Letztes Update am Do, 10.10.2019 08:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EM-Quali

ÖFB-Team Favorit gegen Israel: In Summe muss ein Sieg aufscheinen

Das Heimspiel gegen Israel duldet heute (20.45 Uhr/TT.com-Live-Ticker) auf Seiten des ÖFB-Teams keine halben Sachen. Schließlich soll sich der Druck vor dem schweren Gang nach Slowenien (Sonntag) nicht weiter erhöhen.

Gut gelaunt beim Abschlusstraining: Die ÖFB-Stürmer Marko Arnautovic und Lukas Hinterseer.

© gepaGut gelaunt beim Abschlusstraining: Die ÖFB-Stürmer Marko Arnautovic und Lukas Hinterseer.



Von Alex Gruber

Wien – Die These „Israel muss (gewinnen), Österreich kann“ hält der Ausgangslage vier Runden vor Ende der EM-Qualifikation nicht stand. Weil keiner weiß, was heute Slowenie­n und Polen machen. Dass die Gäste nur bei einem „Dreie­r“ im Happel-Stadion im Rennen um einen der ersten beiden Plätze und somit die EM-Endrunde 2020 bleiben, mag stimmen. Dass Österreich mit dem leichteren Restprogramm (Nordmazedonien und Lettland) möglicherweise aber auch schon ein Remis bei einem Sieg am Sonntag in Laibach reichen könnte, ist ein Spiel mit dem Feuer. Und mit dem spielte die rot-weiß-rote Auswahl schon zu Beginn der Gruppe G mehr als genug. Vor allem, als auf die unglückliche 0:1-Heimniederlage gegen Polen im März eine 2:4-Pleite in Israel folgte. Hohn und Spott brachen über die Foda-Truppe herein, zehn Punkte brachten die ÖFB-Elf aber wieder zurück ins Geschäft.

R wie Revanche: Rache ist zweifelsohne süß. Nur darf man dabei nicht übersteuern. „Wir haben das Match in Israel nicht vergessen. Extramotivation brauchen wir aber keine. Wir müssen bei uns bleiben“, fordert Kapitän Julian Baumgartlinger ein. So bringt es auch Teamchef Franc­o Foda mit einem Satz auf den Punkt: „Wir müssen unsere Leistungen aus den letzten Spielen bestätigen. Das wird entscheidend sein, um zu gewinnen“, weiß der 53-jährige Deutsche, der sich mit Blick auf die Parallelspiele auf keine Rechenspiele einlassen will: „Israel muss das Spiel unbedingt gewinnen – aber wir auch.“

T wie Trainer(stab): Natürlich stehen wie schon beim ersten Match auch heute wieder Foda und sein Gegenüber Andreas Herzog im Fokus. Der ÖFB-Rekordinternationale musste auf Seiten der Israelis in der Vorbereitung auch mit einem hohen jüdischen Feier- und Fasttag („Jom Kippur“) leben. Dass die Entscheidung für die ÖFB-Bank auf Foda gefallen ist und er auch schon zuvor gleich mehrmals „abgelehnt“ wurde, hat er nach außen hin zu den Akten gelegt. Nun kommt der 51-Jährige erstmals als Cheftrainer eines Auswärtsteams in sein einstiges Wohnzimmer, das Ernst-Happel-Stadion in Wien. „Es ist ein spezieller Moment für mich, weil ich hier viele Spiele gespielt habe“, erklärte Herzog gestern. Die Emotionen dürfe er aber gar nicht auf sich zukommen lassen. „Ich muss wie die Spieler professionell sein, sonst habe ich einen schlechten Job gemacht. Wir sind hier um drei Punkte zu holen.“

Auswärts daheim: Israel-Teamchef Andreas Herzog kennt das Happel-Stadion wie seine Westentasche.
Auswärts daheim: Israel-Teamchef Andreas Herzog kennt das Happel-Stadion wie seine Westentasche.
- APA

A wie Ausfälle: Nach der Bänderverletzung von Stefan Lainer wird heute mit Stefan Posch als neuem Rechtsverteidiger kokettiert. Ein „schmerzabhängiges“ Bild über den Gesundheitszustand von David Alaba (Haarriss in der Rippe) und Konrad Laimer (Adduktorenprobleme) wollte sich Foda beim gestrigen Abschlusstraining, das beide nur teilweise mit der Mannschaft bestritten, machen. Risiko werde man keines eingehen, zumal ja immer noch die Hoffnung auf einen Einsatz am Sonntag beim nächsten Endspiel in Slowenien besteht. Ein Ausfall des pressingstarken Leipzig-Legionärs Laimer, der in den letzten Partien auch in die Rolle des Spielgestalters schlüpfte, wäre (fast) genauso bitter wie jener des Bayern-Stars. Laimers Teamkollege Stefan Ilsanker (Florian Grillitsch und Xaver Schlager fehlen ja auch verletzt) und Köln-Kicker Florian Kainz scheinen im defensiven Mittelfeld und Linksaußen als erste Optionen auf. Ganz egal, wer aufläuft, soll laut Foda („Wir haben unsere Pläne“) aggressiv nach vorne verteidigt werden und die Kugel erneut wie am Schnürchen laufen. Das ist jenes Selbstverständnis, das man sich in den letzten Monaten angeeignet hat.

T wie Torjäger: Nach dem schleichenden Karriereende von Marc Janko kann auf heimischer Seite derzeit nur Marko Ar­nautovic in diese Rolle schlüpfen. Mit sechs Quali-Toren zeigte der „Schanghai-Arnie“ ordentlich auf. Sein Pendant heißt Eran Zahavi, der seine Brötchen ebenfalls in China (Guang­zhou) verdient und ÖFB-Keeper Heinz Lindner im ersten Duell drei seiner bereits insgesamt neun Treffer eingeschenkt hatte. Große Gefahrenmomente seitens der Gäste gehen auch von WAC-Angreifer Shon Weissman (17 Pflichtspieltreffer in dieser Saison) oder Jungstar Manor Solomon (Schachtar Donezk) aus. Und wer einen wie Ex-Salzburg-Schützenkönig Munas Dabbur (wurde beim FC Sevilla noch nicht glücklich) von der Bank bringen kann, hat offensiv keine schlechten Argumente. Allein schon das sollte genügen, um zu wissen, dass der anvisierte Heimsieg alles andere als ein Selbstläufer wird.

G wie Gelbsucht: Neben Aleksandar Dragovic und Valentino Lazaro wäre auch Arnautovic bei einer weiteren gelben Karte von einer Sperre gegen Slowenien betroffen. Zurückziehen ist heute dennoch keine Option. Denn es wird für die ÖFB-Elf vermutlich nicht ganz so einfach, den fünffachen Kader-Gesamtmarktwert (ca. 244 Millionen gegenüber 48) auch als Ergebnis auf den Rasen zu bringen.

EM-Qualifikation - Gruppe G

Österreich - Israel 20.45 Uhr

Ernst Happel Stadion, SR Collum/Schottland

Österreich: Stankovic (Red Bull Salzburg, 2 Länderspiele) - Posch (1899 Hoffenheim, 2/0 Tore), Dragovic (Bayer Leverkusen, 76/1), Hinteregger (Eintracht Frankfurt, 42/3), Ulmer (Red Bull Salzburg, 14/0) - Baumgartlinger (Bayer Leverkusen, 70/1), Laimer (RB Leipzig, 4/1) - Lazaro (Inter Mailand, 25/2), Sabitzer (RB Leipzig, 39/6), Kainz (1. FC Köln, 15/0) - Arnautovic (Shanghai SIPG, 83/26)

Fraglich: Alaba (Bayern München, 71/13 - Haarriss in der Rippe), Laimer (RB Leipzig, 4/1 - Adduktorenprobleme)

Israel: Marciano (Hibernian Edinburgh, 13) - Dasa (Vitesse Arnheim, 21/0), Abd Elhamed (Celtic Glasgow, 3/0), Bitton (Celtic Glasgow, 23/2), Taha (Hapoel Beer Sheva, 9/0), Ben Harush (KSC Lokeren/BEL, 25/0) - Glazer (Maccabi Tel Aviv, 4/0), Natcho (Partizan Belgrad, 62/2), Solomon (Schachtar Donezk, 6/0) - Weissman (Wolfsberger AC, 1/0), Zahavi (Guangzhou R&F/CHN, 48/17)

Weitere Spiele:

Lettland - Polen (Riga, 20.45 Uhr)

Nordmazedonien - Slowenien (Skopje, 20.45 Uhr)