Letztes Update am Di, 13.08.2019 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Experten lassen WSG-Tormann „Ferdl“ Oswald kalt

Beim 1:1 gegen St. Pölten glänzte Ferdinand Oswald, Goalie der WSG Swarovski Tirol, mit höherer Reife. Der „Ferdl“ hält, was er kann, und sagt, was er denkt.

Seit 2014 ununterbrochen Rückhalt im Dress der WSG: Ferdl Oswald punktet mit Paraden und klaren Ansagen.

© gepaSeit 2014 ununterbrochen Rückhalt im Dress der WSG: Ferdl Oswald punktet mit Paraden und klaren Ansagen.



Von Alex Gruber

Innsbruck, Wattens – Nicht wenige zweifelten daran, ob die WSG wirklich mit Ferdinand Oswald in die Bundesliga gehen kann. Nach drei Runden, vier Punkten und zwei bärenstarken Leistungen des 28-jährigen Schlussmanns gegen St. Pölten und zuvor schon in Altach hat der „Ferdl“ die Antwort am Rasen gegeben. „Ich habe im Verein immer das Vertrauen gespürt, egal, was passiert. Und die so genannten Experten sollen mir den Buckel runterrutschen“, diktiert der Bayer.

Ob das Match gegen die Niederösterreicher mit zahlreichen Glanztaten, beginnend mit einem gehaltenen Elfmeter, eines seiner besten in der Karriere gewesen sei, beantwortet er gewohnt trocken: „Das kann schon sein. Aber so ganz genau weiß ich es nicht. Ich habe ja doch schon ein paar Jahre am Buckel.“ Und viele davon im Dress der Wattener: Nach seinem Wechsel im Sommer 2011 in die Kristallgemeinde wagte Oswald zwar noch einmal den Sprung zurück nach Deutschland (2012–2014 bei Schalke), kehrte dann aber doch wieder nach Wattens heim, um als einer von drei Spielern (weiters Benni Pranter und Florian Toplitsch) den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga zu feiern.

„Ich bin megastolz auf das, was wir mit diesem Verein erreicht haben. Aber das soll noch nicht das Ende sein“, stellt er fest. Den Klassenerhalt will er in dieser Saison erst einmal festhalten. Warum es auf deutschem Boden nicht zum großen Wurf gereicht hat, beantwortet ein täglicher Blick in den Spiegel. „Ich bin nur 1,83 (m) und für die deutsche Bundesliga zu klein. Viele Clubs fangen erst ab 1,87 zu suchen an. Und außerdem war ich damals noch nicht so weit, wie ich es jetzt bin.“

Oswald ist keiner, der das Bad in der Menge braucht. Außer es dreht sich um seine drei Kinder Larissa (6), Theresa (3) und Raphael (1,5). Da beginnen die Augen zu leuchten: „Frei in dem Sinn habe ich selten. Aber ich bin froh, dass es so ist und ich so viel Zeit mit ihnen verbringen kann“, weiß er den Job als Fußballprofi zu schätzen. Das „Ich“ schrieb er aber auch gestern in der Nachbetrachtung der St. Pölten-Partie kleiner als das „Wir“: „Mir ist der Erfolg der Mannschaft viel wichtiger als der eigene.“

Die (neue) Torwartschule mit Goalies als zwölftem Feldspieler ist ihm, der früher Buffon (Juve) und heute gerne ter Stegen (Barça) beobachtet, nicht entgangen. Jetzt lässt sich das Spiel beim Abstoß ja sogar mit Flachpassspiel im eigenen Sechzehner eröffnen. Einmal probierte es Oswald gegen St. Pölten (mit Hager) aus: „Eine Frage, ob es das Risiko wert ist.“ Denn? „Tormänner müssen nicht der neue Zehner sein. Unser erster Job ist es, Bälle zu halten und Tore zu verhindern.“ Klar, glasklar – so wie Ferdl Oswald eben tickt und spricht.