Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Unterhaus

Im Außerfern spricht man über den Aufstieg

Ein Quartett aus dem Bezirk Reutte zählt in den Unterhaus-Ligen zu den Titelanwärtern. Vils könnte doppelten Grund zur Freude haben.

© Dämpfer im Oberland: Reutte (weißes Trikot) musste sich am Samstag mit einem 2:2-Remis bei Schönwies/Mils zufrieden geben.



Von Daniel Lenninger

Vils – Außer Spesen nichts gewesen. So lautet zumeist das Fazit der Tiroler Fußball-Gebietsligisten, die zum Gastspiel nach Vils fahren und anschließend mit leeren Händen den Nachhauseweg antreten. In den jüngsten 35 Liga-Heimspielen kassierten die Kicker aus dem Außerfern lediglich zwei Niederlagen. Die Heimstärke war der Treibstoff der rasanten Entwicklung des Klubs aus der 1500-Seelen-Gemeinde. „Die Jungs spielen einfach gerne zuhause“, sieht Vils-Obmann Erich Schlichther den heimischen Sportplatz als ein Wohnzimmer, in dem man sich wohl fühlt. Und als eines, in dem familiärer Zusammenhalt eine zentrale Stellung einnimmt. Seit sieben Jahren wird das homogene Team, dessen Spieler auf und neben dem Rasen an einem Strang ziehen, vom gleichberechtigten Trai­nerduo Stefan Haid und Franz Wachter betreut. „Wir denken zu 99,9 Prozent gleich“, spricht Haid von einer perfekten Zusammenarbeit.

Die auf Kontinuität basierende Philosophie führte im November mit der Herbstmeisterschaft in der Gebietsliga West zu einem vorläufigen Höhepunkt. Nach zwölf Punkten aus den ersten sechs Rückrundenspielen darf der im Frühjahr noch ungeschlagene Tabellenzweite weiter von der Landesliga träumen. „Im Fußball spielt man entweder um den Aufstieg oder um den Klassenerhalt“, gibt sich Schlichther nicht mit einer Platzierung außerhalb der beiden heiß umkämpften Ränge zufrieden. Etwas differenzierter bewertet der Funktionär die Ambitionen der zweiten Kampfmannschaft, die sich in der 2. Klasse West ebenfalls die Winterkrone sichern konnte, nach einem durchwachsenen Frühjahrsauftakt allerdings auf Platz fünf durchgereicht wurde: „Dort geht es vorwiegend um die Entwicklung, aber natürlich streben diese Burschen auch nach Erfolg.“ Ausgerechnet Lokalrivale Lechtal, der der Vilser „Zweier“ vor zwei Wochen durch das gewonnene Duell einen Dämpfer versetzte, könnte sich als Stolperstein erweisen. Nach zwei Siegen in Folge und – bei einem Spiel weniger – vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Längenfeld II sind die Vilser Chancen aber weiter intakt.

Mit Reutte, Dritter in der Landesliga West, hat ein viertes Team aus dem Bezirk den Aufstieg im Visier. Wer sich im spannenden Saisonendspurt durchsetzen kann, ist offen. Als sicher gilt nur eines: Das Außerfern steht vor den Wochen der Wahrheit.

Der Vilser Tobias Kerle hat den Aufstieg im Visier.
- Michael Kristen