Letztes Update am Di, 17.09.2019 10:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Champions League

„Wir wissen genau, was wir wollen“: Salzburg schürt das Feuer

Mit einem 7:2-Kantersieg gegen Hartberg schoss sich Red Bull Salzburg für die Premiere in der Champions League warm. Die Bullen erwarten am Dienstag (21 Uhr) KRC Genk.

Nach der Europa League garantiert die Champions League noch mehr große Gefühle in der Salzburger Red Bull Arena.

© gepaNach der Europa League garantiert die Champions League noch mehr große Gefühle in der Salzburger Red Bull Arena.



Salzburg – Die Quali-Flops – insgesamt elf an der Zahl mit dem legendären gegen den FC Düdelingen (LUX) – sind Geschichte. Als überlegener Meister der Vorsaison und überragender Tabellenführer in der neuen Spielzeit der heimischen Bundesliga mit sieben Siegen in Serie tritt Red Bull Salzburg mit breiter Brust den Weg in die europäische Königsklasse an.

Die Bullen scheinen reif dafür, auch in der Champions League für Furore zu sorgen. Vielleicht so, wie es einst die legendäre Truppe von Sturm Graz unter Trainerlegende Ivica Osim tat – 2000/01 stiegen die Blackys als Gruppensieger in die K.-o.-Runde auf. Die „Steirermen“ spielten zur Jahrtausendwende (1998/99, 1999/2000 und 2000/01) dreimal in Serie in der Belle Etage vor, Rapid (1996/97, 2005/06) und die Austria (2013/14) waren auch dabei. Und für die Salzburger Traditionalisten, für die sich der Fußball aus der Dose immer noch fremd anfühlt, sind auch ein paar Erinnerungen dabei: Vor 25 Jahren (1994/95) lief Austria Salzburg im Konzert der Großen auf. Die Bilanz österreichischer Clubs ist nach 48 Partien mit neun Siegen und neun Unentschieden bei 30 Niederlagen klar negativ.

Zweifel wischt man aber am besten mit konstanten Leistungen vom Tisch. Denn wer bitte hätte den Bullen aus Salzburg nach so vielen namhaften Abgängen in den vergangenen Jahren einen Rekord in der Europa League nach dem anderen zugetraut? In der Vorsaison nahmen Andreas Ulmer und Co. zum achten Mal am zweitwichtigsten Europacupbewerb teil, konnten mit den meisten Punkten und meisten Toren in der Gruppenphase auftrumpfen. Viele, auch aus Tirol, zog es nicht nur bei Highlights gegen Dortmund, Napoli oder Marseille in die Red Bull Arena. Eben dorthin, wo sich in diesem Sommer Weltklasse-Teams wie Real Madrid und der FC Chelsea zu Testspielen wiederfanden.

Was hat Salzburg um den erst 19-jährigen norwegischen Sturmtank Erling Braut Haaland, der bei elf Bundesliga-Treffern hält, in einer Gruppe mit Genk, Titelverteidiger FC Liverpool und dem SSC Napoli drauf? Die Kraft zu marschieren, ist bei Zlatko Junuzovic und Kollegen sicher vorhanden. Obwohl vor dieser Saison und nach dem Trainerwechsel – der Amerikaner Jesse Marsch kam für Marco Rose – einige den Stern der Bullen schon sinken sahen. Die DNA ist trotz zahlreicher Abgänge aber in Salzburg geblieben.

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„Wir sind nie zufrieden. Wir wollen immer mehr. Wir können das Tempo mitgehen. Bei uns gibt es kein Abschalten“, diktiert Routinier Junuzovic und fiebert auch seiner eigenen Premiere in der Champions League entgegen. Wie hungrig der Serienmeister aus der Mozartstadt ist, konnte gerade Hartberg-Coach Markus Schopp notieren: „Die Mannschaft ist sehr hungrig, sie brennt und agiert mit einer Leichtigkeit. Und wenn eine Mannschaft brennt, ist alles möglich.“ Das weiß Schopp, der unter Osim agierte, aus eigener Erfahrung.

So groß die Euphorie nach den „Spaziergängen“ in der heimischen Liga sein darf, so klar ist das Bewusstsein, dass jetzt auf europäischer Bühne ganz andere Kaliber warten. „Wir müssen sehr realistisch sein und bleiben, denn es wartet ein richtig harter Gegner“, sagt Marsch mit Blick auf Genk. Neben den Salzburg-Fans freuen sich auch „neu­trale“ Fußball-Österreicher auf den Startschuss. (lex, APA)

„Wir wissen genau, was wir wollen“

Mit einer Bergtour in Leogang bereitete sich Salzburgs Sportchef Christoph Freund auf den „Gipfelsturm“ in der Champions League vor.

Ihr Vertrag wurde kürzlich bis 2023 verlängert. Was bedeutet Ihnen das?

Christoph Freund: Ich freue mich sehr, weil es richtig Spaß macht, bei diesem Verein mit dem Staff und der Mannschaft zu arbeiten. Wir erleben eine ganz besondere Zeit. Der langfristige Vertrag ist ein Vertrauensbeweis.

War diese tolle Entwicklung absehbar?

Freund: Wir wissen genau, was wir wollen – welche Spieler und Trainer. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Dass man dann so erfolgreich ist, kann man natürlich nicht eins zu eins planen.

Wie findet man ein Sturmjuwel wie den 19-jährigen Haaland, der angeblich auch ein Angebot von einem Topklub aus Manchester hatte?

Freund: Wir suchen den Markt weltweit nach Spielern in diesem Alter (16 bis 19 Jahre) ab und zeigen ihnen dann auf, dass sie bei uns mit internationalen Einsätzen den nächsten Karriereschritt setzen können. Die Vergangenheit ist in dieser Hinsicht ja reich an positiven Beispielen.

Wie gut fühlt sich die erstmalige Champions-League-Teilnahme jetzt an?

Freund: Wir haben uns das über die Fünfjahreswertung (Österreichs Meister erhielt über den UEFA-Koeffizienten einen Fixplatz, Anm.) wohl auf dem fairsten Weg erarbeitet. Die Vorfreude ist riesengroß.

Darf man in dieser schweren Gruppe mit Liverpool, Napoli und Genk von einem Platz unter den ersten zwei und dem Aufstieg in die K.-o.-Runde träumen?

Freund: Wir wollen im Frühjahr international noch dabei sein (der Dritte steigt in die Europa League um, Anm.). Jetzt geht es einmal mehr darum, gut zu performen.

Das Interview führte Alex Gruber