Letztes Update am Sa, 18.05.2019 12:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Bundesliga

Finale um den Meistertitel: Bayern bereit für die Schale „dahoam“

Nach sechs Jahren großer Bayern-Dominanz bietet der Schlussakt in der deutschen Bundesliga wieder Nervenkitzel. Den Münchnern reicht ein Punkt, Dortmund braucht einen Sieg und Schützenhilfe von Frankfurt.

Wer holt sich die Schale - Niko Kovac und die Bayern oder Lucien Favre und der BVB?

© imago images / Sven SimonWer holt sich die Schale - Niko Kovac und die Bayern oder Lucien Favre und der BVB?



München – Bei Niko Kovac war von Nervenkitzel vor dem dramatischen Bundesliga-Finale keine Spur. Ein smartes Lächeln, ein freundliches „Grüß Gott“ – und dann verwies der Trainer des FC Bayern nur zu gerne auf die komfortable Münchner Situation im Titelrennen. „Wenn man um die Existenz kämpft und vieles zu verlieren hat, das ist wirklich Anspannung, der Druck ist unglaublich. Wer das erlebt hat, weiß, wie unmenschlich das ist“, erinnerte der kroatische Coach an seine Erfahrung im Abstiegskampf. Und die ist für ihn keineswegs mit der Aussicht auf Weißbierduschen und die Meisterschale im Konfettiregen zum Schlussakt einer wilden Saison zu vergleichen.

„Das jetzt ist ein schönes Gefühl. Klar müssen wir auch Meister werden, aber das ist eine ganz andere Voraussetzung“, sagte Kovac, der die Dauerdebatten um seine Zukunft als Bayern-Trainer im Fernduell mit Borussia Dortmund ausblenden will. Das seien „Nebensächlichkeiten“, sagte der 47-Jährige. „Ich habe einen Vertrag, der nach dem Sommer noch zwei Jahre geht, und ich möchte den auch gerne erfüllen.“

Erst Meister, dann Pokal-Finale

Die Münchner sind im Double-Modus, die höchste Titelpflicht müssen sie am Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt erfüllen. Eine Woche später soll dann Teil zwei im Berliner Pokalendspiel gegen RB Leipzig folgen. Eine außergewöhnliche Ära mit den Abschieden von Arjen Robben und Franck Ribery möchte der deutsche Rekordmeister standesgemäß beschließen – bloß kein Drama bei diesem „Finale dahoam“.

„Die Jungs wollen zum siebten Mal Meister werden und den Spielern, die gehen, einen sehr schönen Abschied geben“, sagte Kovac. Saisonbenotungen würden für ihn keine Rolle spielen. „Ob 1 oder 1+, das obliegt nicht mir. Das müssen andere machen. Wir müssen zusehen, dass wir jetzt über die Ziellinie kommen, dass wir Meister werden.“

Deutsche Bundesliga - Titelentscheidung

Bayern München (75 Punkte, 83:31 Tore) wird Meister...

... bei einem Sieg gegen Eintracht Frankfurt.

... bei einem Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt, so lange Borussia Dortmund nicht mit mindestens 17 Toren Vorsprung bei Borussia Mönchengladbach gewinnt.

... bei einer Niederlage gegen Eintracht Frankfurt, wenn Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach nicht gewinnt.

Borussia Dortmund (73 Punkte, 79:44 Tore) wird Meister...

... bei einem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, wenn Bayern München gegen Eintracht Frankfurt verliert.

... bei einem Sieg mit mindestens 17 Toren Vorsprung gegen Borussia Mönchengladbach, wenn Bayern München gegen Eintracht Frankfurt unentschieden spielt.

Genau wie für BVB-Coach Lucien Favre geht es für Kovac an einem Tag mit erwarteten Gänsehaut-Momenten gegen den Ex-Club um die erstmalige Krönung als Meistertrainer. Was für ein Bundesliga-Drehbuch. „Ich bin froh, dass ich gegen meine alten Kameraden, meinen alten Club spielen kann“, sagte Kovac.

Nach sechs Jahren großer Bayern-Dominanz und zehn bis 25 Punkten Vorsprung bringt das große Bundesliga-Finale längst vergessene Spannung mit sich. „Es wollte jeder eine spannende Bundesliga, die haben wir jetzt. Das ist das, was der Fußballfan sehen will, er kriegt es jetzt pur“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Für die Borussia spricht nicht viel – aber wer hätte in der Champions League vor den Halbfinal-Rückspielen auch an ein Weiterkommen von Liverpool und Tottenham geglaubt?

Den Bayern reicht ein Punkt

„Ich habe davon geträumt, einmal vor unseren eigenen Fans Meister zu werden“, sagte Robert Lewandowski, der vor Torjägerkanone Nummer 4 steht. „Optimal ist es, wenn wir deutscher Meister werden und ich die Torjägerkanone hole.“

Ein Punkt reicht aufgrund der 17 Treffer besseren Tordifferenz auf den BVB, der bei Borussia Mönchengladbach auf Rückkehrer Marco Reus als großen Trumpf setzt. Auf das Remis wollen die Bayern gegen die Frankfurter Europa-League-Kämpfer aber sicher nicht gehen. „Wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen. Das werden wir klipp und klar vorgeben“, betonte Kovac. Verzichten muss er erneut auf Tormann Manuel Neuer nach einem Muskelfaserriss. (dpa, w.m.)