Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 30.05.2018


Kletter-WM

Stöhr hat nur noch 100 Tage Zeit

Der Countdown für die Kletter-WM in Innsbruck wurde gestern eingeläutet. Rahmenprogramm und WM-Trailer wissen zu überzeugen, für die derzeit verletzte Lokalmatadorin Anna Stöhr wird die Zeit knapp.

© KristenDie zweifache Boulder-Weltmeisterin Anna Stöhr spielt im offiziellen WM-Trailer die Hauptrolle, muss aber um den WM-Start bangen.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck – Nur langsam füllt sich Saal 5 im Innsbrucker Metropol Kino. Es sind ja noch gemütliche 100 Tage bis zur Eröffnung der Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck (6. bis 16.9.). Bei Popcorn und Softdrinks ließ es sich gestern bei der Präsentation des Rahmenprogramms genüsslich plaudern. Als mit etwas Verspätung jeder in den bequemen roten Kinosesseln Platz genommen hatte, startete der WM-Ausblick.

Unter dem Motto „Klettern kommt heim“ will man ähnlich wie bei der Fußball-EM 1996 in England („Football’s coming home“) Euphorie entfachen. WM-Organisator Michael Schöpf zählt die Tage bis zur Eröffnungsfeier (6. September). „Die Vorfreude ist riesig und wächst mit jedem Tag!“ Die Vorbereitungen seien weit gediehen. Geht es nach ihm, könnte es schon morgen losgehen. „Innsbruck wird für zehn Tage der Mittelpunkt der Kletterwelt“, verkündete er das Event, das greifbar und für jedermann zugänglich sein soll:

Rahmenprogramm: Auf dem Marktplatz, der temporär in „Climbers Paradise Village“ umbenannt wird, soll den Tirolern für die WM „der Mund wässrig gemacht“ werden. Ein buntes Rahmenprogramm (freier Eintritt) mit Konzerten, Workshops, einer Show-Kletterwand und Hüpfburg für die Kleinsten soll den „Gusto“ wecken. Shuttlebusse bringen die Fans dann vom Marktplatz zu den Wettkampfstätten (Kletterzentrum und Olympiaworld), jeden Abend um 21.45 Uhr findet am Marktplatz die offizielle Siegerehrung statt.

Stolz ist Schöpf, dass Sänger und Produzent Fritz Kalkbrenner für die Eröffnungszeremonie quasi mit Seil und Karabiner nach Innsbruck geholt werden konnte: Jeden Abend (mit Ausnahme der Schlussfeier am Sonntag) soll der Marktplatz zur Partyzone werden. Wettkampf-Clubbings steigen weiters in der „Orangerie“.

Sportliche Vorzeichen: Medaillen für Österreichs Kletterer wären der beste Zündstoff, um WM-Euphorie zu entfachen. Die zweifache Boulder-Weltmeisterin Anna Stöhr würde in ihrer Heimat gerne eine weitere Medaille holen. Gestern saß die Rumerin gemeinsam mit Langzeitfreund Kilian Fischhuber im Kinosaal und ließ den offiziellen WM-Trailer – in dem sie die Hauptrolle spielt – auf sich wirken. Ein Antreten der Lokalmatadorin scheint derzeit aber mehr als fraglich: „Es ist alles offen“, sagte die 30-Jährige auf TT-Nachfrage. Seit drei Monaten kämpft die „Grande Dame“ der Boulderszene mit Rückenproblemen (Bandscheibe) und musste daher auch die Staatsmeisterschaft auslassen. „Ich bin derzeit am Routenklettern, Bouldern kann ich noch nicht trainieren“, erzählte die Tirolerin und diese Worte fielen ihr sichtlich schwer. Anstatt ins Kletterzentrum muss sie viermal pro Woche zur Physiotherapie. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. WM-Organisator Michael Schöpf hofft noch: „Wir können sie bis zehn Tage vor der WM nominieren, für sie ist immer Platz im Team. Anna ist so wie Manuel Neuer bei den Deutschen.“

Entspannt die Tage bis zur WM zählen kann indes Jakob Schubert. Für den Vorstieg-Weltmeister von 2012 ist eine Medaille „dahoam“ das große Karriere-Ziel: „Am liebsten wäre mir natürlich Gold!“, sagte der 27-jährige Innsbrucker und verließ den Kino-Saal 5 gestern als Erster.

WM-Vorfreude: Alpenverein-Präsident Andreas Ermacora (hinten), KVÖ-Präsident Eugen Burtscher (r.) und Stadträtin Elli Mayr (M.) mit Athleten.
- Kristen