Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.11.2019


Champions League

Überwintern in der Königsklasse? Bullen auf den Spuren einer Kulttruppe

In Genk will der FC Salzburg heute (21 Uhr, live Sky) den zweiten Saisonsieg in der Champions League einfahren – schon ein Punkt würde für die Europa League reichen.

Salzburgs Hwang Hee-chan war beim 6:2-Hinspielsieg von Sébastien Dewaest (l.) nicht zu halten - das soll heute nicht anders sein.

© gepaSalzburgs Hwang Hee-chan war beim 6:2-Hinspielsieg von Sébastien Dewaest (l.) nicht zu halten - das soll heute nicht anders sein.



Salzburg, Genk – Erinnern Sie sich noch an Mario Haas, Tomislav Kocijan, Hannes Reinmayr oder Ivica Vastic? Das Quartett war Teil jener Sturm-Kulttruppe, die 2000 als bislang einzige österreichische Mannschaft in der Fußball-Königsklasse überwintern durfte. Genau auf diesen Spuren will 19 Jahre später Salzburg wandeln.

Dafür braucht Österreichs Meister heute (21 Uhr/live Sky) aber in Genk den zweiten Saisonsieg in der Königsklasse­. Schon mit einem Remis hätten sie Gruppenrang drei und den Umstieg in die Europa League sicher. Um als erstes ÖFB-Team seit Sturm Graz im Jahr 2000 in der Königsklasse zu überwintern, müsste­ Salzburg sowohl in Genk als auch zum Abschluss am 10. Dezember zu Hause gegen Liver­pool gewinnen. Zudem benötigt man Schützenhilfe von Napoli oder Genk. Holen die Italiener heute im Parallelspiel in Liverpool einen Punkt, hätten die „Bullen“ ihr Schicksal selbst in der Hand – und in der letzten Runde ein echtes „Endspiel“ gegen den Titelverteidiger.

Gewinnt Liverpool dagegen den Schlager der Gruppe E, müssten die Salzburger im Dezember auf einen Punktgewinn von Genk in Neapel hoffen, um im Erfolgsfall auf Kosten der Italiener den Aufstieg zu schaffen. „Wir verstehen die Situation. Es ist nicht ganz einfach“, erklärte Salzburg-Trainer Jesse Marsch. „Mit drei Punkten sind wir am Leben für die K.-o.-Phase. Ein Punkt ist auch wichtig, aber wir fliegen mit Aggressivität nach Genk und sind bereit für einen Sieg.“

Goalgetter Erling Haaland steht nach überstandenen Knieproblemen wieder zur Verfügung. „Er ist bereit, ganz sicher“, sagte Marsch. „Wir haben viel Offensivpower im Team, aber Erling ist ganz wichtig für uns.“ Ob es bereits für 90 Minuten reiche, ließ der US-Amerikaner offen. Selbst einen Joker-Einsatz des siebenfachen CL-Torschützen schloss er nicht aus. „Erlin­g auf der Bank zu haben, ist auch ein Vorteil.“

ÖFB-Teamtorhüter Cican Stankovic machte die Reise nach seinem vor fünf Wochen erlittenen Muskelbündelriss noch nicht mit. Er wird erneut von Carlos Coronel vertreten.

Die Vorbereitung auf Genk sei keine einfache gewesen, zumal Belgiens Meister mit dem Deutschen Hannes Wolf erst seit einer Woche über einen neuen Coach verfügt. „Seine Mannschaften sind normal gut gegen den Ball“, sagte Marsch über den Jungtrainer (38). Unterschätzen werden die Salzburger den aktuellen Neunten der belgischen Liga aber trotz des 6:2-Heimsieges im Hinspiel im September nicht. „Wir müssen verstehen, dass dieser Gegner sehr gut ist. Wir werden das beste Genk sehe­n“, warnte Marsch. „Die Mentalität und der Kopf sind sehr entscheidend in solchen Spielen“, meinte Routinier Zlatko Junuzovic. „Wir spielen auf Sieg. Wir wollen unbedingt die drei Punkte holen, damit wir eine gute Ausgangsposition für das letzte Spiel haben.“

Vier Zähler haben die Salzburger in der Königsklasse bislang geholt. Um auf den Spuren der Grazer Kulttruppe zu bleiben, wird es sechs weitere brauchen ... (t.w., APA)