Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.04.2018


Schwimmen

Wie Warten auf Godot: OSV will den „Sack zumachen“

Drei Tiroler Schwimmer haben sich für die EM in Glasgow qualifiziert, nur Simon Bucher hält trotz fehlender 50-m-Bahn Innsbruck die Treue.

© gepaDie Schwimmer brauchen einen langen Atem: EM-Starter Xaver Gschwentner zog von Tirol weg, um in einer 50-m-Halle zu trainieren.



Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Es gleicht Samue­l Becketts Theaterstück, nur dass Godot kein Unbekannter ist, auf den man wartet: Tirols Schwimmer sehnen sich nach einem 50-m-Hallenbad. Und das schon seit Jahren. Evaluierungen, Standortüberprüfungen, Finanzierungsgespräche – auch im aktuellen Tiroler Koalitionsabkommen scheint die Schwimmhalle auf, allerdings nur mit einer Unterstützungserklärung.

Planung und Bau einer 50-m-Halle ist zu einem Pingpong-Spiel zwischen Stadt, Land und Bund um die Finanzierung geworden. Mit jeder Wahl beginnt das Spiel von Neuem. „Es gibt schon seit Jahren viele positive Signale“, bestätigt Stefan Opatril, Vizepräsident des österreichischen Schwimmverbandes OSV. Zuletzt hätten Sport­minister Heinz-Christia­n Strache oder auch Armin Assinger, Aufsichtsratsvorsitzender der Bundes-Sport GmbH, das Problem benannt. „Irgendwann braucht es aber mal eine Entscheidung“, fordert Opatril, „es wäre an der Zeit, den Sack zuzumachen.“

Ein anderer Sack ist indes seit Sonntag zu – die Qualifikationsphase für die Langbahn-EM im August in Glasgo­w. Drei Tiroler haben die Limits geschafft und sie am Wochenende beim Ströck-Meeting in Graz noch einmal bestätigt: Bernhard Reitshammer mit einem österreichischen Rekord über 50 m Brust (Durchgangszeit) und Xaver Gschwentner über 200 m Delfin. Beide schwimmen aber nicht mehr in Innsbruck. Wegen der fehlenden 50er-Halle trainieren sie in Linz bzw. der Südstadt/NÖ. Der Dritte und mit 17 Jahren Jüngste, Simon Bucher, hält Tirol (noch) die Treue. Zuletzt markierte der Sport-HAS-Schüler dennoch eine Bestmarke nach der anderen – jetzt in Graz etwa den österreichischen Junioren-Rekord über 50 m Delfin und dazu den Tiroler Rekord über 100 m Delfin.

„Er ist ein Talent und im Moment läuft einfach alles gut zusammen“, freut sich Buchers Trainer Wolf Grünzweig und vergleicht angesichts der jüngsten Bestzeiten mit einem Cocktail: „Wenn die Zutaten passen, dann kommt eben was Tolles raus.“ Auf Bucher warten heuer mehrere Höhepunkte: die Junioren-EM Anfang Juli und die YOG im Oktober. Als Europas Nummer drei über 50 m Delfin (Jg. 2000) zählt der Innsbrucker dort zu den Medaillenhoffnungen. Daher gilt es, einen Plan auszuklügeln – im Sommer mit einer 50-m-Bahn. Noch heißt es aber warten: Erst in etwa zehn Tagen können die Schwimmer ins Tivoli-Freibad (Eröffnung 5. Mai) und damit ins „lange“ Becken übersiedeln. Das eingelassene Wasser ist zu kalt.

„Ich bin Trainer und muss versuchen, aus den gegebenen Rahmenbedingungen, das Beste rauszuholen“, sagt TWV-Coach Grünzweig. Vergebliches Hoffen ernüchtert wohl längst. Erfreulich also, wenn Simon Bucher Samuel Beckett vergessen macht.