Letztes Update am Fr, 31.05.2019 14:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


2. Liga

Bundesliga-Aufstieg vor Augen: Wattener Idyll am Prüfstand

Ein Formalakt ist das Auswärtsspiel in Horn (Samstag, 17.00 Uhr) keiner. Aber die Hürde scheint bewältigbar und die Wattener rüsten sich längst für größere Aufgaben. Leute wie Rieder, Dedic und Hupfauf sollen kommen.

Ein Sieg gegen Horn - und die Wattener Kicker können mit ihren Fans den Aufstieg in die Bundesliga feiern.

© Michael KristenEin Sieg gegen Horn - und die Wattener Kicker können mit ihren Fans den Aufstieg in die Bundesliga feiern.



Von Florian Madl

Wattens – Fußballspiele dauern in Wattens bis zu acht Stunden: Eintreffen um 18 Uhr, Spiel, „dritte Halbzeit“. Es war schon nach Mitternacht, als im VIP-Klub der Werkssportgemeinschaft noch das Lustenau-Match (1:0) analysiert wurde und der mögliche Aufstieg in Österreichs höchste Liga. Leute parlierten, die schon die dreijährige Bundesligazeit zwischen 1968 und 1971 miterlebt hatten, die den Verein als Familie begreifen und dessen Farben in ihren Herzen tragen.

„Die meisten wollen, dass es in Wattens weitergeht. Und ich will das auch. Langfristig kann ich mich mit dem Stadion in Innsbruck nicht identifizieren“, meinte Präsidentin Diana Langes. Kein Exodus ins Tivoli also, wo die WSG in der kommenden Saison im Fall des Aufstiegs spielen wird. Die Statuten wollen es so, denn bundesligareif ist ihr Gernot-Langes-Stadion vorerst nicht.

Auch so manchem Akteur in Wattens fehlt allerdings das, was man Bundesliga-Reife nennt. „Bei 16 Spielern gelten die Verträge auch für oben, bei acht wird man sehen“, will Trainer Thomas Silberberger keinen Wirbel vor dem Entscheidungsspiel in Horn (Samstag, 17 Uhr) – mit einem Sieg wäre alles erledigt. Schon werden Namen gehandelt, die Grün-Weiß helfen sollen. Und die kommen wie nicht anders zu erwarten von Schwarz-Grün, also vom Absteiger FC Wacker Innsbruck: Um Zlatko Dedic, den Routinier im Sturm, buhlen die Wattener ebenso wie um den wieselflinken Florian Rieder, auch Christoph Freitag und der Ex-Wattener Lukas Hupf­auf sollen ein Thema sein.

Sportmanager Stefan Köck (l.) in inniger Umarmung mit Verteidiger Andreas Dober.
Sportmanager Stefan Köck (l.) in inniger Umarmung mit Verteidiger Andreas Dober.
- Michael Kristen

„Es wird die große Aufgabe für Köcki (Sportmanager Stefan Köck, Anm.), sich von jenen Leuten zu verabschieden, mit denen er in den vergangenen Jahren ein Naheverhältnis aufbaute“, analysiert TT-Experte Thomas Pichlmann. Und fürwahr: Jemand vor die Tür zu setzen, mit dem man sich eben noch im Aufstiegstaumel in den Armen lag, fällt nicht leicht.

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„Am liebsten würde ich sie alle behalten, denn sie sind mir ans Herz gewachsen. Aber das geht nicht, das wissen sie“, verweist Präsidentin Langes auf die Gesetzmäßigkeiten des Profifußballs. Das Wattener Budget erreicht im kommenden Jahr jedenfalls beachtliche Dimensionen: „Es werden sicher mehr als sechs Millionen Euro.“ Und es könnte um einiges mehr werden, Auslandsreisen führten die Präsidentin zuletzt zu Sponsoren nach Spanien (Madrid), Dänemark und in die Schweiz. Doch was wird nun aus dem Wattener Familien-Idyll? „Ehrenamtlichkeit bleibt ein Baustein“, hält Langes am Mythos des Dorfvereins fest.

Alles steht und fällt mit dem Match in Horn, in dem Coach Silberberger „felsenfest von einem souveränen Sieg“ ausgeht. Seiner Meinung nach kann nur ein Mann die Wattener Avancen vereiteln: Miroslav Miloševic. Aber das hieß es zuletzt auch von Lustenaus Ronivaldo, der am Mittwoch nicht zum Stich kam …