Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Basketball

Ortner: „Das Leben dreht sich nicht nur um den Basketball“

Nach zwölf Jahren in Italiens Spitzen-Basketball ist Benjamin Ortner zurück in seiner Heimat Tirol. Der 34-Jährige glaubt weiter an den großen Coup.



Von Roman Stelzl

Innsbruck – Einen Mann, der von sich sagt, er liebe die italienische Mentalität, trifft man am besten im Café. Und die Innsbrucker Altstadt mit ihren engen Gassen setzt dem Ganzen noch sein Ambiente drauf. „Ich liebe Italien einfach“, sagt Benjamin Ortner, als er mit großen Schritten durch die Riesengasse marschiert. Und dieser Name ist Programm. Mit seinen 2,05 Metern überragt der 34-jährige Tiroler Basketballer die Touristenscharen, die unter dem Goldenen Dachl wuseln. Die Hände sind groß wie Speiseteller, die Stimme dagegen ist sanft und leise.

Ein Riese in der Tiroler Basketball-Szene: Mit seinen 2,05 Metern greift Benjamin Ortner in Innsbruck nach Höherem.
Ein Riese in der Tiroler Basketball-Szene: Mit seinen 2,05 Metern greift Benjamin Ortner in Innsbruck nach Höherem.
- Thomas Boehm / TT

Irgendwie ist es doch seine Heimat, dieses Innsbruck. Und irgendwie ist er hier ganz fremd. Seit seinem 18. Lebensjahr tingelt Ortner durch die Welt. Immer dem Ball nach. 2001 führte ihn dieser Weg für vier Jahre ans US-College, danach ging es nach Italien, wo Ortner außer einer Saison (2012 bei Gießen in Deutschland) zwölf Jahre lang bleiben sollte. Bis zum August dieses Jahres. Bis zum nicht ganz sanften Abschied beim Team von Venedig, mit dem er kurz zuvor Meister geworden war.

Wochenlang hielt sich Ortner danach beim Spitzenklub von Mailand fit. Dann, Mitte September, kam die Rückkehr nach Innsbruck, wo seine drei Kinder (die Zwillinge sind drei Jahre alt, die Tochter ist eins) leben. Es ist eine Art von Wiedervereinigung. Eine Rückkehr nach Hause. Es sind Tage, die guttun. Aber es sind auch Tage des Wartens.

„Wenn heute das Handy läutet, kann es sein, dass ich morgen schon weg bin. Es muss sich nur irgendwo einer verletzen“, sagt Ortner.

Der Glaube des besten Tiroler Basketballers der Vergangenheit ist nicht erloschen. Während die besten Ligen der Welt schon beginnen, hofft der frühere Nationalspieler, der im Zwist vom Team ging und seit 2008 kein Länderspiel mehr bestritt. Eigentlich hätte die Vereinssuche, egal ob Italien, Spanien oder Österreich, schon längst beendet sein sollen. Oder sonst auch die Karriere. „Ich gehe nicht mehr um jeden Preis überallhin“, ergänzt Ortner, der nach 382 Partien in der Serie A auch einen Schlussstrich setzen könnte.

Und als dreifacher Jung-Familienvater habe sich vieles geändert. „Das Leben dreht sich nicht nur um Basketball. Das habe ich gelernt“, erklärt der studierte Informatiker. Doch in mancher Hinsicht sei er „von der Leistung am Höhepunkt“. Schluss soll also nicht sein. Jetzt noch nicht. Nur die Uhr hört nicht auf zu ticken. Ohne Verein. Ohne Herausforderung.