Letztes Update am Di, 23.07.2019 14:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Silberberger startet mit WSG Tirol in die Bundesliga: „Erzähle keine Landler“

Authentisch, bodenständig und mit gewohnt gutem Humor – „Bauernbua“ Thomas Silberberger, Coach von Aufsteiger WSG Swarovski Tirol, blickt dem Bundesliga-Auftakt in konzentrierter Gelassenheit entgegen.

Lächelt vor den Wattener Kristallwelten dem Bundesliga-Auftakt entgegen – WSG-Swarovski-Tirol-Coach Thommy Silberberger will der Konkurrenz bald die „Zunge“ zeigen.

© Foto TT/Rudy De MoorLächelt vor den Wattener Kristallwelten dem Bundesliga-Auftakt entgegen – WSG-Swarovski-Tirol-Coach Thommy Silberberger will der Konkurrenz bald die „Zunge“ zeigen.



Die Pflicht im ÖFB-Cup wurde erfüllt, am Samstag (17 Uhr) gegen Austria Wien geht es nach 48 Jahren wieder in der Bundesliga los. Spürt man die Vorfreude in Wattens?

Silberberger: In der Gemeinde spüre ich wenig, da ich ja selten in der Gemeinde bin. Wenn man in Tirol Leute trifft, wird man darauf angesprochen. Auch bei den Cup-Spielen in Kufstein und Schwaz haben mich die Leute angeredet. Es ist jeder gespannt.

Sie bezeichnen sich selbst oft als „Bauernbua aus Wörgl“. Dieser „Bua“ sitzt jetzt auf der Bundesliga-Trainerbank …

Silberberger: Ich hatte zwei Kindheitsträume. Erstens Bundesliga-Spieler zu werden, das hab’ ich erfüllt. Der zweite Wunsch war, Bundesliga-Trainer zu sein. Mit 13 Jahren sind wir immer ins Tivolistadion – 20 Schilling hat die Kinderkarte damals gekostet – und haben dem Hansi Müller zugeschaut. Das war für mich immer ein Ziel, dorthin zu kommen. Das heißt jetzt aber nicht, dass mir die Ziele ausgehen.

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Mit welchen Attributen konnten Sie sich diese Träume erfüllen?

Silberberger: Ehrlichkeit, Arbeit und Durchhaltevermögen. Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, ohne netzwerken zu müssen. Ich bin nicht zu einem Profiklub geholt worden, sondern habe den Verein von der Regionalliga in die Bundesliga geführt.

Sie waren sechs Jahre beim FC Kufstein, sind jetzt schon sechs Jahre in Wattens. Warum funktionieren Sie als Langzeittrainer?

Silberberger: Ich erzähle keine „Landler“ und habe immer darauf hingewiesen, was unsere Ziele sind. Der Verein hat in langfristigen Dekaden gedacht und mich gefragt: Was brauchen wir dafür? Mich zeichnet aus, dass ich keine Luftschlösser für irgendeinen Vorstand baue, sondern sage: Das und das ist möglich. Gott sei Dank habe ich einen Verein, wo Wert auf meine Meinung gelegt wird.

Viele träumen schon wieder von Sternspritzern, Sierra Madre und FC Tirol. Am Anfang wird die WSG Tirol aber kleinere Brötchen backen müssen.

Silberberger: Sicher. Es ist gefährlich, sich über einen Tabellenplatz zu definieren. Unsere Zielsetzung muss der bestmögliche Erfolg sein. Das hat immer gut geklappt. Heuer werden wir in der Liga bleiben. Wir wissen nicht, wie spannend oder eng es werden wird. Aber Fakt ist, am Ende des Tages wollen und werden wir in der Bundesliga bleiben.

Steckbrief Thomas Silberberger

geboren am 3. Juni 1973;

Sohn Maximilian (17).

Stationen als Spieler: FC Tirol (1993–96), GAK (1996–97), SV Wörgl (1997–2000 und 2001–05), SV Austria Salzburg (2000–01), FC Kufstein (2005–2010).

Erfolge als Profi-Spieler: ÖFB-Cupsieger mit dem FC Tirol 1993, Spieler des Jahres Erste Division 2000.

Erfolge als Trainer: FC Kufstein: 3-mal TFV-Cupsieger (2010, 2012, 2013); WSG Wattens: Meister Regionalliga West 2016, Meister 2. Bundesliga 2019 und Trainer des Jahres, 2-mal Sieger TFV-Cup (2014 und 2016).

Darf man beim Klassenerhalt dann die Sternspritzer auspacken?

Silberberger: Ich bin kein Feierbiest und keiner, der gerne in der Öffentlichkeit feiert – davon bin ich Lichtjahre entfernt. Ich kann im Stillen genießen. Wenn einer meint, er will Sternspritzer abfackeln, soll er es gerne machen.

Wie kann man die Leute ins Stadion locken?

Silberberger: Das geht nur mit Erfolg. Wenn du noch so einen Blödsinn spielst, aber Tabellenführer bist, hast du 10.000 Leute im Stadion. Wenn du nicht erfolgreich bist und schön spielst, ist das Stadion leer. Wenn wir in der Bundesliga die ersten sechs Spiele gewinnen, tragen sie mich mit der Sänfte durch Wattens und ich bin Bürgermeisterkandidat. Wenn wir super spielen, aber sechs Mal verlieren, dann tragen sie mich auch mit der Sänfte durch Wattens – allerdings geteert und gefedert – und geben mich vor dem Ortsschild ab.

Warum kann Wattens in der Bundesliga bestehen?

Silberberger: Weil wir mit Ruhe arbeiten, auch in schwierigen Zeiten. Ich vergleiche gern Hartberg und den FC Wacker. Hartberg hat in der vergangenen Saison 14-mal in Serie nicht gewonnen, ich hab’ nicht einmal gelesen, dass dort Feuer am Dach ist und Markus Schopp in Frage gestellt wird. In Innsbruck war das wöchentlich der Fall. Das haben wir mit Sicherheit nicht. Es gab auch keinen Aufschrei, als wir im Herbst Zweiter waren. Ich bin vorangegangen und habe gesagt: Wir schaffen das. Wir sind nie in Panik verfallen.

Wird das auch in der Bundesliga so bleiben?

Silberberger: Wir haben eine Vorstandssitzung, wo ich den sportlichen Ablauf präsentiere. Aktuell haben wir eine Mannschaft, die in der Liga bleibt, davon bin ich felsenfest überzeugt. Wir werden aber auch zu Auswärtsspielen fahren, wo wir am Ende des Tages sagen werden: „Heute waren wir chancenlos.“ Vor drei Jahren sind wir in der 2. Liga beim LASK und in Lustenau 0:4 untergegangen. So etwas kann uns auch in der Bundesliga beispielsweise bei Rapid wieder passieren. Davor warne ich. Aber das ändert nichts an unserer Zielsetzung, wir müssen uns herantasten. Das haben wir auch in der 2. Liga gemacht. Jetzt steht der Verein wieder vor einem Riesen-Entwicklungsschritt.

Es geht auch auf der Trainerbank um Fach- und Sozialkompetenz.

Silberberger: Die Sozialkompetenz ist fast wichtiger. Da habe ich mit Sicherheit meine Stärken. Ich war selbst Spieler in der 2. Liga und bin nach 40 Stunden Arbeit auf den Fußballplatz gekommen. Dabei habe ich mich oft ungerecht behandelt gefühlt. Ich kann mich in die Spieler hineinversetzen. Gott sei Dank erkenne ich es, wenn ein Spieler mental eine Auszeit braucht. So fahre ich sehr, sehr gut.

An welchen Klubs kann sich die WSG Tirol in der Bundesliga orientieren?

Silberberger: Wir können uns auf Augenhöhe mit Teams wie Mattersburg, Admira, Hartberg und ich glaube auch St. Pölten messen. Einer der Großen könnte im unteren Play-off ebenfalls überraschenderweise eine Rolle spielen, so wie letztes Jahr Rapid. Auch die Doppelbelastung beim WAC wird interessant.

Zuletzt tauchten ja rund um Peter Stöger Gerüchte im Zusammenhang mit einem Engagement in Wattens auf. Wie gehen Sie mit solchen Meldungen um?

Silberberger: Ich bin bei jeder Vorstandssitzung dabei, weiß Bescheid und habe ein vernünftiges Mitspracherecht. Es werden noch andere Gerüchte und Namen folgen. Das sehe ich ganz entspannt.

Sehen Sie die Bundesliga auch als Bühne für Sie persönlich?

Silberberger: Die Aufstiegstrainer in Liga zwei seit 2010 hießen zweimal Karl Daxbacher, Oliver Glasner, Adi Hütter, Damir Canadi, Didi Kühbauer, Ivica Vastic und Nenad Bjelica. Da bin ich also in einer erlesenen Runde dabei.

Ist es ein Nachteil, dass im Tivolistadion nur das Abschlusstraining absolviert werden kann?

Silberberger: Nein, das war in Wattens auch nicht anders.

Aber dafür wird der Druck in der Bundesliga ein ganz anderer sein?

Silberberger: Ich bin keiner, der bei Druck seine Persönlichkeit verändert. Außerdem bin ich am liebsten zuhause und einer von dem Schlag, der nicht glücklich ist, wenn er den Kirchturm nicht sieht.

Das Gespräch führten Alex Gruber und Tobias Waidhofer