Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.04.2018


Tischtennis

„Wenn es sich häuft, muss man auch mal was sagen“

Tirols Bundesliga-Tischtennisspieler müssen um ihre Erstklassigkeit zittern. Sorgen bereiten ihnen aber einige Schiedsrichter-Entscheidungen.

© Vanessa Rachlé/TTTI-Spieler Stefan Leitgeb und Co. müssen sich im Mai beim Finalturnier in Wels noch einmal über die Tischtennis-Platte strecken, um in der Bundesliga zu bleiben.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Vor knapp einem Monat war die Begeisterung in Tirol noch groß. Österreichs Nationalteam-Herren glänzten in Fulpmes im Rahmen der EM-Vorrunde gegen Portugal. Ein Höhepunkt für Tischtennis Tirol, inzwischen kehrte aber wieder der gewohnte Alltag ein.

Seit Sonntag ist der Grunddurchgang in der Bundesliga abgeschlossen. Einmal mehr müssen die Herren der Turnerschaft Sparkasse Innsbruck um den Klassenerhalt zittern. Als Tabellenvorletzter spielen sie beim Finalturnier am 12./13. Mai in Wels gegen den Tabellenletzten Wiener Neudorf. Ein einziges Spiel um alles oder nichts, bei dem es zumindest ein Unentschieden braucht.

„So dramatisch sehe ich es nicht“, kontert Spieler Stefan Leitgeb. Immerhin gehe es ja nicht Leben, Tod oder ein­e Existenz. „Es wäre schön, wenn wir oben bleiben, aber sollten wir absteigen, geht es auch weiter.“ Mehr im Magen liegt den TI-Spielern aber ein anderes Thema.

Man fühlt sich von den Schiedsrichtern unfair behandelt. Weil kaum Tiroler Unparteiische bei Bundesligaspielen zählen, auch um den vermeintlichen Heimvorteil gebracht. „Ich habe den Eindruck, dass man bei uns einfach genauer hinschaut, zum Teil kleinlich ist“, glaubt der 23-jährige Leitgeb. Grund dafür könnte ein Vorfall im Herbst sein. Einen Matchball für TI-Urgestein Christoph Maier hatten Schiedsrichter und Gegner damals anders gesehen, in Folge gab es ein­e Auseinandersetzung. „Ich weiß, dass ich nicht einfach und ein Hitzkopf bin, aber ich gebe eben immer alles“, verteidigt sich Maier. Drei-Spiele-Sperre und 1000 Euro Strafe nahm er hin, „es bringt ja dann nichts mehr“.

TI-Teamkollege Leitgeb äußerte seinen Unmut über Schiedsrichter-Entscheidungen zuletzt auch auf Facebook: „Wenn es sich häuft, muss man einfach auch mal was sagen.“ Als Beispiel nannte er, dass einige Spieler verbotenerweise Bälle beim Service mit Schulter, Arm oder Hand verdecken würden, was teilweise eben nicht als Fehler gewertet werde. Im Gegensatz dazu aber sein unlängst zu weites Ausholen beim Aufwurf wenige Zentimeter unter den Tisch ohne Sichteinschränkung für den Gegner aber schon.

„Darüber gibt es laufend Diskussionen – nicht nur in Tirol, sondern überall“, berichtet Werner Thury, oberster Tischtennis-Schiedsrichter Österreichs. Auch dem Vorwurf, Bundesligaspiele nicht von Tiroler Schiedsrichtern zählen zu lassen, widerspricht Thury: „Es ist nicht immer leicht, alle Spiele zu besetzen, und leider gibt es auch nicht so viele Tiroler mit der entsprechenden Qualifikation, die sich regelmäßig weiterbilden.“ Aber die Situation verbessere sich dank des Tiroler Referenten Horst Ollram zusehends. Am Samstag gab es in Innsbruck eine Referee-Tagung mit 18 Teilnehmern in Innsbruck. Der Vorfall im Herbst sei ihm jedenfalls bekannt, und der wäre auch nicht zu dulden gewesen, „aber es gibt keine Hinweise, dass man deshalb nun strenger beurteilt“, so Thury.