Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Fussball

Keine Trainer, noch keine Liga: Wacker-Damen im Umbruch

Wohin die Liga-Reise geht, ist trotz Abstiegs offen. Dazu sind die Trainerstühle nach Rücktritten unbesetzt. Viel Arbeit für den neuen Mann bei den Damen.

© Rudy De Moor / TTGegen wen tritt die erste Mannschaft der Wacker-Damen kommende Saison an? Gegen einen Bundesligisten wie Südburgenland (rot) oder gegen Mannschaften wie Geretsberg (zweite Liga)?



Von Susann Frank

Innsbruck – Derzeit hängt bei den Wacker-Damen einiges im luftleeren Raum. So zum Beispiel, in welcher Klasse die erste und zweite Mannschaft in der kommenden Saison spielen werden. Eigentlich ist das Bundesliga-Team in der abgelaufenen Spielzeit sportlich abgestiegen, wodurch auch das zweite Team eine Liga tiefer antreten müsste.

Nach einem Anruf von Wolfgang Schauer, Vorsitzender der Frauen-Bundesliga, sind die Abstiege jedoch noch nicht besiegelt. „Er hat uns darüber informiert, dass sich eine Mannschaft abmelden könnte, dann würden wir bleiben“, erklärt Horst Braun. Um welches von den neun verbleibenden Teams es sich handeln könnte, wollte Schauer dem scheidenden Sportlichen Leiter der Damen nicht verraten. Am 11. Juni würde der FC Wacker Bescheid bekommen. Braun: „Zum Neuaufbau wäre es mir lieber, wenn wir in der zweiten Liga spielen würden.“

Ein Aufbau, der auf völlig neuen Stützen stehen muss. Denn nicht nur die Teams müssen durch Karriereenden und Abgänge anders zusammengestellt werden:

Auf sämtlichen Trainerposten braucht es ebenfalls neue Akteure. Alle vier Coaches – Katharina Pregartbauer, Lui­s Kranebitter (erste Mannschaft), Max Riedl und Alexandra Hohenbruck (2.) – legten ihre Ämter mit Ende der Saison nieder.

Hohenbruck, die rechte Hand von Braun, seit 2006 mit Herzblut im Einsatz in Sachen Wacker-Damenfußball (bis 2011 als Spielerin), erklärt, „die Umstrukturierung im Verein nicht mitmachen zu können“. Sie sollte noch mehr Verpflichtungen übernehmen, das würde sich neben ihrem Brotberuf aber nicht ausgehen. Zudem hätte ihr die Vorgehensweise im Verein hinsichtlich der Umstrukturierung bei den Damen nicht gefallen.

Die Begründungen von Max Riedl hören sich ähnlich denen seiner Co-Trainer an. Hohenbruck betont, „vor den Kopf gestoßen worden zu sein“. Auch wenn sie mit einem weinenden Auge gehen würde, sei das die einzig richtige Entscheidung für sie.

Dem scheidenden Trainer-Quartett war Masaki Morass als Horst Brauns Nachfolger vorgestellt worden. Der gebürtige Japaner nahm laut eigener Aussage die Kündigungen „mit großem Bedauern“ zur Kenntnis. Neben Lehrgängen und Spielerinnenakquise steht jetzt auch die Trainersuche auf seiner To-do-Liste.

Schnellschuss will der 38-Jährige dabei keinen abgeben. Er habe sich fest vorgenommen, den Frauen-Fußball beim FC Wacker weiterzuentwickeln. „In Österreich sind wir in der Elite gut, aber in der Breite noch nicht“, erklärt Morass, der die erste Mannschaft trainieren wird.

In Sachen Spielerinnen setzt er Hoffnungen auf den heutigen Schnuppertag bzw. das Sichtungstraining (Wiesengasse, 19 Uhr, ab 14 Jahren). Diesen hatten Braun und Hohenbruck noch fixiert. In welchen Ligen Morass gerne beginnen würde? „Ich kann beiden Modellen etwas abgewinnen“, betont er. Den derzeitigen luftleeren Raum empfindet er als Chance.