Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Reitsport

Große Chance auf kleinem Pferd

Lorena Scheiber will auf Haflingerstute Regenta bei Tiroler Meisterschaft hoch hinaus.

© Cecile ZahorkaIm Gelände kann sich Lorena Scheiber auf ihre Haflingerstute Regenta verlassen, in der Dressur muss sie hingegen zittern.



Von Susann Frank

Leutasch – „Eigentlich“, sagt Lorena Scheiber, holt Luft und setzt noch einmal an: „Eigentlich ist die Chance groß, den Titel zu holen. Aber bei einem Lebewesen als Partner weiß man eben nie.“ Ihre Partnerin ist die 13-jährige Haflingerstute Regenta, mit der sie am Wochenende bei den Tiroler Meisterschaften Vielseitigkeit Pony und Haflinger in der Leutasch Gold gewinnen möchte.

Die Ausgangslage ist aufgrund ihrer gemeinsamen Erfolge in der heurigen Saison gut. Erst vergangenes Wochenende qualifizierte sich die Obergurglerin mit diesem, ihrem besten Gebirgspferd im Stall, erstmals für die Haflinger-Vielseitigkeits-EM Ende August in Stadl-Paura (OÖ). „Das ist cool, da war sie brav“, erklärt die 19-Jährige. Das sei bei Regenta jedoch nicht immer so. Die Stute, deren Motivation mit dem Alter zunehme, könne vor allem in der Teilprüfung Dressur ziemlich aufdrehen. „Deswegen haben wir immer eine 50:50-Chance“, erklärt Scheiber.

Für sie ist es ein Traum, den Reitsport ausüben zu können. Einer, der ihr in die Wiege gelegt wurde. Urgroßvater Angelus Scheiber züchtete bereits Haflinger. Ihr Vater Lukas ist seit 2013 Präsident der Haflinger Welt-, Zucht- und Sportvereinigung. Die Tochter lernte gehen und reiten sozusagen gleichzeitig.

Trotzdem dachte sie sogar einmal über einen Wechsel auf ein Großpferd nach. Bis 2012 Regenta von Ebbs zu ihr in den Stall wechselte. „Sie ist ein tolles Pferd und außerdem habe ich festgestellt, dass es bei uns im Ötztal mit einem Haflinger einfach komfortabler ist“, hebt Scheiber die Trittsicherheit des robusten Kleinpferdes hervor. Was ihr am Talschluss natürlich völlig fehlt, sind Trainingsstrecken. Um überhaupt Vielseitigkeit reiten zu können, muss sie ihren geliebten Vierbeiner verladen und fährt vier Stunden nach Ruhrstdorf in Niederbayern: im Winter einmal pro Monat, im Sommer für ein Kurswochenende. Ihr Trainer dort ist der Österreicher Andreas Riedl, bei dem auch die amtierende Tiroler Meisterin in der Allgemeinen Klasse, Miriam Mayer, trainiert. Um alles unter einen Hut zu bringen steht Lorena Scheiber früh auf. Daheim wird vor Arbeitsbeginn im familieneigenen Hotelbetrieb geübt – dort mit Magdalena Hell.

Warum sie sich gerade für das Vielseitigkeitsreiten begeistert? „Ehrlich“, sagt Scheiber, holt Luft und setzt noch einmal an: „Um ehrlich zu sein, war mir das reine Dressurreiten schon mit 13 zu langweilig.“