Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.06.2019


EM-Quali

Ohne Alaba muss für das ÖFB-Team in Skopje der nächste Schritt folgen

Nach dem 1:0-Erfolg gegen Slowenien reist Österreich selbstbewusst, aber ohne den verletzten David Alaba nach Nordmazedonien

Einer der Stärksten aus der Salzburg-Connection: Xaver Schlager arbeitete unermüdlich.

© gepaEiner der Stärksten aus der Salzburg-Connection: Xaver Schlager arbeitete unermüdlich.



Aus Klagenfurt: Tobias Waidhofer

Klagenfurt — Wenn man die Gefühlslage im ÖFB-Team nach dem 1:0-Erfolg über Slowenien mit einem Adjektiv beschreiben wollte, kam man am Wort „erleichtert" nicht vorbei. „Es war für uns alle ein sehr wichtiger Erfolg", formulierte es Sportdirektor Peter Schöttel. „Klar war es eine schwierige Situation, aber ich habe den Spielern gesagt, dass man mit solchen Situationen oft konfrontiert wird", gestand auch Teamchef Franco Foda einen gewissen Druck ein.

Das war aber, bevor die rot-weiß-roten Verantwortlichen jene Hiobsbotschaft erreichte, die sie in den vergangenen Monaten so häufig vernehmen mussten: David Alaba ist verletzt, verlässt das ÖFB-Camp und steigt heute nicht in den Flieger Richtung Skopje. Diesmal ist es eine Muskelfaserverletzung im Oberschenkel, die den sechsfachen Fußballer des Jahres zum Nichtstun zwingt. Schon nach dem verlorenen Auftakt im März gegen Polen (0:1) musste Alaba für die folgende Partie in Israel (2:4) wegen muskulärer Probleme passen. Im vergangenen Oktober fehlte er wegen eines Muskelfaserrisses im rechten Oberschenkel. Insgesamt hat Alaba in den vergangenen 17 Länderspielen siebenmal gefehlt.

Und der Bayern-Legionär ist nicht das einzige Sorgenkind: Um den Einsatz von Martin Hinteregger bangt Teamchef Foda wegen Rippenproblemen. Dabei hatte sich der Frankfurter gemeinsam mit Abwehr-Kollegen Aleksandar Dragovic am Freitag bärenstark präsentiert: „Sie waren sehr stabil und der Hauptgrund, warum die Slowenen kaum zu Chancen kamen", lobte Sportdirektor Schöttel.

Ganz allgemein fand Foda: „Wir haben das Spiel dominiert und hatten schon in der ersten Hälfte zwei, drei Möglichkeiten, um in Führung zu gehen." Als in der zweiten Hälfte dann allerdings Sand ins ÖFB-Getriebe geriet, bewies der Teamchef ein goldenes Händchen: Drei Minuten, nachdem er Guido Burgstaller eingewechselt hatte, erzielte der Schalke-Profi das entscheidende Tor, das trotz einer großen slowenischen Kopfball-Chance im Finish zum Sieg reichte. „Insgesamt hat die Mannschaft eine tolle Reaktion gezeigt und ein schwieriges Spiel gewonnen", resümierte Foda.

Der größte Name im ÖFB-Team fehlt in Nordmazedonien: David Alaba (Bild) hat sich eine Muskelfaserverletzung zugezogen.
Der größte Name im ÖFB-Team fehlt in Nordmazedonien: David Alaba (Bild) hat sich eine Muskelfaserverletzung zugezogen.
- APA

Auch weil die Bullen-Connection — insgesamt standen sieben Akteure mit Salzburger Gegenwart oder Vergangenheit in der Startelf — mit ihrem aggressiven Spielstil der Mannschaft guttun sollte. „Sie sind wie Geistesgestörte auf- und abgelaufen", meinte Marko Arnautovic, angesprochen auf die Mittelfeldzentrale mit Debütant Konrad Laimer und Xaver Schlager, die sich beide viel Lob abholten. Ein Mittelfeld-Duo, das schon vor über zehn Jahren im Salzburger Nachwuchs zusammenspielte. „Dass sie sich ewig kennen, war natürlich gut. Aber wenn man sich die Entwicklung ansieht, war mir auch im Vorfeld überhaupt nicht bange", meinte Schöttel zur Leistung des Duos.

Bei aller Erleichterung wartet der wahre Test aber erst am Pfingstmontag (20.45 Uhr, live ORF eins) in Skopje gegen Nordmazedonien. Denn die ÖFB-Elf gilt nicht unbedingt als Auswärtsspezialist. Zuletzt setzte es in Israel (2:4) und Dänemark (0:2) zwei Niederlagen in Folge. In der Nations League gewann man zwar in Nordirland (2:1), musste sich aber in Bosnien (0:1) geschlagen geben. „Nordmazedonien hat ein ähnliches Niveau wie Slowenien und spielt daheim. Aber wir gehen davon aus, dass wir fußballerisch besser sind. Dieses Selbstverständnis müssen wir haben", meint Schöttel. Auch Marko Arnautovic fordert: „Wir wollen uns für die EM qualifizieren und da reichen drei Punkte nicht", warnte der 30-Jährige.

Der (Sieg-)Druck für die ÖFB-Truppe wird trotz des „Dreiers" gegen die Slowenen nicht geringer. Und das ohne David Alaba. Von den vergangenen sieben Matches ohne den Bayern-Star wurden übrigens fünf gewonnen, die jüngsten zwei allerdings verloren ...