Letztes Update am Mo, 05.06.2017 19:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TFV-Cup

Nach Drama badete Wörgl im Glück

Nach einem 9:8-Sieg im Elfmeterschießen sicherte sich Westligist Wörgl am Montag in Neustift erstmals seit 1997 wieder den Cup. Der FC Kitzbühel verlor in Neustift das dritte Finale in den vergangenen vier Jahren.

Wörgls Torhütertalent Paul Linzbauer hielt den Elfmeter von Thomas Schennach und entschied damit das Finale für sein Team.

© Thomas Boehm / TTWörgls Torhütertalent Paul Linzbauer hielt den Elfmeter von Thomas Schennach und entschied damit das Finale für sein Team.



Von Alex Gruber

Neustift — Das jährliche Saisonhighlight unter der Patro­nanz des Tiroler Fußballverbandes lockte wie immer zahlreiche Prominenz an. Michi Baur schaute natürlich seinem Filius und Kitzbühel-Stratege Raul auf die Beine, Michi Streiter und Roli Hattenberger schritten zum Ehrenanstoß. Von Wacker-Präsident Gerhard Stocker über die sportliche Führung der WSG Wattens (Manager Stefan Köck, Trainer Thommy Silberberger) war alles vertreten.

Die Protagonisten standen freilich am Feld. Und in den ersten zehn Minuten machte sich ein ganz leichtes physisches Übergewicht des Westligisten aus Wörgl bemerkbar. Die Kugel lief aber bei den Kitzbühlern besser. Der Tabellenführer der UPC Tirol Liga feuerte durch Raul Baur den ersten satten Warnschuss ab, den Wörgls Torhüter Paul Linzbauer mit einer Glanztat zur Ecke lenken konnte (11.). Möglich, dass das 17-jährige Torhüterjuwel aus dem Unterland bald auf dem einen oder anderen höherklassigen Notizzettel steht.

Zwei weitere Weitschüsse der Gamsstädter (Margic 16., Wörgetter/20.) verfehlten das Ziel. Folgerichtig gingen die Kitzbühler nach einer Kopfballverlängerung von Nicolas (Bruder von Lukas) und einem idealen Zuspiel von Bojan Margic durch Strafraumkobra Yigit Baydar mit 1:0 (41.) in Führung. Im Finish der ersten Halbzeit tauchten die Wörgler doch noch gefährlich im gegnerischen Strafraum auf. Spielerisch kam aus Sicht des Westligisten aber zu wenig. Stattdessen machte Kitzbühel ohne die verletzten Stammkräfte (Thomas Hartl, Andreas Landerl ...) den besseren Eindruck. Im dritten Finale nach zwei verlorenen Endspielen 2014 und 2016 (jeweils gegen die WSG Wattens) musste es ja ganz einfach klappen. Dafür stand auch die Gams im ganz in Gelb gehüllten Fansektor der Gamsstädter.

Wörgl fand in der zweiten Halbzeit besser ins Match. Speerspitze Peter Kostenzer ließ gegen Kitz-Goalie David Stöckl die erste Ausgleichschance (55.) aus, ehe Silvio Brandl nach einem idealen Pass auf und davon war und mit links zum 1:1 (68.) einschob. In den vielen Zweikämpfen flogen schon längst die Funken, Schiedsrichter Reinhold Fischer ließ durchaus „very British" spielen.

Als wäre alles nicht schon genug, hatte Kitzbühel durch Margic den nächsten verletzungsbedingten Ausfall zu verkraften. Sein Ersatz Tayshan Sami Hayden-Smith bediente gleich nach seiner Einwechslung mit Roy Meulendijks aber einen weiteren Joker und der traf aus der Drehung zum 2:1. Die Fans sprangen schon aufs Feld, um den Cup-Titel zu feiern. Aber Wörgl schlug nach einer Freistoßflanke durch Dejan Kostadinovic (2:2, 87.) erneut zurück. Das führte zum Elfmeterschießen. Kitzbühels Fans wollten die Seiten wechseln, die Nerven — nicht nur auf der Wörgler Bank — lagen blank. So ging's halt querfeldein durchs Feld. Auch ein Novum mit lokalem Anstrich.

Kitzbühel ging auch am Punkt sechsmal in Führung, Wörgl glich nervenstark immer wieder aus. Nachdem Linzbauer den 15. Elfmeter von Kitzbühel hielt, brachte der 16. (!) durch Mahir Iftic die Entscheidung. Mehr Drama geht fast nicht.

Die Girls aus Schwoich tanzten

Neustift — Das Drama begann gestern im Stubaital im TFV-Cup-Frauenfinale. Da vergaben die Damen aus Neustift durch Spielführerin Anna Öggl einen Elfmeter (80.) und durch Sturmpartnerin Lena Gschliesser zwei weitere Ausgleichschancen im Finish. Dabei wäre es vor heimischem Anhang so schön gewesen. Als Ögg­l nach dem Spiel bittere Tränen vergoss, tanzten nebenan die Gäste aus Schwoich Hand in Hand.

Ein Goldtor von Jacqueline Oberlohr gleich nach der Pause (49.) blieb der einzige Treffer in einer speziell mit Fortdauer spannenden Partie.

„Im Finale gibt's nur einen Sieger, natürlich ist die Enttäuschung groß", sagte Neustift-Trainer Serkan Demir, ehe Gschliesser ergänzte: „Normal gehen diese Chancen rein. Es ist sehr ärgerlich und heute tut das doppelt weh."

Nach der knappen Finalniederlage im Vorjahr gegen den SVI durften die Damen aus dem Unterland feiern. „Cool, dass es geklappt hat und das Glück dieses Mal auf unserer Seite war", atmete Schwoich-Kapitänin Claudia Kendlbacher durch. (lex)