Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.12.2017


Osttirol

Internationales Boxturnier in Lienz ist Geschichte

Nach einem Vierteljahrhundert gibt es in Lienz heuer erstmals kein Dolomiten-Box-Turnier. Finanzprobleme sind nur zum Teil daran schuld.

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© Expa, Hans Groder



Von Catharina Oblasser

Lienz – Voriges Jahr gab es beim Boxclub Lienz noch zwei Jubiläen zu feiern: die 25. Auflage des internationalen Dolomiten-Box-Turniers und das 65-jährige Bestehen des Vereins. Heuer sieht es ganz anders aus. Ein Turnier wird es nicht geben, der Präsident des Clubs ist abhanden­gekommen, die Zukunft ist noch unklar.

„Nach 25 Jahren haben wir beschlossen, in puncto Turnier eine Nachdenkpause einzulegen“, sagt Boxclub-Obmann Robert Moser. „Wir wollen etwas anderes machen.“ Was das sein wird, steht noch nicht fest. Vorerst will sich der Boxclub noch mehr als bisher der Nachwuchs­arbeit widmen. Es sei wichtig, bei Turnieren möglichst viele einheimische Kämpfer im Ring zu haben, meint Moser. „Sonst ist das Interesse des Publikums nicht so groß, auch wenn wir internationale Box-Größen dabeihaben.“

Beim Jubiläumsturnier 2016 hatte der Verein sogar freien Eintritt zu den Wettkämpfen im Lienzer Stadtsaal gewährt. Schließlich sei es auch für die Kämpfer nicht interessant, vor leeren Rängen zu boxen, lautete damals die Begründung.

Also setzt der Lienzer Verein verstärkt auf einheimische Jungboxer. „Wir haben im Moment zehn Kämpfer im Training, die bei Wettkämpfen antreten könnten“, erklärt Robert Moser. „Vielleicht veranstalten wir in Zukunft ein Jugendturnier in Lienz.“

Ein weiterer Grund für das Aus des internationalen Boxturniers ist finanzieller Natur. „Pro Termin fallen rund 15.000 Euro an Unterbringungs- und Verpflegungskosten für die Teilnehmer an“, schildert Moser. Da der Boxclub Lienz ein eigenständiger Verein ist und keiner Sportunion oder einer ähnlichen Dachorganisation angehört, sei das auf Dauer nicht mehr zu leisten.

Die Neuausrichtung im Boxclub Lienz hatte auch personelle Folgen. Präsident Valentin Dallavia hat sein Amt zurückgelegt, einen Ersatz für ihn gibt es nicht. Zu Gerüchten, der Boxclub hätte an ein­e Auflösung gedacht, meint Moser: „Nachdenken kann man über vieles, aber so weit ist es nicht gekommen. Wir wollen den Boxsport in Ost­tirol am Leben erhalten.“