frage, ob ein Bundesliga-Verein in diesen Klassen überhaupt Teams stellen muss. Das ist aber eine autonome Entscheidung der Vereine. Wenn aber ein Verein bei Begehrlichkeiten aus gutem Grund Nein sagt, muss das Nein akzeptiert werden.

In Wattens laufen die Bundesliga-Planungen, auch eine eigene Akademie spielt dabei eine Rolle. Schafft Tirol eine zweite Akademie?

Geisler: Wenn einer unserer Bundesliga-Vereine zum Beispiel einen Investor wie Did­i Mateschitz hätte, gäbe es diesbezüglich kein Problem. Ich wünsche beiden Profi-Vereinen, dass ihre sportlichen Wünsche in Erfüllung gehen. Es sind beides autonom geführte Klubs, wo jeder schon wissen wird, was er tut.

Apropos Akademie: Dass die Akademie vom Verband und nicht vom FC Wacker geführt wird, gilt als gordischer Knoten. Kann man diesen lösen?

Geisler: Der TFV muss nicht Träger der Akademie sein. Wir sind gezwungenermaßen für den insolvent gewordenen Verein (FC Tirol, Anm.) eingesprungen. Hauptgeldgeber der Akademie ist das Land Tirol. Und das Land Tirol ist offensichtlich sehr zufrieden damit, dass der Verband die Akademie führt. Aus welchen Gründen auch immer ...

Sie sind seit zehn Jahren TFV-Präsident, wie wichtig ist die Rolle des Mediators?

Geisler: Diese Rolle hab ich immer ernst genommen. Der Funktionär eines großen Sportfachverbands darf kein Glaskinn haben und muss auch mit sachlicher Kritik umgehen können. Aber ich bin immer darauf bedacht gewesen, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen.

Am 19. Juni stehen Präsidentenwahlen im TFV an. Warum tun Sie sich das an?

Geisler: Ich will den Verband mit einem doch etwas veränderten Gesicht in die neue Funktionsperiode führen. Ich glaube, dass es jemanden braucht, der die Zusammenhänge überblickt und der im ÖFB verankert ist.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Geisler: An der Struktur wird sich einiges ändern. Eine neue Funktionsperiode ist immer ein geeigneter Zeitpunkt zu hinterfragen: Ist der Verband noch modern genug? Sind wir nahe genug bei den Vereinen? Ich bin froh, wenn möglichst viele daran mitarbeiten.

Im Sommer löst die Eliteliga auch auf Ihr Betreiben hin die Westliga ab ...

Geisler: Wenn man sieht, was in der UPC Tirol Liga passiert, muss man sagen: Die Reform hat viel zur Lebendigkeit beigetragen. Nur mit dem Namen bin ich nicht zufrieden. Mir persönlich würde Regionalliga Tirol besser gefallen.

Das Gespräch führten Tobias Waidhofer und Alex Gruber