Letztes Update am Di, 28.08.2018 13:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Radsport

E-Motoren beschäftigen auch den Ötztaler Radmarathon

E-Doping! Was beim Radweltpokal in St. Johann passierte, soll keine Ausnahme sein. Beim Ötztaler Radmarathon ist man gewarnt.

Ein Zusatzmotor kann 110 Watt und mehr leisten.

© VivaxEin Zusatzmotor kann 110 Watt und mehr leisten.



Von Florian Madl

Innsbruck – Dass ein ungarischer Mittsechziger im Vorjahr seine Altersklasse beim Radweltpokal in St. Johann mit knapp zwei Minuten Vorsprung gewann, ging im Trubel unter. Dass eben jener Teilnehmer heuer noch vor dem Start aus der Wertung genommen wurde, nährte indes den Verdacht mancher Radsport-Freunde: Unerlaubt­e Hilfsmotoren sind mittlerweil­e auch in der Amateur-Radszene ein Thema.

Schummeln entspricht nicht unserer Philosophie, die Motoren sind nicht für Rennen gedacht.
Dido Kopp (vivax assist)

Das veranlasste auch die Organisatoren des Ötztaler Radmarathons, vor der heurigen Auflage (2. September) ein Augenmerk darauf zu legen: „Das Thema kommt demnächst in einer internen Besprechung auf den Tisch“, bestätigte Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Ötztal Tourismus und selbst passionierter Radsportler. Damit trägt man beim Traditionsrennen auch einer weiteren Form der unerlaubten Leistungssteigerung Rechnung: Vor dem ­E-Doping war man im Vorjahr gegen medizinisches Doping vorgegangen, die Nationale Anti-Dopingagentur NADA hatte beim Klassiker (4000 Teilnehmer) erstmals Tests durchgeführt. Dido Kopp, geschäftsführender Gesellschafter des etablierten Wörgler Elektromotor-Anbieters vivax assist, verwahrt sich gegen eine indirekte Unterstützung fehlgeleiteter Sportler: „Das Schummeln entspricht nicht unserer Philosophie, unsere Motoren sind nicht für einen Renneinsatz gedacht.“ Vielmehr gehe es darum, etwa beim gemeinsamen Ausfahren Leistungsunterschiede auszugleichen.

Die technischen Daten eines Standardmodells freilich klingen verheißungsvoll: 1,5 Stunden lang könne ein ins Sattelrohr eingebauter Motor rund 110 Watt Zusatzleistung bei 1,8 kg Zusatzgewicht liefern, der Akku befindet sich in der Trinkflaschenhalterung. Ab 3000 Euro könne man ein herkömmliches Sportgerät umrüsten – allerdings für jeden ersichtlich. „Von der LED-Anzeige über den Akku-Ladestand angefangen finden sich viele Hinweise darauf, dass es sich um kein übliches Rad handelt.“

Aufklärung beim ersten Fall von Motor-Doping

Mittlerweile fänden sich laut Kopp jedoch schon Techniker, die Kabel für keinen ersichtlich verlegen könnten. „Es wird immer Schlaumeier geben, die so ein System missbrauchen. In einem Sport, in dem die Besten oft nur 10 Watt auseinanderliegen, tun sich damit neue Welten auf.“ Eine belgische Querfeldeinfahrerin versuchte das auf Profi-Ebene, zur Aufklärung des Falls trat auch der Radsportweltverband UCI an das Wörgler Unternehmen heran. „Wir halfen aus, indem wir die Einbau-Anleitung übermittelten.“ Die angesprochene Femke Van Den Driessche, der in der Folge ein Europameistertitel aberkannt wurde, gilt als erster aufsehenerregender Fall von „Motor-Doping“.

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Sollte der Wunsch an seine Firma herangetragen werden, ein Rad für den Rennzweck verbotenerweise umzurüsten, werde man das nicht unterstützen. Dido Kopp: „Solch­e Leute würden wir höflich zur Tür begleiten.“ Und beim Ötztaler Radmarathon hofft man, dass jeder Teilnehmer auf die naturgegebende Pedalkraft hofft. „Lebe deinen Traum“, heißt dort seit Jahren das Motto.