Letztes Update am Do, 18.07.2019 12:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Uniqa ÖFB-Cup

Kitzbühel-Coach Baur: „Ich sehe mich als Trainer nie im Mittelpunkt“

Mit Neo-Coach Michael Baur lädt der FC Kitzbühel am Freitag (19.00 Uhr) den FC Wacker Innsbruck zum ÖFB-Cupderby. Der „Much“ zeigt sich gelassen.

Der Fußball kennt keine Grenzen: Drei junge Talente aus Mali – von links: Mohamed Camara, Mamadou Diakité, Mahamadou Karakodio – tanzen beim FC Kitzbühel nach der Pfeife von Coach Michael Baur.

© www.muehlanger.atDer Fußball kennt keine Grenzen: Drei junge Talente aus Mali – von links: Mohamed Camara, Mamadou Diakité, Mahamadou Karakodio – tanzen beim FC Kitzbühel nach der Pfeife von Coach Michael Baur.



Von Alex Gruber

Kitzbühel – Aufgewärmt ist bekanntlich nur ein Gulasch gut. Deswegen hegt Michael Baur kaum einen Gedanken daran, was in seiner Trainerkarriere – zwischenzeitlich saß er in der Bundesliga ja auch in Grödig auf der Bank – hätte sein können. Dass rund um seinen Namen und ein etwaiges Engagement beim FC Wacker Innsbruck auch die ein oder andere Unwahrheit gefallen sei, lässt er ebenso außen vor: „Ich will nicht nachhaken und das interessiert auch keinen mehr. Man muss im Jetzt leben. Das gilt ja auch für die Spieler – denn was hilft es beispielsweise einem Stürmer, wenn er fünf Minuten einer vergebenen Torchance nachtrauert und nur zwei Minuten später schon die nächste hat …“

Mehr Erfahrung als der 45-fache ÖFB-Internationale und vierfache österreichische Meister mit dem FC Tirol, der noch mit knapp 40 Jahren in der Abwehrzentrale in der Bundesliga (Pasching/LASK) seinen Mann stand, hat, haben auf Tiroler Boden nur ganz wenige vorzuweisen. Wer Baur, den „Much“, kennt, weiß, dass der aber selten das „Ich“ strapaziert. Und deswegen stellt er auch vor dem ÖFB-Cupderby gegen den FC Wacker klar: „Ich habe mich als Trainer bei meinen Stationen nie als Mittelpunkt gesehen und werde das auch nie tun. Das Wichtigste ist immer die Mannschaft. Dem Trainer kommt die Aufgabe zu, dem Team Lösungen anzubieten. Aber entscheidend ist immer die Mannschaft.“

Ein Blick auf den neuen Kader der Gamsstädter, wo Baur nach Anif auch ein weiteres Mal seinen Sohn Raul („Außerhalb des Platzes halten wir Gespräche über Fußball weitgehend fern“) unter seinen Fittichen hat, nimmt sich spannend aus. Nicht nur wegen der drei jungen Männer aus Mali (Mohamed Camar­a, Mamadou Diakité, Mahamadou Karakodio), die Zweier-Coach und Baurs verlängerter Arm Sean Caldwell vermittelt hat. Als französischer Dolmetscher steht Paul Romain Bangweni zur Verfügung, der sich selbst um einen Transfer zum FC Kitzbühel bemüht hat. „Nach dem Abgang von Hartl habe wir einen kopfballstarken Innenverteidiger benötigt“, weiß Baur, der selbst im „Luftraum“ zuhause war.

Einen „Matchplan“ für die Partie gegen den FC Wacker wird Baur mit Sicherheit in seiner Schublade haben. Aber eines steht für ihn auch felsenfest: „Zauberer gibt es auf der ganzen Welt keinen. Denn selbst der Pep (Guar­diola) holt sich zu einem Topklub wie Manchester Cit­y immer wieder Topspieler.“

Der FC Kitz baut sein Projekt in dieser Saison nach einigen namhaften Abgängen (neben Hartl noch Boakye, Wörgetter, Hölzl …) indes auch auf viele jüngere Akteure (z. B. Sebastian und Max Gruber) auf. „Ich bin bestrebt, jungen Spielern weiterzuhelfen. Denn keiner von uns ist fehlerfrei. Es heißt daraus lernen und besser machen“, notiert Baur, ehe man am Freitag im Cup den klaren Favoriten aus Innsbruck ärgern will – mit der positiven Lust am Spiel, die ihn selbst seit Jahrzehnten begleitet.