Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Bundesliga

WSG gegen die “Bullen“: Ein Spiel der großen Gegensätze

Aufsteiger gegen Serienmeister: WSG Swarovski Tirol empfängt heute (17 Uhr, live auf Sky und im TT.com-Liveticker) im Tivolistadion. Red Bull Salzburg. „Wir haben keine Chance, aber die wollen wir nutzen“, sagt Trainer Thomas Silberberger.

Ein Spiel der Gegensätze erwartet die Fans heute am Tivoli.

© Vanessa Rachle / TTEin Spiel der Gegensätze erwartet die Fans heute am Tivoli.



Von Tobias Waidhofer

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Wattens – Das Match zwischen dem Tiroler Aufsteiger WSG Swarovski Tirol und Serien-Meister RB Salzburg heute (17 Uhr, live Sky) im Tivolistadion ist selbst auf Plüschtierebene ein ungleiches Duell: „Schwatty der Schwan“ – das allseits beliebte Maskottchen der WSG Tirol – hat auf Instagram 104 Follower. Sein Salzburger Pendant „Bullidibumm“ weist mit 448 Fans mehr als viermal so viele auf.

Es sind aber vor allem die sportlichen Zahlenspiele, die den Tirolern die Rolle eines (fast) aussichtslosen Außenseiters zuspielen: Da wäre zum einen der Marktwert des Kaders (Quelle: transfermarkt.at): Glaubt man den Schätzungen des Fußball-Portals, ist das Tiroler Team 5,73 Millionen Euro wert, demgegenüber steht ein Salzburger Kader mit einem Wert von 82,30 Millionen Euro. Durchschnittlich bringt ein Wattener Spieler also 229.000 Euro, während ein Salzburger um 3,05 Millionen Euro zu haben ist. Als wertvollster Wattener Spieler gilt Benni Pranter, dem ein Marktwert von 350.000 Euro attestiert wird. Man bräuchte aber schon knapp 34 Pranters, um einen Dominik Szoboszlai zu bekommen – denn das ungarische Juwel, das im Sommer auch vom FC Arsenal umgarnt wurde, hält einen Transferwert von zwölf Millionen Euro.

Zahlen, die aus Respekt schnell Ehrfurcht machen könnten. „Nein, genau das sind die Spiele, für die man als ein Fußballprofi lebt“, spricht aus Abwehrspieler Stefan Hager auch eine breite Brust.

Für Trainer Thomas Silberberger ähnelt das Match einem Zahnarztbesuch: „Keiner geht gerne hin, weil es meistens wehtut. Wenn der Zahnarzt wider Erwarten nicht bohrt, geht man aber ziemlich glücklich nach Hause.“ Viel treffender kann man ein Match gegen den Serienmeister und Champions-League-Teilnehmer wohl kaum beschreiben.

Auch wenn die Salzburger Truppe mit einem Durchschnittsalter von 23,6 Jahren einen jungen Anstrich aufweist, von Talenten, die noch grün hinter den Ohren sind, kann keine Rede sein. Insgesamt haben die Bullen zwölf A-Nationalspieler in ihren Reihen, dazu kommen 17 Nachwuchs-Teamspieler. Zumindest solche kann die WSG (Durchschnittsalter 27,3 Jahre) neuerdings ebenfalls aufweisen: Julian Gölles und Michael Svoboda (der heute mit seiner Zweikampfstärke eine Schlüsselrolle einnehmen könnte) wurden von Werner Gregoritsch erstmals für das U21-Nationalteam nominiert. Und auch was die Legionäre betrifft, blicken die Tiroler (9) gegenüber Salzburg (21) in die Röhre.

Einmal hat die WSG die Sensation gegen Salzburg schon geschafft – allerdings nur in einem Testspiel: 2:1 gewann der damalige Zweitligist im Sommer 2017 in Mondsee durch einen Doppelpack von Simon Zangerl.

Um ein weiteres Zahlenspiel zu finden, das der WSG einen Vorteil ausweist, muss man schon ziemlich kreativ werden: Man findet es schlussendlich auf der Trainerbank – denn Thomas Silberberger weist in seiner Karriere einen Punkteschnitt von 1,79 Zählern pro Partie auf, sein Salzburger Pendant Jesse Marsch kommt dagegen nur auf einen Wert von 1,65.

Allen Statistiken, Daten und Zahlen zum Trotz fallen die Entscheidungen indes immer noch in Sekundenbruchteilen am grünen Rasen. Und dort sind Sensationen und Überraschungen bekanntlich nicht unbedingt unüblich ...

Bullen-Sturm auf die Festung Tivoli

Fünf Bundesligaspiele fanden in dieser Saison schon in Innsbruck statt, bislang blieb die WSG Tirol (3:1/Austria, 1:1/St. Pölten) ebenso ungeschlagen wie der FC Wacker (1:0/Dornbirn, 2:1/OÖ Juniors und 2:1/Amstetten). Heute muss sich die Festung Tivoli auf einen Sturm ganz besonderer Offensivkraft einstellen. Die Bullen scharren schon mit den Hufen und wollen ihren unglaublichen Torschnitt in der tipico Bundesliga auch gegen den Aufsteiger aus Wattens prolongieren.

Zuletzt fertigte der Meister St. Pölten auswärts 6:0 ab und die Admira wurde in der RB-Arena 5:0 geschlagen. Was WSG-Coach Thomas Silberberger zur Kenntnis nimmt, fußballspezifisch „sezierte" und worauf er seinen Plan abstimmte, den er seinen Kickern in der Trainingswoche förmlich intravenös injiziert hat. Keine Spur von Größenwahn, sondern eine gesunde Portion Selbstvertrauen, ohne die im Fußball ohnehin nichts läuft. Wohlwissend, dass man sich gegen diese Bullen auch eine saftige Watsch'n einfangen kann.

Vergangene Saison dauerte es übrigens bis zur elften Runde, ehe der nationale Siegeslauf der Mozartstädter gestoppt wurde. Damals erkämpfte der FC Wacker auswärts ein 1:1. Vielleicht ein gutes Omen für den euphorisierten Tiroler Aufsteiger, der das Westderby als „Bonusspiel" nimmt.

Für die Salzburger ist es die erste Partie seit Bekanntwerden der Champions-League-Gegner. Trotz bevorstehender Duelle mit Liverpool, Napoli und Genk will man auch in der Liga zu 100 Prozent fokussiert bleiben. „Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir dürfen in der Meisterschaft nicht lockerlassen und werden wie in den letzten Spielen auftreten", versprach Kapitän Andreas Ulmer der WSG einen heißen Kampf. (w.m.)




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