Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.10.2016


Sport in Tirol

Laura Stigger: Die geheime Europameisterin

Für Laura Stigger geht eine unglaubliche MTB-Saison zu Ende: Die Haimingerin feierte praktisch „undercover“ den dritten EM-Titel.

© Bernd GruberZum dritten Mal fuhr Laura Stigger als Europas beste Mountainbikerin durchs Ziel.Foto: Bernd Gruber



Von Hubert Daum

Haiming – Mit Transparenten und Ehrungen wurde dem Imster Daniel Federspiel damals zum MTB(Mountainbike-)Weltmeistertitel gratuliert. In Haiming hingegen prangte nur ein selbst gebasteltes Plakat einige Tage auf dem etwas abgelegenen Haus. Das Innere hat es allerdings in sich: Es ist das Wohnhaus von Laura Stigger. Die 16-Jährige feierte heuer bereits ihren dritten MTB-Europameistertitel, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

„Mit sechs Jahren habe ich vom Osterhasen das erste Mountainbike bekommen“, erinnert sich Laura mit einem verschmitzten Lächeln, „die Kombination Natur und Spaß hat mir gleich getaugt und ich bin ziemlich bald dem heimischen Radclub beigetreten.“ Die Jugendliche mit „sportlichen Genen“ legte den rennmäßigen Skisport zur Seite und konzentrierte sich nur noch auf die Pedale. Stigger weiter: „Beim ersten Rennen in Sölden holte ich mir bei einem Sturz ein blutiges Knie, biss aber bis zum Ende durch.“ Das sei das mentale Schlüsselerlebnis gewesen, nie aufzugeben. Mit konsequentem Training strampelte sich die Bikerin bereits 2013 in das österreichische Nationalteam, in einem Jahr, ab dem es in der Karriere nur noch bergauf ging. Als regierende Österreichische U13-Meisterin stand die Sport-BORG-Schülerin 2013 als Dritte schon auf dem EM-Podium. Bereits ein Jahr später wurde der Traum der ehrgeizigen Sportlerin wahr: U15-EM-Titel. Laura: „Als die Bundeshymne erklang, war das ein unglaubliches Erlebnis, das mich natürlich weiterpushte.“ Und wie! Das zweite EM-Gold – diesmal in der Klasse U17 – glänzte nur ein Jahr später mit Siegen in allen Einzelrennen. Laura konnte auch dies noch toppen: Heuer im August brachte sie zum dritten Mal EM-Gold aus Graz mit nach Hause, diesmal mit der maximalen Punkteanzahl.

Als „mental stark“ bezeichnet sich die Haimingerin, die ein beeindruckendes Resümee ihrer jungen Karriere vorweisen kann: In 168 internationalen Rennen schaffte sie es 155-mal aufs Stockerl. Allerdings beginnt für Laura nächstes Jahr ein neuer Trail: Aufstieg in die Juniorenklasse. Das mittlerweile professionell aufgebaute Training und die neue Mitgliedschaft beim URC Ötztal sollten ihr den Weg zum großen Ziel im nächsten Jahr ebnen: die Qualifikation zur WM in Australien. Der größte Traum sei natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Deswegen habe sie ja die Disziplin „Cross Country“ gewählt.