Letztes Update am Di, 21.05.2019 09:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


2. Liga

Diana Langes hat viel vor: „Stadl gefällt mir mehr als Stadion“

Bei der WSG Wattens steht und fällt alles mit dem Aufstieg in die höchste Liga: Stadion-Umbau, Budgetentwicklung – das Erbe ihres Vaters wird hochgehalten.

WSG-Präsidentin Diana Langes schmiedet große Pläne, ein Aufstieg entscheidet über das Tempo.

© Julia HammerleWSG-Präsidentin Diana Langes schmiedet große Pläne, ein Aufstieg entscheidet über das Tempo.



Wie sehr leiden Sie als Zuschauerin mit?

Langes: Es ist brutal nervenaufreibend, ich kaue mir meine Nägel ab. Das Ried-Spiel (0:0 in Lustenau) habe ich mir am Fernseher angesehen – ich hab‘ mich so geärgert...

Das Leben der WSG Wattens spielt sich derzeit in den Parallelwelten Aufstieg und Nicht-Aufstieg ab.

Langes: Genau, und wir sind für beides vorbereitet. Aber ich glaube nach wie vor an den Aufstieg und bin mir sicher, wir steigen auf.

Sie beschreiben sich als „ungeduldig“. Gehen wir trotzdem von Plan B aus, dem Nicht-Aufstieg – wie schlimm wäre der?

Langes: Davon geht die Welt nicht unter – nur die „halbe“. Wir hätten dann wieder ein Jahr verloren und unsere Pläne bezüglich Stadion würden sich verzögern.

Erfolgt der Umbau unabhängig vom Aufstieg?

Langes: Grundsätzlich würden wir zusammen mit der Gemeinde schon einen Teil angehen. Die Gemeinde hat ja dankenswerterweise ihre Zustimmung zur Sanierung des Vorhandenen gegeben. Pläne für neue Strukturen haben wir zwar auch, wann diese umgesetzt werden können hängt allerdings von unterschiedlichen Faktoren ab.

Setzen Sie verstärkt auf Kapazität oder auf Qualität?

Langes: Es muss parallel laufen. Wenn wir etwas machen, machen wir es nach Möglichkeit perfekt.

Also keine Stahlrohrtribünen?

Langes: Das wäre nicht mein Plan. Das Stadion trägt den Namen meines Vaters, das soll was hergeben, 6500 Leute wären wünschenswert. Die alte Tribüne steht unter Denkmalschutz, daran müssen wir uns orientieren. Aber mir würde der Begriff „Stadl“ mehr gefallen als Arena oder Stadion, das würde den Tiroler Aspekt hervorkehren (lacht).

Die Realität hieße im Fall des Aufstiegs vorerst Tivoli. Haben Sie Angst, dass das Flair verlorengeht?

Langes: Ein Riesenthema! Wir müssen einfach so gut sein, dass wir alle überzeugen, wenn wir in Innsbruck spielen. Nicht allen Wacker-Fans wird das gefallen, aber wir müssen professionell genug sein, das nicht emotional anzugehen. Und das Stadion ist nicht so familiär wie in Wattens, wo Kinder herumspringen. Vor einem leeren Tivoli zu spielen ist eher unmotivierend.

Beim Budget spricht man von 5 bis 5,3 Mio. inklusive Fernsehgeld.

Langes: Das kann natürlich noch nach oben gehen. Es ist eben leichter Sponsoren zu finden, wenn man fix oben ist. Aber Interessenten gibt es – für beide Ligen.

Was reizt einen Sponsor an Wattens, das derzeit nicht international im Einsatz ist? Ist es Ihre Person und Ihr Netzwerk, ist es das Swarovski-Flair?

Langes: Es ist eine Mischung von allem. Man muss sich ja von anderen Vereinen abheben, wenn man auf sich aufmerksam machen und etwas erreichen möchte.

Auch das Land Tirol wird Geld ausschütten. Wie ist die Kommunikation mit der Politik?

Langes: Derzeit gibt es wenig, alle warten wohl noch ab, was passiert. Es ist ja beim FC Wacker auch nicht sicher, was passiert. Uns wurde gesagt, dass in der gleichen Liga alles gerecht verteilt wird – ich vertraue auf diese Handschlagqualität.

Mit wie viel Wehmut verfolgt man das Geschehen beim FC Wacker mit, dem der Abstieg droht?

Langes: Mein großer Wunsch ist, dass Wacker oben bleibt, das könnte den Tiroler Fußball wieder nach oben führen. Das ist wie bei Rapid/Austria. Das ist so, als wäre ein Verein für den anderen erfunden worden.

Ist Tirol zu klein für zwei Vereine ganz oben?

Langes: Nein, definitiv nicht. Wenn man in der oberen Riege gut mitspielt, öffnen sich auch die Türen zur internationalen Sportbühne. Für österreichische Sponsoren wird es dann besonders interessant, da sie für verhältnismäßig wenig Geld viel Präsenz bekommen. Mit zwei Vereinen, die international spielen, steigen die Chancen für Tiroler Unternehmen, auf einer Riesen-Plattform gesehen zu werden.

Die GmbH, die Ihrer Profiabteilung zugrunde liegt, heißt Swarovski Tirol. Eine beabsichtigte Parallele zu den goldenen Zeiten des FC Tirol? Oder eine Vision für später?

Langes: Wir heißen nach wie vor WSG Wattens. Aber ich dachte mir, dass uns der Name der GmbH Glück bringt. Ich bin da abergläubisch.

Geht es langfristig Richtung Swarovski Tirol?

Langes: Davon ist jetzt nicht die Rede. Wir wollen Tirol aber als Botschafter nach außen tragen: mit Tiroler Musik, Lederhose, und ich hoffe, dass sich auch der Fan-Club in diese Tiroler Richtung bewegt. So wie es mein Papa tat mit Marketenderinnen, da war Tirol überall beliebt. Als Tirol-Werber wären wir nicht schlecht.

Wie professionell ist unser Fußball in Tirol?

Langes: Leider wurde die Idee meines Vaters in Volders (Trainingsstätte, Anm.) nicht angenommen. Wenn, dann wären wir heute wahrscheinlich stärker. Wir haben die Talente, wir machen schon irgendwas richtig. Der Standort Mieming war die gleiche Idee, wie ich sie Monate zuvor in Volders präsentiert habe.

Liegt Ihre Projekt in Volders auch zwischen 8 und 10 Mio. Euro?

Langes: Wir sind in derselben Preisklasse. Meine Referenz waren die Pläne meines Vaters, aber jetzt konzentrieren wir uns auf die Gegenwart.

Das Gespräch führte Florian Madl