Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.05.2019


Bundesliga

Der FC Wacker setzt nach dem Abstieg auf eine Boygroup

Die Liga wechselt, der Weg bleibt: Bei einem ersten Richtungsgespräch kristallisierte sich gestern das neue Konzept des Bundesliga-Absteigers heraus. Teenager geben künftig den Ton an.

Unbekümmert, kompromisslos: Leuten wie Felix Bacher (vorne), der nach einem Schädelbruch ein Comeback feierte, gehört die Zukunft.

© gepaUnbekümmert, kompromisslos: Leuten wie Felix Bacher (vorne), der nach einem Schädelbruch ein Comeback feierte, gehört die Zukunft.



Von Florian Madl

Innsbruck — Kompakt auf vier Seiten zusammengefasst wurde gestern in der Innsbrucker Stadionstraße über die Zukunft befunden. Bevor heute Präsident Gerhard Stocker dazustößt und am Mittwoch der Vorstand die Entscheidung trifft, sollten die Eckpfeiler nach dem Abstieg in Liga zwei besprochen werden. Die Stoßrichtung scheint klar, das knappe Budget zwingt zum Abspecken. Die Kernaussagen:

Es geht weiter! Zwar sitzt der Stachel der sportlichen Pleite tief, aber ein Weltuntergang sieht anders aus. Der FC Wacker wird sich mit profiähnlichen Strukturen unter die Halbprofis der zweiten Liga mischen.

Kein Aufstiegsdruck! „Den soll es nicht geben. Vielmehr soll Fußball am Tivoli wieder Spaß machen, denn in den letzten Jahren waren wir immer im Überlebensmodus", hielt Pressemann Felix Kozubek fest.

Sieben bis zehn Tage Zeit! Die will man sich geben, um die Sponsoren mit dem neuen Konzept zu überzeugen oder Gespräche anzubahnen. Ein Budget von 4 Mio. Euro scheint realistisch, durch den Wattener Aufstieg könnten Förderungen allerdings anders verteilt werden.

Junge an die Macht! Kinder wie bei Herbert Grönemeyer sind es längst keine mehr, die den Wacker-Anhängern so viel Freude bereiteten. Aber Alexander Eckmayr (19), Simon Rumer (18), Johannes Handl (21), Felix Köchl (16), Thomas Kofler (20), Clemens Hubmann (18), Felix Bacher (18), Robert Martic (17), Raphael Gallé (19), Elvin Ibrisimovic (20) und vielleicht auch Transferaktie Matthäus Taferner (18) sollen den Stamm der künftigen Wacker-Mannschaft darstellen. Für Routine sollen „G'standene" wie Tormann Christopher Knett sorgen.

Aus drei mach zwei! An der künftigen Zweier-Mannschaft in der Tiroler Eliteliga hält man fest, das Konzept bewährte sich (siehe oben). Von den Juniors im Tiroler Unterhaus (Bezirksliga) könnte man sich trennen — jeder Euro wird derzeit umgedreht.

Damen, Nachwuchs wie gehabt! Die Eckpfeiler abseits der Kampfmannschaft bleiben unangetastet.

Mitarbeiter-Zukunft gesichert! Den zehn Angestellten (und den Teilzeitkräften) aus der Geschäftsstelle teilte man das Vorhaben mit. Möglichst alle sollen bleiben, „zurückfahren" wolle man nicht.

Hauptamtlichkeit bleibt! Die entscheidenden Positionen, etwa jene im vierköpfigen Management, sollen weiterhin Vollzeitkräfte bleiben, reine Ehrenamtlichkeit habe sich dort in der Vergangenheit „nicht bewährt".

Personaldiskussion folgt! Ob mit oder ohne Manager Alfred Hörtnagl (unbefristeter Vertrag), das steht noch nicht fest. Und Trainer Thomas Grumser verwies gestern auf die Rahmenbedingungen: „Für eine Neuausrichtung ist es wichtig zu wissen, was möglich ist." Dass er mit Jungen etwas aufbauen könne, demonstrierte der 39-jährige Innsbrucker schon bis März mit Wacker II. Vorstellen könne er sich eine Fortsetzung seiner Tätigkeit (Vertrag bis 2021) auf alle Fälle: „Ich bin keiner, der in so einer Situation davonläuft."

Auch politisch Verantwortliche bezogen gestern Stellung. Der für Sport zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler bekannte: „Wir haben den Verein noch nie im Regen stehen lassen." Der Zillertaler lobte die Arbeit von Präsident Gerhard Stocker, „der sich ehrlich und redlich" bemüht habe. Im Fall des Wattener Aufstiegs müsse man Kräfte bündeln, von Wacker neu erwarte er sich ein Bekenntnis zu den Talenten der jetzigen Zweier-Mannschaft: „Man sollte sicherlich auf die Jungen setzen, einen Aufstieg mit Krampf halte ich nicht für zielführend."

Innsbrucks Sportstadträtin Elisabeth Mayr verwies indes auf ein anstehendes Treffen mit der Wacker-Spitze und merkte beim Thema Geld an: „Bei den Förderungen sind wir gleichauf mit dem Land. Wir unterstützen unseren Stadtverein sicher weiter."

Nicht mehr weitermachen will indes Wacker-Präsident Gerhard Stocker als Aufsichtsratsvorsitzender der Bundesliga. Der Tiroler gab im Rahmen der gestrigen Sitzung in Wien bekannt, dass er sich aus dieser Funktion zurückziehen werde.