Letztes Update am Mi, 29.05.2019 15:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa League

Arsenal oder Chelsea? Ein Strohhalm namens Europa League

Das heutige Europa-League-Endspiel (21 Uhr, Puls 4) zwischen Chelsea und Arsenal stellt für beide Londoner Clubs die letzte Möglichkeit dar, eine verkorkste Saison doch noch zu retten.

Für Chelseas belgischen Superstar Eden Hazard (r.) könnte das heutige Endspiel das letzte im Dress der „Blues“ sein. Der Belgier wird schon länger mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Dort schwingt sein Idol Zinedine Zidane das Trainerzepter.

© imago/ColorsportFür Chelseas belgischen Superstar Eden Hazard (r.) könnte das heutige Endspiel das letzte im Dress der „Blues“ sein. Der Belgier wird schon länger mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Dort schwingt sein Idol Zinedine Zidane das Trainerzepter.



Baku – Das Europa-League-Finale (21 Uhr MESZ/live Puls 4, DAZN) in Baku stellt das erste von zwei englischen Endspielen in dieser Woche dar. Während am Samstag Jürgen Klopps Liverpool auf Tottenham (Champions League) trifft, können Chelsea und Arsenal schon heute eine enttäuschende Saison noch erfolgreich beenden. Was den Meistertitel betrifft, war keines der beiden Londoner Teams in der Nähe der nationalen Trophäe. Dafür könnte die Europa League entschädigen und den Sommerurlaub doch noch versüßen.

Erfahrung als Vorteil für Arsenal

Das Ass auf der Bank: Der Favorit heißt Chelsea. Die „Blues“, die vor sieben Jahren im „Finale dahoam“ in München den Champions-League-Titel einheimsten, kämpfen um den zweiten Europa-League-Titel nach 2013. Für Arsenal wäre ein Sieg in Aserbaidschan hingegen eine Premiere. Der Pokal für den Cup der Cupsieger 1994 ist bisher der einzige Europacup-Triumph der „Gunners“.

Arsenals Trumpf sitzt ausgerechnet auf der Trainerbank und hießt Unai Emery. Der Spanier gilt als wahrer Europa-League-Experte: Er gewann mit dem FC Sevilla von 2014 bis 2016 dreimal in Folge den internationalen Bewerb. „Die Erfahrung, dreimal in einem Europa-League-Finale gewesen zu sein, ist für mich ein Vorteil, aber nur eine von mehreren Variablen“, bestätigte Emery.

Entscheidend wird sein, ob die „Gunners“ die Kreise von Chelseas Aushängeschild Eden Hazard einengen können. „Er ist ein Spieler für entscheidende Momente, wie es sonst nur Messi, Ronaldo, Neymar oder Salah sind. Hazard ist für mich einer der fünf besten Fußballer auf der Welt“, brachte es Emery auf den Punkt.

Der Austragungsort Baku stieß bei allen Beteiligten auf wenig Gegenliebe.
Der Austragungsort Baku stieß bei allen Beteiligten auf wenig Gegenliebe.
- AFP

Königliches Interesse: Für den Belgier Hazard könnte es das letzte Match im Chelsea-Dress sein. Der WM-Dritte von 2018 wird seit Wochen mit einem Wechsel zu Real Madrid in Verbindung gebracht – eine offizielle Verkündung der Königlichen könnte schon unmittelbar nach dem Finale erfolgen. Hazard gab sich diesbezüglich ein wenig verschlossen: „Es wäre toll, eine Trophäe zu holen. Wenn es mein letztes Spiel sein sollte, hoffe ich, dass ich helfen kann“, sagte der seit 2012 für Chelsea spielende Offensivstar.

Ein Italiener im Abseits: Der drohende Abschied seines Schlüsselspielers ist nicht das einzige Problem von Coach Maurizio Sarri. Der Italiener sah sich während seiner gesamten ersten Saison bei den „Blues“ mit Kritik konfrontiert – das stark auf Passspiel und Ballbesitz ausgerichtete System der Londoner irritierte die eigenen Fans, die in den vergangenen Jahren das Konter- und Umschaltspiel von Antonio Conte oder Jose Mourinho gewöhnt waren.

Endrang drei in der Premier League sowie der Einzug ins Liga-Cup-Finale, wo man gegen Pep Guardiolas Manchester City im Elfmeterschießen verlor, wurden dem hohen Anspruch Chelseas nicht gerecht. Laut britischen Medienberichten droht Sarri der Rauswurf, sollte das Europa-League-Finale nicht gewonnen werden. „Wenn die Situation so ist, will ich gleich gehen“, schimpfte der 60-Jährige erst vor wenigen Tagen. „Zehn Monate Arbeit, und dann muss ich alles in 90 Minuten ausspielen? Das ist nicht richtig.“

Sarri wurde zuletzt mit dem vakanten Trainerjob bei Juventus Turin in Verbindung gebracht, betonte aber, mit keinem anderen Verein gesprochen zu haben. Seine Konzentration liege ausschließlich auf dem Endspiel.

Arsenals Kicker spielen für ihren Teamkollegen Henrikh Mkhitaryan, der aufgrund politischer Spannungen zuhause blieb.
Arsenals Kicker spielen für ihren Teamkollegen Henrikh Mkhitaryan, der aufgrund politischer Spannungen zuhause blieb.
- AFP

Alles für „Micki“: Doch das Finale findet abgesehen von den möglichen Abgängen so und so schon unter kuriosen Umständen statt. Im über 60.000 Zuschauer fassenden Stadion sind nur 6000 Fans pro Club dabei, und das auch nur theoretisch. Denn aufgrund der strapaziösen Anreise für die Anhänger benötigten Arsenal und Chelsea nur etwa die Hälfte ihres Kontingents.

Für mehr Aufregung sorgt Arsenals Spielmacher Henrikh Mkhitaryan. Der verzichtete auf den Trip ans Kaspische Meer. Der Armenier will aufgrund der politischen Spannungen zwischen seinem Heimatland und Aserbaidschan kein Risiko eingehen. „Ich hätte ihn gern auf dem Platz gesehen, aber in so einer Situation ist es die Entscheidung eines Mannes, nicht eines Spielers, das kann man nur respektieren“, zollte Chelsea-Coach Sarri dem Akteur Respekt. Arsenal hat das Motto ausgegeben: „Siegen für Micki!“

LASK drückt Chelsea die Daumen

Detail am Rande: Triumphiert Chelsea, wäre übrigens der LASK Nutznießer. Denn die Sarri-Truppe ist ja schon für die Königsklasse qualifiziert und so müsste Österreichs Vizemeister erst in der dritten und nicht in der zweiten Champions-League-Quali-Runde einsteigen. Damit wäre man schon schlechtestenfalls in der Europa-League-Gruppenphase. LASK-Präsident Siegmund Gruber kündigte deshalb bereits an, ein Chelsea-Trikot überzustreifen. (suki, APA)